Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 41-42 (26.5.1898)
- Date
- 1898-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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752 r'u men und heilig zu Hallen. — So klingt auch de» FestkSdichter» schwungvolles Lied: it^y D’jinnni wr a'rAv nt N' r^2p2 nina ikö nb2 *mn ,wbd navon rmn nbapa cna-n niw „Es jauchzen im Himmel die Engel, un* auf Erden frohlocken die Sterblichen, ob des Thoraempfanges auf Sinai, Israel aber als die seinem Gotte durch die Thora angetraute Braut, steht bewundert und angestaunt da vor allen Erdenvölkern in der Zierde seines köstlichen Brautschmuckes, des Zehngebotes vom Sinai." — Das ist der Inbegriff unseres Festes als ffie fDT in feiner Bedeutung für Israel nach außen, der gesammten Menschheit gegenüber. Und weil das Zehngebot, der herrliche Brautschmuck Israels, schon längst auch eine Zierde der nichtjüdischen Welt geworden, darum dürfen wir in Wirklichkeit behaupten — vto awm, — daß alle Sterbliche hinieden, denen der Inhalt des Zehngebots — Gotteseinheit und M enfch en gl eich b ere chtigun g — ebenso warm, wie uns, am Herzen liegt, sich dieses Tages freuen als des Geburtstages menschlicher Verstandesklärung und Gefühlsgestttung. Doch die Thora kennt diese Bezeichnung unseres Festes nicht, und obgleich sie die Offenbarung auf Sinai ausführlich schildert; so unterläßt sie es dennoch, die Feier unseres Festes damit zu begründen oder es danach zu benennen. Die Thora will vielmehr betonen, daß wir dieses Fest nicht als ein für sich allein dastehendes betrachten sollen, sondern als ein jnpatm an, ein Wochenfest, das nach der genauen Zählung von sieben Wochen sich an das Peßachfest unmittelbar anschließt und mir ihm in innigstem Zusammenhang steht. Und dies mit Recht. Denn wenn das Peßachfest als erstes aller Feste einen großen Einschnitt in die Entwickelung unseres Volkes darstellt, der da scheidet zwischen der Vorgeschichte und dem Beginn der eigentlichen Geschichte Israels, so ist das Schowuoßfest nichts von allem dem, sondern vielmehr nur das unmittelbare Ergebniß, das aus dem Peßachfeste hervorgehen mußte, pnnyn onaßaa osn n« "i^arns mn "inn bv n». Ist ja doch die Offenbarung auf Sinai für Israel nicht eine für sich allein dastehende Wunderthat Gottes, sondern nur der Höhepunkt für all das Große, was Gott mit starker Hand und ausgestrecktem Arme für sein Volk wunderbar gewirkt. Ist ja doch die geoffenbarte Lehre nur die Krone, die der Erlöser seinem durch eine Kette von Wundern erlösten Volke auf's Haupt setzen wollte. Mag darum immerhin der nichtjüdischen Außenwelt der Tag der Offenbarung im Vergleich zum Peßachfeste als der bedeutendere erscheinen, weil er ihr in dem Zehnwort gerade das gebracht, was Gemeingut aller Gottgläubigen geworden, Israel, für welches die Thora in ihrer Gesammtheit verbindlich , muß über die Feste der Thora anders denken und sie in ihrem geschichtlichen Zusammenhänge auffassen. So erscheint uns Israeliten das maasn an als das Bedeutendere, weil eS als die Vorbedingung und Grundlage für das iwwn Jn war. II. •mjntpn :n Aus dem inneren Zusammenhänge des Schowuoßfestes mit dem Peßachfeste ergiebt sich uns zunächst die große Lehre, daß — wie die Offenbarung auf Sinai nicht möglich, ohne daß Israel vorher durch nvv zum Volke geworden — so auch die fortwirkende Kraft dieser Offenbarung nur dadurch verbürgt werden kann, daß Israel sich auch heute und in Zukunft noch geistig eins fühlt als Gottesvolk. Stets treu und stark in der Aufrechterhaltung seines Gottesglaubens, soll es sich durch seine große geschichtliche Vergangenheit geeint und zusammengeschloffen zeigen überall da, wo es gilt Edles zu schaffen, Segen zu spenden, Frieden zu stiften und das Licht der Wahrheit zu verbreiten. Andererseits bemerkt ja schon der Talmud: mec rosa nxt 2» -T22i N2L>: „Für Israel war ja schon das Sabbatgesetz und das Gebot der Elternehrung unmittelbar nach dem Auszuge aus Egypten, in Marah nämlich, verkündet worden, denn 'h qv bk* emwi pn in Mara", erzählt die Thora, „gab ihnen Gott ein Gesetz und ein Recht", und das paßt vollständig auf den Wortlaut des 4. und 5. Gebots, wo es beidemal heißt: -p-6x n *pac ntwo. „Wie Dir Gott bereits früher, d. h. schon in Mara, befohlen hat." Sabbatheiligung aber und Elternehrung ist nichts anderes, als die Zusammenfassung der zehn Gebote in zwei Grundgebote. Der Sabbat einerseits, wie ein schönes Talmudwort sagt: s'n'pv ns>^L> me>n bv p-ryo n"2pm rrnpni rottn bxtL» nt bv nt n*2pn nnx xnt? n*rpn bv rctrt nm;a Df xinp moros onTp ans» bv rßtrt — das Bindeglied zwischen Gott und Israel, für Israel das Unterpfand, das ihm Gott gegeben zum Zeichen ewiger Treue, für Gottes Einheit und Einzigkeit ein Zeugniß, das Israel allwöchentlich durch seine Heilighalhaltung ablegen soll vor den Augen aller Erdenvölker. Die Elternehrung andererseits, die Grundlage allen Familienlebens und — weil die Familie die Grundlage des Staates — aller Staatenordnung und Gesittung, somit die Vorbedingung für sbv *2bpö na« Wahrheit, Recht und Frieden. Sabbatheiligung und Elternehrung also im weiteren Sinne nichts anders, als der Inhalt des Zehnwortes: Gotteseinheit und Menschengleichberechtigung, Gott eSglauben und Menschenliebe — so lautete die Offenbarung in Marah. Schon dort also hatte Israel die Thora in ihren Grundzügen empfangen.