Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 41-42 (26.5.1898)
- Date
- 1898-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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758 zeit den Thränenquell erst recht geöffnet zu einem unaufhaltsamen, jammerrerchen Strome! O, hätte er doch damals der Stimme des Warners gehorcht! „Daß iom der Handel wenigstens ein lohnender sei", hatte der Freund damals mit leisem Spott gewünscht. O, wie hatte er recht gehabt! Ein Handel, ein Schacher war es gewes n, ein Schacher mit dem, was als Heiligstes jedem Sterblichen unantastbar sein muß. Und wenn er tausendmal damals im Innern kein Jude zu sein glaubte, so war es doch eine Fahnenflucht, wenn er dem Judethum den Rücken kehrte, und eine feige, selbstsüchtigen Motiven entsprungene Fahnenflucht, weil er sich die Vortheile eines glanzvollen, erfolgverheitzenden Lebens dadurch zu sichern gedachte! Nun, dieser „Handel", — war er ein lohnender gewesen?? Nein, und tausendmal Nein! Er halte wohl für eine Reihe von Jahren Bilder schönen, herzerfreuenden Erfolges herangezaubert, aber dann — mit der Zeit, wo die Judenhasser ihr boshaftes Handwerk begannen, da war das Rechtsgefühl erwacht und das Mitgefühl und die — Reue. Und von da an war e - abwärts gegangen unaufhaltsam abwärts, der „Fluch der bösen Thal" hatte fortzeugend Böses geboren, Unheil folgte auf Unheil, eines aus dem anderen mit Naturnorhwendigkeit hervorgehend. Wäre er treuen Sinnes beim Glauben der Väter geblieben, er hätte nie eine Gattin an seiner Seite gesehen, deren innerste Interessen ihm bis in die Seele zuwider waren, er wäre nie unter den unschuldigen Worten des eigenen Enkels ohnmächtig zusammengesunken und er hätte nie einen Sohn sein eigen genannt, der von Natur ein Feind seines Vaters war, ein niedriger Mensch, ein — Mörder. Nie hätte der Zufall so grausam sein Geschick mit dem des Jugendfreundes verkettet, nie wären ihm die schweren, schmerzdurchzitterten Stunden beschieden gewesen, die nun ausaufhörlich auf ihn einstürmten. — Nein, ein Fluch war's, den er ausgesät in seiner Jugend Tagen und Fluch ist's, den er ernten muß im Alter, er und sein Sohn m't ihm.- * * * (Fortsetzung folgt.) Die Thora in der Mühe oerttönöigt*) Nicht in des heil'gen Landes Segensgauen, Ob dort auch thronte Gottes Weltenehre, Verkündete er Israel die Lehre; Nicht dort ließ Er's die Offenbarung schauen. Er ließ es wandern in der Wüste Grauen; Wo jener Fels sich hebt in öder Leere, Da stieg Er nieder in geweihter Sphäre, Um Seinem Bolk die Thora zu vertrauen. Frei ist die Wüste, frei sind ihre Pfade, Frei zieht durch sie der streifende Nomade, Und allen Völkern ist sie gleiches Eigen. So ist die Thora für die Welt gekündet**), Die ganze Menschheit ist auf ihr gegründet; Sie soll sie all an ihrem Busen säugen. *) Aus der soeben erschienenen Gedichtsammlung: JllttWl *70151 ln „Die Herrlichkeit Karmel'S und Saron's" von Dr. Leo Hirschfeld, Großh. Provinzialrabbiner, Gießen. (Emil Roth, Gießen.) Allen Freunden einer auS gläubiger Begeisterung und tiefer Kenntniß unserer heiligen Literatur entstandenen Poesie sei das Büchlein bestens empfohlen. **) Jalkut 240 b. Der „Israelis erscheint wleheatiieh iweinal, Montags and. Donnerstags, jedeSmal in mindesten« »Mi Ssoem. Port« pro Vierteljahr hei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder »herleijfthrttch. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per -uchtzaudel verkehrt k»rch «. /. Steiuacker, Lrtpfla, Mobplatz 1«. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile 1« NeelametheÜ 75 Pfennig. — Direkte Frannzufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reich««Matt oder 8 st. öftere., für'« LuSland 18 Reich«»Mark, an die Expedition franco einzufenden. Mine «SMsenPrrng »er *» Mi RiMIIi« eingesandten «annferipten stndot nicht statt, man bittet boShatb, stch »sn allen «tnsendungen eine «opie znrückznbehatten. Inhalt (Hanptblatt) Leitender Artikel: Zum Schowuoßfcste. Von Dr. Gustav Wachenheimer. — Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin Frankmrt a. M. Aschaffenburg. Zrreibrücken. Amerika: New-Pork. — Personalien. — Sprechsaal. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von Arnold Mann. (Forsetzung.) — Gedicht. Inhalt der erste« Beilager Leitender Artikel: Wie man „objectiv" Geschichte schreibt. Von Prof. Dr. A. Sulzbach. — Zeitungs n ach richten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Würzburg. Amerika: Pittsburg. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Altona. Schweiz: Zürich. Italien: Rom. England: London. — Vermischtes Belletr Beilage r Alfred. Eine wahre Geschichte von M. Palm. — Die Fortsetzung der Oppenheim'schen Bilder aus dem jüd. Leben mit Illustration). Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hoftmchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen