Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 41-42 (26.5.1898)
- Date
- 1898-05-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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u-^iyKmrsrrxfi-Wfinr*: f? mw? T**!-(?f??" -5*--V*? «•'!;—*•:'<* »V-3»*T" 755 Amerika. X. New-Uovr, 26. Mai. Die ungewöhnlich starke Belheiligung der Juden in den Vereinigten Staaten am Heeresdienst im spanisch-amerikanischen Krieg, und zwar nicht blos der amerikanischen, sondern noch mehr der eingewanderten russischen Juden läßt von diesen letzteren eine ganz andere Anschauung gewinnen, als man gewöhnlich mit den jüdisch-russischen Einwanderern zu verbinden pflegt. Wie die neuesten hierher gelangten jüdisch-amerikanischen Blätter melden, übersteigt die Zahl der jüdischen Freiwilligen weit diejenige, die dem Verhältniß der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten entspricht; in einigen Freiwilligen-Regimentern bilden die jüdischen Soldaten sogar die Mehrzahl. Die Newyorker jüdischen Freiwilligen haben einen begeisterten Aufruf erlösten, in dem sie unter Betonung der Freiheit, die den Juden in Amerika wie in keinem andern Lande der Welt zu Theil geworden sei, die jüdische Jugend zu den Waffen ruft. Aus der Colonie des Baron Hirsch auf New-Jersep, aus der jüdischen Handwerkerschule haben sich die Zöglinge zum Eintritt in den Heeresdienst gemeldet. Eine jüdische Gesellschaft hat eine ..Tapferkeitsmedaille" gestiftet, und die großen Geschäfte, deren Inhaber Juden sind, haben denjenigen ihrer Angestellten, die in den Krieg gezogen sind, den Fortbezug ihres vollen Gehalts gesichert, ja einigen auch noch eine besondere Pension in Aussicht gestellt. > Dersonalien. Norden. 17. Mai. Sonntag, der 15. ds. Mts., war für uns ein Freudentag. An diesem Tage konnte unser hochverehrter Herr Hauptlehrer L e v y auf eine 25 jährige Amtsthätigkeit zurückblicken. Sechzehn Jahre derselben entfallen auf seine Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde. Wir alle mußten uns unwillkürlich der Worte erinnern, die einst Herr Levy in seiner Gastprobepredigt so treffend anführte: onJJLPl *]DipDi “pstro -p-D *]ro^3i irvzn -fra&SQ du m:m. Treu hat Herr Levy gehalten, was er versprach. Kein Wunder also, daß sich Groß und Klein anschickte, diesen Tag festlich zu begehen. Derselbe wurde durch eine Schulfeier eingeleitet, welche unter Mitwirkung sämmtltcher Schüler und Schülerinnen in aufopfernder Weise von unserem geehrten zweiten Lehrer und Kantor, Herrn Klein, in sinniger Weise arrangiert worden war. Sodann erschien das Vorstands- und Ausschußkollegium der Gemeinde in der Wohnung des Jubilars, um denselben zu beglückwünschen. Bei dieser Gelegenheit ergriff der Schulvorsteher Herr A. Koppel das Wort, um die Verdienste des Herrn Levy in der Schule zu feiern und überreichte im Namen der Gemeinde eine Ehrengabe. Herr H. v. d. Wall, z. Z. Vorsitzender des Vorstandes, warf einen Rückblick auf das gesammte Wirken des Jubilars. Anknüpfend an die Haphtorah des vorhergehenden Sabbats, Kap. 17. V. 7 und 8 Jeremiah, entledigte sich der Genannte seiner Aufgabe in formvollendeter Weise. Neben den zahlreichen Gratulanten sei hier noch der Deputation der Lehrerkonferenz für Emden — Oldenburg Erwähnung gethan, die Nachmittag erschien, um Herrn Levy, der z. Z. Vorsitzender genannten Vereine? ist, die Glückwünsche