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Der Israelit · 1898-09-20 · Heft 74 (20.9.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 74 (20.9.1898)
Date
1898-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1385 selbst. Denn, da die Verkäufer israelitischer Eonfession entschlossen sind, am Versöhnungstage ihr Vieh nicht zum Verkauf zu stellen, so würde der Markt, falls auf der ausschließlichen Abhaltung desselben am Montag bestanden wird, völlig unzulänglich beschickt sein. Es steht daher zu ermarten, daß die Statthaltern, der das endgiltige Votum in dieser Angelegenheit zusteht, sich durch ein solches, auf parteipolitische Motive zurückzvführendes Gutachten nicht beirren lasten, sondern ihre Entscheidung in einer den Jnteresten aller Marktparteien und den Interessen des Marktes selbst entsprechenden Weise treffen wird. Frankreich. Paris, 15. Sept. Die Antisemitenhetze hat die Wirkung gehabt, daß die in Frankreich bestehende Gesetzgebung betreffs der jüdischen Gemeinden in Algier eingeführt worden ist. Danach wird ein Konsistorium errichtet in jedem Departement oder Arondissement, das 2000 Juden zählt. Uebersteigt die Zahl der Juden 10,000 in einem Kreis, so können zwei Konsistorien errichtet werden. In Algier giebt es 48,763 Juden in drei Departements unter 316,137 Franzosen, 211,580 andere Christen und 3,764,000 Muselmanen. Bisher bestand nur in jedem der drei Departements ein Konsistorium, jetzt ist jedes in drei Bezirke mit ebenso viel Konsistorien getheilt. Zweck der Neueintheilung ist, wie der sie befürwortende Bericht ausführt, die Macht der bisherigen großen Konsistorien zu brechen. Zu diesem Behufe wird den Konsistorien auch die Verwaltung der zu wohlthätigen Zwecken bestimmten Einnahmen aus den Schlacht- und Koschergebühren, sowie aus den Beerdigungen genommen. Sie müssen fortan diese Gelder an die amtliche Hilfsanstalt (bui^au de bienfaisance) des betreffenden Bezirks abführen. Ilebrigens sind auch die christlichen Kirchen gehalten, den Ertrag ihrer Sammlungen für wohlthätige Zwecke an diese Hilfsanstalten abzuliefern. Der Bericht gesteht, daß durch die Vertheilung in neun, statt bisher drei Konsistorialbezirke und Wegnahme der Einnahmen zu wohlthätigen Zwecken die Macht der Konsistorien gebrochen wird. Allgemein ist man überrascht, zu erfahren, daß es in Algier nur 48,763 Juden giebt. Nach dem von den Antisemiten gemachten Getöse hätte jeder auf Hunterttausende Juden geschlossen, die alle wirthschaftliche und politische Gewalt in Händen hätten, die Wahlen entscheiden x. Wenn die Juden in Algier Ansehen und Einfluß besitzen und etwas vorstellen, so kommt das hauptsächlich daher, daß sie seßhaft sind und in ansehnlicheren Städten gruppenweise zusammenwohiten. Dort haben sie sich auch französische Sprache, europäische Gewohnheiten und Bildung erworben. Die Zahl der Juden hat sich dabei in Algier nicht entfernt so vermehrt wie die der übrigen Bevölkerung, ja eher noch vermindert. In Frankreich ist die Verminderung der Juden unzweifelhaft. Der angezogene Bericht erwähnt, daß in Frankreich 71,000 Inden unter 38 Mill. Einwohnern leben. Unter dem Kaiserreich, Mitte der fünfziger Jahre, wurden 90,000 Juden in Frankreich angegeben. Durch die Abtrennung von Elsaß-Lothringen wurden etwa 25,000 Inden abgclöst, doch muß die Gesammtzahl der Juden sich in der Zeit von 1855 bis 1870 vermehrt gehabt haben. Nach dem Frankfurter Frieden sind fortwährend viele jüdische Familien — siehe die Familie Dreyfus — nach Frankreich übergesiedelt, so daß in Elsaß-Lothringen eine Minderheit eintrat, die freilich durch Einwanderung aus dem übrigen Deutschland reichlich ausgeglichen wurde. Seit 20 Ihren sind hier namentlich auch einige tausend Juden aus Rußland mit einem Male eingewandert. Aus Deutsch land, Oesterreich-Ungarn, Rumänien, Rußland u. s. w. findet ein fortwährender Zuzug von Juden hierher statt. Nach meinen Wahrnehmungen sind seit 25 Jahren mindestens 15 000 Juden aus dem Auslande nach Paris gekommen, wo freilich über die Hälfte aller Juden Frankreichs wohnen. Aber auch iu den Provinzen sind Juden znaewandert, wie ich aus Beispielen weiß. Und trotzdem nur 71 0oo Juden! Eine natürliche Mehrung findet also keineswegs statt, tvie denn auch alle Kundige eingestehen, daß ohne Einwanderung die Juden in Frankreich aussterben tvürden, wenn auch erst in längerer Zeit. Haupturfache davon sind die zahlreichen Heirathen mit Christen, bei denen die Nachkommenschaft christlich wird, selbst wenn die Ehe nur standesamtlich geschlossen wurde. Fast alle jüdischen Familien haben hier deshalb auch christliche Verwandte. In Paris besteht ein israelitisches Oberkonsistorium für Frankreich, dem jetzt auch die Konsistorien in Algier untergeordnet sind. Konsistorien giebt cs in Lille, Vesoul, Besanyon, Nancy, Lyon, Marseille, Bordeaux, Bayonnc. In 56 (von 87) Departements giebt es keine Synagogengemeinden. Bulgarien. AV. Sophia. (Z u c Besetzung desGrandrabbinals in Bulgarien) Man schreibt der „Neuzeit:'' Die Besetzung des Grandrabbinats in Bulgarien stößt derzeit auf größere Schwierigkeiten wie vor mehreren Jahren und doch bildet diese Sedisvaccance eine empfindliche Lücke in allen jüdischen Angelegenheiten und haben die Gemeinden der Provinz schon öfters die Anstellung verlangt. Die Schwierigkeiten, Die daselbst obwalten, liegen zunächst in der Auffassung des Wesens des R rbbinats. Die maßgebenden Persönlichkeiten wollen in dem Grandrabbi eine Art Consul erblicken, welcher zu jeder Zeit bei den Ministern aufwartet unv die Lasten

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