Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 41-42 (26.5.1898)
- Date
- 1898-05-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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768 richt in guten Händen liegt und bewährten Personen anvertraut und somit die feste Zuversicht vorhanden ist, daß da, wo nur eine Spur jüdischen Lebens und Gefühls sich erhalten hat, dasselbe zum Segen für die Bestrebungen des Vereins gestärkt und gefördert werden wird. Die Thätigkeit des Herrn Rabbiners hat sich dann ferner auf die Wiederherstellung gewisser anderer Institutionen erstreckt, denen neben ihrem hohen religiösen Werth auch ein von der Wissenschaft allgemein anerkannter und gewürdigter sanitärer inne wohnt. Vielleicht, so führte der Referent weiter aus, wäre es zum guten Theile diesen Institutionen zu verdanken, daß sich die Judenheit körperlich und geistig kräftig erhalten habe. Trotzdem sind diese wohlthätigen Einrichtungen, die uns von der heiligen Thora zur heiligsten Pflicht gemacht worden sind <2' yi) so vielfach außer Acht gelassen worden, möglich ist es ja, daß man durch frühere primitive Art und Weise, die in Bezug auf die Herstellung jener Einrichtungen in manchen Orten gewaltet, diese- Gebot mehr und mehr vernachlässigt hat. Zur Schaffung dieser Einrichtungen gehörte allerdingviel Geld, der Verein war aber namentlich durch die Werktätige Hilfe Kölner Freunde in der Lage, einigen Gemeinden für diesen Zweck Zuschüsse zu gewähren. Auf diese Weise sind nun schon schöne Resultate erzielt worden und die Bemühungen haben sich belohnt gemacht, so daß namentlich die Gemeinden Marburg, Aahaus, Stadtlohe und außerdem einige andere Gemeinden diese Einrichtungen derartig getroffen haben, daß man seiner vollen und ganzen Zufriedenheit darüber Ausdruck geben kann. Es gilt aber auch ferner, zur Verfolgung dieses Zweckes Gelder zu sammeln und thätig dorten einzugreifen, wo es noth thut. Ein Gebot unserer heiligen Thora ist es, wie der Herr Rabbiner sich ausdrückte, welches, wie man zu sagen pflegt, Glück gehabt hat, es ist dies das der Peßach-Feier. Im Allgemeinen herrscht für dasselbe noch Pietät, und man ist bestrebt, dasselbe zu erfüllen. Dennoch dürfte es vielen nicht bekannt sein, daß sie gegen dieses Gebot arg verstoßen, denn in gar vielen Häusern wird gerade durch die beschafften Mazzos pn gegessen. Denn nichts ist subtiler herzustellen, als gerade diese. Nur ein Augenblick der Vernachlässigung beim Backen derselbetl bewirkt, daß sie vollendetes Chomez werden. Schon auf den Begimt des Mahlens des Mehles muß die genaueste Aufmerksamkeit gerichtet sein. Trauriger Weise existiren aber viele Bäckereien, die das für die Mazzos nöthige Mehl gar auf dem Markte aufkaufen lassen. Da ist es nun die in Vreden exiftirende Bäckerei, welche in Bezug auf sorgfältige Herstellung mustergültig ist, indem sich dieselbe unter Beaufsichtigung, und zwar unter Oberaufsicht des Herrn Rabbiners Dr. Lange gestellt hat. ES ist aber der Hoffnung Ausdruck gegeben worden, daß auch auf diesem Gebiete im nächsten Jahre weitere Fortschritte zum Bessern zu verzeichnen sein mögen. Die Correspondenz des Herrn Rabbiners ist im Laufe des Jahres, wie sich dies ja von selbst versteht, eine sehr große gewesen. In erfreulicher Weise sind viele religiöse Anfragen an ihn gerichtet worden, nach Maßgabe deren Beantwortung sich die Fragesteller, wie der Herr Referent ausdrücklich bemerkt, auf das Strengste gerichtet hätten. In der Propaganda konnte nur sehr Mäßiges geschehen. Niemals hat der Herr Rabbiner sich aufgedrungen, sondern ist nur dorthin gegangen, wo man seinen Besuch ausdrücklich verlangt hat. Es sei nun Sache der Mitglieder, das Ihrige zu wirken, damit der Verein seiner Aufgabe ikflmer mehr gerecht werden könne. Sie müssen mit dahin streben, daß die Institutionen der Gemeinden derartig würden, wie sie sein sollten, denn das sei das höchste Ziel, welches der Verein sich gesteckt hat. Der II. Vorsitzende des Vereins, Herr E l s b e r g (Hamm), nahm nun das Wort. Er bedauerte das Fernsein des I. Vorsitzenden, dem es gewiß selbst schmerzlich, nicht anwesend sein zu können. Den Bericht des Herrn Rabbiners betreffend, habe derselbe, als er zum ersten Male hier erschienen sei, erklärt, nur in solcher Gemeinde wohnen zu wollen, wo es ihm möglich sein werde, unterrichten zu können. Er (Redner) habe damals an den Vers gedacht, der da lautet, ibv boyb tnn (der Mensch ist zur Mühe geboren) indem unsere Weisen dieses bvx auf die min beziehen, es demgemäß die Bestimmung des Menschen sei wv bv ^obb „zu lernen um zu lehren." Diese Auffassung, welche der Herr Rabbiner als die seinige somit kund gegeben, die ihm zur Richtschnur diente, habe ihm damals gleich ganz besondere Sympathien erworben, und der Verein habe sich ihn darum gerade mit Freuden erkoren. „Unser 21" — so erklärte der Redner, nenne er den Herrn Rabbiner daher mit Vorliebe — hat ein ganz anderes, schwierigeres Wirkungsfeld, als alle anderen Rabbiner in der weiten Welt; diese haben nur diejenigen Institutionen zu überwachen, welche vorhanden sind; dann sind außer der Zeit des nnm- Unterrichtes, die an sie gerichteten mW von ihnen zu beantworten. Unser 21 aber hat etwas zu schaffen, was bisher nicht vorhanden gewesen ist. So ist nicht zu vergessen, daß alles das, was der 21 hier auch wirklich zu Wege gebracht und geschaffen hat, Neues ist, und in dieser Beziehung hat unser 21 bedeutend mehr geleistet, als erwartet worden ist. — So ungefähr war der Inhalt der mit großer Begeisterung gesprochenen und ebenso von den Ver-