Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 41-42 (26.5.1898)
- Date
- 1898-05-26
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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/rv\\ zehn junge Mädchen unterwiesen werden. Die Unterrichtszeit ist vier Mal wöchentlich, von 9—3 Uhr, und werden die junge Mädchen nicht nur in der rituellen Küche, sondern auch in Waschen, Reinmachen, Plätten und AuSbeffern der Wäsche rc. unterwiesen. Es sei noch besonders hervorgehoben, daß die meisten Einrichtungsgegenstände der Schule von Gönnern geschenkt wurden. Schweiz. Q. Zürich. (Antis emitische Häuptlinge.) Ein interessanter Beitrag zur Charakteristik der antisemitischen Partei ist soeben hier unter dem Titel: „Herunter mit der Maske"! von Hans Arndt, einem geschworenen Antisemiten erschienen, der die Führer seiner Partei im Lichte der Wahrheit zeigen will. Die Herren Liebermann von Sonnenberg, Aoolf Stöcker, Leuß, Hammerstein, Pickenbach, Böckel, Zimmermann, v. Langen, Ahlwardt und die Kleinen, die wie der Sterne Chor sich um diese Sonne lagern, werden in dieser Schrift in sehr drastischer Weise geschildert. Neues Material bringt der Verfasser eigentlich nicht vor, aber es ist wohl auch kaum nöthig, da die Fülle des vorhandenen Material« wohl ausreicht, um die Schlußfolgerung des Verfassers begreiflich zu machen: „Die jetzige antisemitische Parteileitung muß von ihrem Platz'.- Ob dieser Mahnruf etwas nützen wird? Wir glauben kaum. Denn es ist dafür gesorgt, daß die — Antisemiten nicht alle werden. Ueber den Verfasser der Broschüre herrscht ein geheimnißvolles Duster. Die „Straßburger Post" vom 12. Mai enthält darüber folgenden Sprechsaal: Zürich, Mai 1896. In Nr. 506 der „Deutschsocialen Blätter vom 28. April 1898 bringt der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg die Besprechung eines im Verlage von Cäsar Schmidt in Zürich erschienenen Schriftchens „Herunter mit der Maske", welches sich gegen die Führer der Antisemiten richtet und unter dem Pseudonym Hans Arndt erschienen ist. Obgleich Liebermaun zur Genüge erfahren hat, daß ich die Anonymität verschmähe, wenn ich sein ehrloses Treiben aufdecke, oder mir den zudringlichen Menschen vom Leibe halten will, so erdreistet er sich mich als den Verfasser dieser Broschüre zu verdächtigen, wahrscheinlich um Zwiespalt zwischen mir und einigen der in dieser Broschüre Angegriffenen, mit denen ich auf gutem Fuße stehe, zu säen. Aus ähnlichen Motiven verdächtigt mich dieser gewerbsmäßige Verleumder als Urheber einer bei I. Schabelitz unter dem Pseudonym O' Wickedone herausgekommenen Schrift: „Emporgepeitscht". Von der Existenz dieser Broschüre erfuhr ich erst durch die Anwürfe des p. Liebermann. Beide Broschüren habe ich weder geschrieben noch beeinflußt. Der Verfasser der erstgenannten Broschüre, der vor 8 bis 10 Monaten in Zürich war, ersuchte mich um die Genehmigung, Stellen aus meiner Broschüre gegen den Frhrn. v. Langen abdrucken zu dürfen, die ich ihm gern ertheilte. Carl Paasch. Italien.? Rom. Auch in unserem bisher so ruhigem Italien sieht man Anzeichen von Antisemitismus sich bemerkbar machen. Dicht bei Rom, in Pisoniano, lehrt eine jüdische Lehrerin in der dortigen Volksschule, Liznorina Treves. Sie hatte große Mühe sich das Vertrauen der dortigen abergläubigen Bevölkerung zu erwerben, und als ihr dies gelungen schien, trat ein neuer Zwischenfall ein. Der Prediger des Ortes griff von der Kanzel aus die Juden auf das heftigste an und regte die Bevölkerung derartig auf, daß sie die Lehrerin überfiel, und nur dem Zwischentreten einiger Besonnenen dankte sie es, daß sie nicht verletzt wurde. Ihr Unterricht wird jetzt von den Schülern und Schülerinnen kaum noch besucht und die Gemeinde Pisoniana macht Anstrengungen, um den früheren Lehrer zurückzuerhalten, den man vor kurzem wegen seiner Unfähigkeit entließ. — In erfreulichem Gegensätze dazu sei das Benehmen einer katholischen Oberin in Turin erwähnt, welche am Tage vor Peßach zu dem Rabbiner sandte, um für em armes jüdisches Mädchen, das im dortigen katholischen Krankenhaus liegt, Mazzoth und eine Agada auszubitten, damit das Mädchen die Vorschriften ihrer Religion erfüllen könne. — Die jüdischen Studenten der Universität Turin veröffentlichten zur Feier des fünfzigjährigen Jahrestages der Emanzipation eine Schrift mit Beiträgen berühmter jüdischen Schriftsteller. Auch Dr. Nordau ist mit einem kraftvoll gehaltenen Briefe an die italienischen Judm vertreten. — Ein merkwürdiger Fall von unschuldiger Verurtheilung ist in Viterbo vorgekommen. Drei dortige Juden David Pellegrini, Leone Valle, Antonio Benedetti waren zu einer Strafe von 20 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden, weil sie, trotzdem sie immer ihre Unschuld betheuerten, überführt sein sollten, den Gutsbesitzer Salvatore Peggi ermordet zu haben. Jetzt ist plötzlich der Priester von Baffano di Jnto, der Sohn des Ermordeten, Gratiliano Pezzi verhaftet worden und mit ihm vier Männer, denen nachgewiesen wurde, daß sie auf Anstiften des Priester« falsches Zeugniß gegen die „verfluchten Juden" abgelegt haben. England.? London. Am 1. Mai fand die Monatsversammlung der Anglo-Jewish-Association statt, in der wieder einmal die Roth der persischen Juden zur Sprache kam. Aus Jspahan sind flehende Briefe eingetroffen, in denen die dortigen armen Juden die