Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 41-42 (26.5.1898)
- Date
- 1898-05-26
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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770 den anderen voraus. Welche Eigenschaften es waren, durch die ihm der Vorrang eingeräumt wurde, halte schon der sterbende Vater verkündet in den Worten des 1. Buches Moscheh, Kap. 49, V. 8 und 9. Nicht, wenn er zum Kampfe einherftürmt, zeigte sich die Majestät des Königs ver Thiere, mit dem Juda verglichen, sondern in seiner Ruhe, wenn er kraftbewußt da liegt, hingestreckt in stolzer Würde. So imponirte auch der Stamm Juda durch seine vornehme Würde und die in ihm ruhende Kraft, die er nur benutzte, um die Angriffe von sich abzuwehren. Dem leitenden Stamme aber schloß sich Sebulun an, welcher, wie das Wort des Ahnen (I. Buch Moscheh, Cap. 49, V. 13) es bezeichnet, sich dem kaufmännische Gewerbe widmet. Aber Sebulun durfte nicht die hohen Ideale seines Stammes vergessen, und, wie der Midrasch sagt, sollte die Bestrebungen des bei ihm lagernden Stammes Jsachar fördern, der, wie es von ihm auch heißt trnyb wn vn\\ der Pflege ves Gesetzes oblag, und so kamen wiederum die Früchte Jsachar's dem Sebulun zugute. Mit dieser Lagerordnung und ihrem höheren Zwecke verglich der Redner die Aufgaben und Pflichten des Vereins, der ebenfalls noch auf dem Zuge begriffen sei, um dem Heiligthum der Religion in dieser Provinz ein neues Heim zu gründen. Nicht zum Streite, nur zum Schutze wolle man sich zusammenschließen, damit ein Schutz da sei, wenn man unser Heiligchum angriffe; nicht im Kampfe mit denen, die gegen uns kämpfen, sondern im ruhigen Bewußtsein, daß uns die Kraft innewohnt, können wir friedlich und sicher wohnen. Und doch dürfen wir nicht auf jede Wirksamkeit verzichten, denn „auf Judah folgt Sebulun, und Jsachar mußte bei Sebulun, zu Gast sein. So gäbe es noch vieles zu schaffen und zu wirken, noch viel zu arbeiten. Für die Förderung der Kenntniß ves Gottesgesetzes haben wir uns unablässig zu bemühen, und zu bestreben, daß der Verein sich über die ganze Provinz ausdehne. Mit der Ermunterung zu muthigem Wirken auf dem betretenen Felde, schloß der Herr Rabbiner seine Rede durch die Worte pinr,;i pin pin. Große Begeisterung erweckte diese Rede, von der wir nur einen kurzen Abriß, eine ganz knappe Skizze gegeben haben, auf die wir uns die Stelle aus dem Traktat Jomah anzuwenden gestatten [kd airo arjc1? ’nsipt^ noo mi\ Denn nicht allein mebr, als wir referirt haben, enthielt die Rede, sie war ein Meisterwerk der Rhetorik. Die bilderreiche Sprache gestaltete sich zu plastischer Schilderung, welche den Zuhörer fesselte und zur Bewunderung yinriß. Unter solch geistiger Führung aber wird der Verein, dessen Vorstand wie Mitglieder einig und beharrlich in der Verfolgung ihres idealen Zweckes Zusammengehen und freudig ihrem n folgen, die auf ihn gesetzten Hoffnungen in höchstem Maße erfüllen und td*5 das Wort unserer Weisen sich durch ihn bethätigen : o’prr6 hbid o'oe» db^ x’W rPD» ba pn VP. [31 [OK Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Altona, 23. Mai. Die Eröffnung der neuen israelitischen Haushaltungsschule fand in voriger Woche in Gegenwart der Schülerinnen und deren Ellern vor einer Anzahl geladener Damen und Herren statt. Der Präses der Henry Jones-Loge, der gleichzeitig Mitglied des Euratoriums für israelitische Haushaltungsschulen ist, Herr Gustav Tuch, begrüßte die Anwesenden und wies in seinen längeren Ausführungen darauf hin, daß der Gedanke zur Gründung von israelitischen Haushaltungsschulen zuerst von der zweiten Abtheilung des „Israelitisch-humanitären Frauen-VereinS" ausging, die dann auch ein Conzert zum Besten der Errichtung einer solchen Schule veranstaltete; namentlich war es die Vorsitzende der genannten Abtheilung, die Oberlehrerin Frl. Lippman, die trotz der sich vielfach ergebenden Schwierigkeiten immer wieder die Verwirklichung des von ihr angestrebtcn Gedankens erstrebte. Es bildete sich dann auch ein weiteres Comitö, das einen Aufruf verfaßte und in diesem Winter ein Concert veranstaltete, das dank der Mitwirkung hervorragender Kräfte einen großen materiellen Erfolg hatte und es dem Curatorium ermöglichte, den Anfang mit der Errichtung einer solchen Schul.e zu machen. Alsdann setzte Herr Tuch Namens des Euratoriums die Lehrerin Frl. Goldschmidt feierlich in ihr Amt ein und sprach die Erwartung aus, daß sie es verstehen werde, ein gedeihliches Zusammenwirken aller Factoren des Euratoriums, der Aufsichtsdamen, sowie der Helferinnen herbeizuführen. Frl. Lippmann wandte sich dann an die jungen Mädchen, die Nothwendigkeit der Erziehung zur Häuslichkeit betonend und darauf hinweisend, daß in neuerer Zeit immer mehr in allen Gesellschaftsclassen sich das Bedürfniß geltend macht, die häusliche Erziehung zu ergänzen oder zu ersetzen. Man habe vorläufig nur Curse errichtet, doch beabsichtige man später, die Errichtung eines Internats mit zweijährigem Aufenthalt. Es erfolgte alsdann unter Leitung der Mitglieder des Euratoriums eine eingehende Besichtigung der Räume der Haushaltungsschule; die praktische Einrichtung fand allgemeinen Beifall. Es sind bis jetzt vier vollständige Hauhaltungen mit Herden, Kücheneinrichtungen rc. eingerichtet, an denen vier-