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Der Israelit · 1898-05-26 · Heft 41-42 (26.5.1898) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 41-42 (26.5.1898)
Date
1898-05-26
Page
– (sequence 27)
Language
German
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777 storben, sie haben die Belagerung ausgegeben und sich getrollt", berichtete er frohlocken». Wirklich hatten sich die Buben verlaufen. Das Knurren des leeren Magens zu stillen, zogen sie schließlich noch vor die vollständigste Befriedigung ihrer Rache. Zudem trösteten sie sich auf eine andere, passendere Gelegenheit. Der nächstfolgende Tag mar ein Mittwoch. Alfred war nicht zur Schule gekommen. „Herr Lehrer", bat einer der Schüler in der Pause, „es ist heute so schönes Wetter, und schon lange versprachen Sie uns einen gemeinschaftlichen Ausflug nach der Waldmühle." „Gut!" sagte der Angeredete nach kurzem Ueberlegen. „Wir wollen sehen, wie der letzte Aussatz ausgefallen ist, darnach will ich meine Bestimmungen treffen. Thielen!" rief er Ludwig, der einen Eckplatz hatte, an, „sammele die Hefte." Kurze Zeit darauf legte Ladung zwei ansehnliche Stöße Schreibhefte vor den Lehrer aus den Tisch. Letzterer griff einen Theil derselben heraus und las sie durch. Die Schüler, die sich ziemlich auf das Mienenspiel ihres Lehrers verstanden, stießen sich vergnügt unter den Bänken an, gaben sich heimlich zustimmende Zeichen. Sie hatten sich nicht getäuscht. „Heute Mittag mn zwei Uhr könnt ihr euch aus dem Schulhofe versammeln, die Arbeit ist befriegend", verkündet er den froh Aufhorchenden. Sofort hob Ludwig den Finger, zum Zeichen, daß er sprechen möchte. „Nun, was gibt es?" „Darf Alfred Cahn mitgehen, Herr Lehrer?" fragte Ludwig laut, daß es die ganze Claffe hören konnte. „Gewiß, wenn es ihm Freude macht!" entschied der Lehrer. Um die festgesetzte Zeit erschienen diejenigen, die sich an dem Ausflug beiheiligen wollten, vor der Schule. Sie konnten ihre Ungeduld kaum zügeln, bis der Lehrer kam und sich mit ihnen auf den Weg machte. Ganz zuletzt gesellte sich Alfred zu ihnen. Er war in Begleitung Ludwigs. Harmlos, als sei nichts vorgefallen, begegnete der Judenknabe seinen Verfolgern, die ihn mit feindlichen Blicken maßen. Sie hatten ihm gar nicht die Herzhaftigkeit zugetraut, daß er es wagen werde, sich heute mit ihnen in den Wald zu begeben. „Ich mag nicht mit, wenn Alfred dabei ist", sagte Georg grollend zu den Zunächststehenden, „ich gehe wieder heim", fuhr er fort und machte eine halbe Wendung seiner elterlichen Wohnung entgegen. „Still doch, Dummkopf", raifonnirte ein anderer. „Draußen im Freien bietet sich gewiß die erwünschte Gelegenheit, ihm den Denkzettel auf den Buckel zu schreiben", flüsterte er. „Das ist wahr — ja — ja — das wollen wir!" klang es unternehmend von verschiedenen Seiten. „Und wenn es der Lehrer erfährt, was dann?" warf Georg, der allezeit Vorsichtige, ein. Aber: „Komm nur, komm — sorge dich nicht um ungelegte Eier!" wurde er unter leisem Kichern übertrumpft. Die Schulklaffe wanderte, geführt vom Lehrer, hinaus in die schöne, freie Gottesnatur. Es war kurz vor Pfingsten. Die Obstbäume prangten allerorts in ihrem herrlichsten Schmuck, mit Blüthendoldeu übersät. Aus dem feuchten Boden reckte sich das frische Grün dem Sonnenlichte entgegen. Wie von duftigem Seidengewebe übersponnen, nahmen Bäume und Strauchwerk des Waldes sich in der Ferne aus. Rach anderthalbstündigem Marsch erreichten die Ausflügler den Bestimmungsort, eine schön im Walde versteckt gelegene, alte Mühle. Schon aus entlegener Ferne vernahm man das gewaltige Zischen und Tosen des mächtigen Bergquells, das unaufhörliche Klappern des Mühlrades. Ein drei Meter breites Becken, dicht unter dem Radkasten gelegen, nahm das schäumende, sich zu Milliarden Staubperlen bildende naffe Element auf. Von da suchte es seinen Weg durch künstlich gezogene Furchen und Gräben, um so bei trockener Jahreszeit die an die Mühle grenzenden Aecker und Wiesen mit seiner labenden Flüssigkeit zu befruchten. Lustig tummelte sich die muntere Knabenschar. Hier und da kletterte ein besonders geschickter Turner mit den Eichhörnchen um die Wette an schlanken Birken- und Fichtenstämmen empor. Ein anderer saß halb verborgen im Blättergewirr einer breitästigen, schweren Eiche und ahmte den Kuckucksruf täuschend nach. Der ganze mächtige Hochwald hallte wider von fröhlichem Gesang, lautem Kinderjubel. Und manches buntgefiederte niedliche Finklein betrachtete erstaunt oder ängstlich die lebhaften Riesen, die da vor seinen runden Aeugelein nimmerntüde umherfprangen, sich rauften und einander nachliefen. Jetzt kam die Frau Müllerin und lud gar freundlich zum Kaffeetrinken ein. Hei, wie den hungrigen Gästen der schneeweiße Weizenblatz mit süßen Rosinen mundete! Es war eine Lust, den Buben zuzusehen. Das ließ sich die gutmüthige Müllersfrau denn auch nicht nehmen. Lachend stand sie unter der Hausthür und sah hinüber nach den beiden provisorisch hergerichteten langen Tischen, um nötigenfalls für neue Füllung der Brodteller und Kaffeekannen zu sorgen. Als man dem köstlichen Gebäck der Müllersleute fast über Gebühr Ehre angethan, ging das Spiel wieder von neuem an. Von Ermüdung kannten

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