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Der Israelit · 1898-05-26 · Heft 41-42 (26.5.1898) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 41-42 (26.5.1898)
Date
1898-05-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXIUL Jahrgang. Zweite Seil M M 40 ä- 41 des „JsntfUt“. Leitender Artikel. Generalversammlung des Ntttiie zu Wa-mz der relisiSst« fntmfltn drs ILdkuthms in der Provinz Profiten F-er. Wesel, 20. Mai. Wie ein warmer Lenzeshauch mußte es jeden pietätvollen Jehudi anwehen, Maienwonne ihn erfüllen, beim Anblick der stattlichen Versammlung gesetzestreuer Glaubensgenossen, welche gestern in Vogell's Restaurant in Dortmund tagten, um an der Berathung über die Angelegenheiten des Vereins theilzunehmen, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, denjenigen einen wirksamen Beistand zu gewähren, die bestrebt sind, die heiligsten Güter und das ideale Erbe der Väter sich und ihren Nachfolgern zu erhalten und die Fahne des Judenthums auf's Neue in einer Gegend aufzupflanzen, dort Sinn und Verständniß für unsere erhabene Gotteslehre zu erwecken, wo Gefahr drohte, daß ihre ewigen Wahrheiten ganz und gar vergessen werden würden. Von allen Seiten waren sie, Mitglieder und Freunde des Vereines, viele mit ihren Frauen und Kindern herbeigekommen, um ihr Interesse für die hohen und hehren Zwecke des Vereins an den Tag zu legen und, jeglicher nach seiner Kraft, dieselben durch Wort und That fördern zu helfen. Der geräumige Saal war dicht besetzt, und man konnte sich davon überzeugen, daß, trotz aller Anfechtungen, die dem Geiste des Judenthums in dieser Provinz durch Unkenntniß, irrige Auffassung und Verführung drohen, dennoch ein kräftiger Stamm verblieben ist, der mit Gottes Hülfe neue Aeste treiben wird, deren schirmendes Laubdach allen denen genügend Schutz gewähren wird, die sich gegen die versengende Gluth des Unglaubens bergen wollen. Der Ausspruch jato sb '2. „Nicht ist Israel vereinsamt und von seinem Gotte, der sich ihm durch den heiligen Ehebrief der Thora an den ewigen Höhen des Sinai angelraut hat, verlassen", er bethätigte seine volle Wahrheit auch in dieser Versammlung der Getreuen. Es war Vormittags 101/2 Uhr, als der Rendant des Vereins, Herr Di-, med. Meyer Rubens aus Gelsenkirchen in Stellvertretung des ersten Vorsitzenden, Herrn A. Lewertoff aus Höxter, welcher leider durch Unwohlsein am Erscheinen behindert war, die Generalversammlung eröffnete. Herr Dr. Rubens sprach sein tiefes Bedauern darüber aus, daß der bewährte Vorsitzende, der seine ganze Kraft in die Dienste des Vereins gestellt habe, heute hier vermißt werde und gab der sichtlich auch von allen Anwesenden gehegten Hoffnung Raum, daß ihm r, rrvryi recht baldige, völlige Genesung werden möge, auf daß seine Kraft dem Verein zum Wohle desselben erhalten bleibe. Und nun begann Sr. Ehrwürden der Herr Rabbiner Dr. Gerson Lange den Bericht über seine Thätigkeit im abgelaufenen ersten Geschäftsjahre des Vereins, die sich hauptsächlich darauf erstreckt habe, in den Gemeinden zu wirken, daß die Institutionen gehoben werden, welche der Verein angestrebt und gewünscht hätte. So sei es die nontr gewesen, welche stellenweise sehr im Argen gelegen hätte. Eine Kontrolle habe auf diesem Gebiete seitens der Gemeinden gefehlt, in manchen derselben seien fast so viele Schochtim in Thätigkeit gewesen, wie es daselbst Familien gebe. Das Bestreben des Herrn Rabbiners war daher dahin gerichtet, daß von Seilen der betr. Gemeinde ein oder zwei von ihm befähigt gefundene Personen als solche offiziell anerkannt worden find. In anderen Gemeinden, in denen es überhaupt an Schochtim fehlte, wurden die betr. Lehrer als solche angestellt. Bei den Prüfungen mancher Bewerber um dieses so hochwichtige, eine so humane Institution des Judenthums betreffende Amt, hätten sich Mängel und Lücken in Betreff der einfachsten individuellen Vorbedingungen herausgestellt, die in Bezug auf technische Veranlagung an einen Schochet ju stellen sind. Als zweite Hauptaufgabe seiner Amtspflicht hat der Herr Rabbiner sein Augenmerk dem Religionsunterrichte zugewandt. In keiner Provinz war auf diesem Gebiete so wenig geschehen, wie gerade in Westfalen. Nur der bekannte, sogenannte systematische Religionsunterricht, der für das jüdische Leben schal und nutzlos ist, wurde pro forma ertheilt, dafür ist aber nicht gesorgt worden, daß die erste Grundbedingung erfüllt, die Sprache verstanden werde, worin wir beten. Und hierauf erstreckte sich daher das Streben des geehrten Herrn Referenten. Es war sein Bemühen, dahin zu wirken, daß recht viel Zeit dem hebräischen Unterrichte zugewandt werde, damit durch Kenntniß unserer heiligen Thora und ihrer ehrwürdigen und weisen Gesetze das Judenthum wieder Wurzel fasse, und inniger und wahrer Glauben die Herzen wieder erfüllen und stärken möge. So ist es denn erreicht worden, daß jetzt in vielen und selbst den kleinsten Gemeinden der Religions-Unter-

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