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Der Israelit · 1898-05-26 · Heft 41-42 (26.5.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 41-42 (26.5.1898)
Date
1898-05-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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758 7 Daß sie ihm aber nicht gleich in ihrer Vollständigkeit verliehen worden, sondern stufenweise von Marah zum Sinai und vom Sinai die ganze Wüstenwanderung hindurch bis zum Einzug ins gelobte Land, dürfte uns belehren, daß die Thora, wie sie nicht an einem Tage gegeben worden, so auch nicht an einem Tage errungen und zu eigen gemacht werden kann. Es gilt vielmehr für die Thora der treffliche Spruch unserer Väter: na^na pow 'B ^3 ‘»X'Sna nanaai nana imoa laxa» r6yna nt nn min man bx’bnaoi, daß zur Erringung der Thora ein stetes Wollen und Können gehört, daß sie von Jugend auf bis zum hohen Alter stufenweise — r6yna m 'in — von uns erglommen sein will. Zunächst müssen wir mit dem festen Vorsatze an die Thora herantreten, die ganze Wüsten Wanderung unseres Menschenlebens — iana — ihr allein zu weihen, um uns dieseunseren Vätern verliehenen Gottesgeschenkes — nana würdig zu zeigen. Dann müssen wir dieses Geschenk durch stetes Hegen und Pflegen von unseren Vätern als unser eigenes Gotteserbtheil — i?x’^na — erwerben, um es wahrhaft selber zu besitzen. Erst das süße Bewußtsein eben dieses wahrhaften Besitzes, das Bewußtsein, aus ureigenst williger Hingebung treu und geweiht zu sein unserem Vater im Himmel, vermag es einzig und allein, uns emporzuheben über alles Leid und Elend des Erdenlebens zu den — naa — den lichten Höhen der Herzensreinheit, der Gemüthsruhe und des Seelenfriedens. III. •D'TDDn DV In unsere Gotteshäuser tragen wir am Schowuoßseste das schönste von der Blumen- und Blüthenpracht der herrlichen Maiennatur, zum Lob und Preis auf den Schöpfer, zu weihendem Schmucke für die Stätte des Gebetes, zur Versinnbildlichung des stets erquickenden Duftes, den die an diesem Feste gefeierte Gotteslehre für alle die besitzt, die ihr mit aufrichtigem Herzen zugethan. Im heiligen Lande, da war eS das aiiaa nnaa, das Erstlingsopfer, daS am Schowuoßfeste unsere Ahnen von dem Fruchtertrage de- Bodendarbrachten dem Ewigen als dem alleinigen Besitzer des Landes, dem Urquell alles Segens. So trägt unser Fest noch einen dritten Namen a'iiaan dt, „Tag der Er stlin ge." Nun, in diesem Namen fassen wir alle Ideen' unseres Festes einheitlich zusammen. Es zeigt uns der Tag der Erstlinge — *]naix 'ii22 n'trxi laxat? n'iwn ixipa cim — das Haus Israel, den ersten Träger der Gotteserkenntniß, als Erstltngsvolk — rwxi xipa bvm* mmsn n 'v>xi iaxaa> — er zeigt uns eben diese Gotteserkenntniß als Erstlingsblüthe wahrhafter Lebensführung und Lebensweisheit — naar; n'e»xi "i^nxi' — er zeigt uns die Thora als den Weg, auf welchem diese Erstlingsblüthe zur Erstlingsfrucht heranreift — im n'» x i ’aap 'i lexap n'v»xi nxipa minn. Wir nahen an unserem Feste dem Gotteshause und treten ein in dasselbe in der Erstlingsblüthe — in Gottesfurcht und Gottvertrauen. Im Gotteshause gemeinsam zum Dienste des Herrn versammelt und vor seinem Willen uns verneigend, stehen wir auch heute noch da als E r st l i n g s v o l k — als ältestes, gottgläubiges Volk auf Erden. Treten wir dann wieder hinaus aus dem Gotteshause in die Alltäglichkeit unseres Erdenlebens, gestärkt von Neuem in dem Vorsatze unserer sinaitischen Ahnen ipx ba vatwi ntrya n im, dann reift heran in uns, in unserem Denken und Schaffen, des Lebens Erstlingsfrucht, uns zum Heile, allen zum Segen und dem Schöpfer zu lobpreisender Verherrlichung. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 24. Mai. (Unabhängiger Verein Israel. Lehrer im Großherzogthum Hessen.) Die diesjährige Generalversammlung dieses Vereins findet Montag, den 30. Mai, im Turnsaale der Realschule der isr. Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., am Thiergarten 52 statt, zu der auch die außerordentlichen Mitglieder eingeladen find. Die von diesem Vereine gegründete H i l s s k a s s e erfreut sich im ganzen Lande der größten Sympathie und haben sich demselben bereits eine große Anzahl von außerordentlichen Mitgliedern mit beträchtlichen jährlichen Beiträgen angeschloffen. Man zweifelt nicht daran, daß dieses Interesse für die Lehrer sich immermehr steigern und der Hilfsverein in den Stand gesetzt wird, nothleidende Lehrer und ihre Familien t h a t k r ä f t i g unterstützen zu können. D. Berlin, 17. Mai. Th. Zlocisti veröffentlicht gegenwärtig in den „Mittheilungen" eine längere Arbeit über den Antheil der Juden an der freiwilligen Krankenpflege in den Befreiungskriegen. Dabei erwähnt er, daß zwei Jüdinnen, Frau BankierHerz-Beer in Berlin und Frau Medizinalrath Hirsch in Königsberg decorirt wurden. Die Allerhöchste Ordre an die General-Ordens-Kommission vom 16. Januar 1816 ist besonders merkwürdig und lautet: „Ich habe den beiden Damen jüdischer Religion in Königsberg und Berlin, welche als um die Pflege kranker und verwundeter Krieger sehr vervient, Mir von der Prinzessin Wilhelm K. H. zum Louisen-Orden vorgeschlagen sind, statt dieses Ordens, deß Kreuzesform diesen Frauen wegen ihrer Religion Anstoß geben konnte.

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