und ein Angebinde nebst einer kostbar ausgcstatteten Adresse namens der Lehrer der Bezirke Emden — Oldenburg zu überreichen. Erwähnt sei noch, daß der Herr Jubllar von dem Landrabbiner Dr. Löb zu Emden mit dem ,Chowertitel" ausgezeichnet- und vom hiesigen Magistrat mit einem Anerkennungsschreiben beehrt worden ist. Möge auch ferner an dem Judilar sich das Wort erfüllen : ruc?’ nio ms* nana pna. H. v. b. W. Aus Württemberg, 22 Mai. Einen herben Verlust hat die Wülttembcrgische Judenheit zu beklagen Samstag, 14. d. M. starb Herr J'ak Kahn in Baisingen, in weiten Kreisen geschätzt und geachtet Seine große Wohlthätigkeit erstreckte sich nicht allein auf die jüdischen und christlichen Einwohner seines Heimathsortes, ganz Deutschland sowie das hl Land besonders erfreuten sich ihrer. Aber auch das höhere QHDn nV?’DJ übte der Verstorbene in bedeutendem Maße. Er eilte zu Kranken, tröstete sie. ordnete an, was nothwcndig war. denn er verstand es und sorgte für alles, dessen sie bedurften. Die Pflicht von DTVT>N nDJDH übte er in idealer Weise; so milde und bescheiden, zuvorkommend und zartsüblend gegen Arme und Bedürftige wie er war, ist wohl nicht leicht jemand zu finden. Seine Fürsorge erstreckte sich nicht allein auf seine eigene Familie und die seiner Anverwandten, die zu ihm wie zu einem gütigen, hingebenden Vater verehrend emporblickten, sondern auf alle Menschen, die sich ihm näherten, nutz Standes und Bekenntnisses sie waren. Und Alles ging zu Jsak Kahn; er war Rathgeber für Alle. Er stiftete Frieden zwischen den Parteien, vermittelte in allen Streitigkeiten, sein Wort galt wie Richterspruch. Es war eine Wonne nt:t dem Manne zu verkehren. Seine ruhige Gelassenheit, die nie getrübte Heiterkeit, seine wohlthuende aufrichtige Freundlichkeit thaten jedermann wohl. Diese Eigenschaften waren von einer unermüdlichen Energie und Ausdauer begleitet, wo es galt das Gute und Rechte zu erreichen. Seine Klugheit und Umsicht war von Allen gesucht. Diese seine Vorzüge kamen nicht allein den Baisingern, sondern allen württembergischen Juden zu gute. Für da- Judenthum in Gemeinde und Land hat er viel gethan. Selbst nahm er es mit der Beobachtung der Mizwaus sehr genau und scheute dabei keine Opfer irgend welcher Art, die in Folge des mit seinem Berufe verbundenen beschwerlichen Lebens sehr zahlreich waren; auf seine Familie und Gemeindegenossen wirkte er dadurch beispielgebend. Er war Jahrzehnte lang bmo; lernte und lehrte soviel wie ihm möglich war, Thora und begeisterte Andere dazu. Er war auch unter denjenigen, die eine mehr coascrvative Leitung der jüdischen Angelegenheiten in Württemberg und zwar mit Erfolg anstrebten. Dem angesehenen Manne gab eine stattliche Anzahl Einheimischer und Fremder das letzte Geleite, darunter viele Andersgläubige. Wer ja wegen des Leichenbegängnisses von dem toleranten Ortsgeistlichen die Abendkirche um eine Stunde hinausgeschoben worden, ein schönes Zeugniß des confessionellen Zusammenlebens und der Achtung, die der Verstorbene genossen hat. ..Ihre Zierde hätten die Familie und Gemeinde verloren" klagten die vier Herren, die am Sarge sprachen und sie haben Recht. Möge Gott die um ihn Trauernden trösten und viele seines Gleichen in Israel erstehen lassen. Etchstetten. Cantor A. Weil! hier, ist zum ersten Cantor und Lehrer in Dessau (Anhalt) gewählt worden.