Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1898)
- Date
- 1898-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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740 hiesigen Stadttheile Fabrik das „Gleichenfest" stattgefunden und wohnten demselben mehrere Mitglieder des Cultusvorstandes und auch städtische Behörden an. Die Orthodoxen hier, und auch in Temesvar gibt es deren noch viele, hielten sich von diesem Feste gänzlich ferne und sind sie auch entschlossen, diesem Gotteshause in Zukunft fern zu bleiben, da dasselbe nicht nur eine Orgel, sondern auch ein ganz modern zugestutztes Gebetbuch erhält. Dieselben fragen sich, und dies nicht mit Unrecht, zu welchem Zwecke diese Reformen und Modernisirungen eigentlich eingefl'chrt werden sollen, denn die wirklichen Spnagogenbesucher verlangen sie doch gar nicht, und die, die sie verlangen, die besuchen doch wieder das ganze Jahr kein Gotteshaus. Als Beweis kann die benachbarte Cultusgemeinde Arad dienen. Dort hat man den Reformern zuliebe sogar auch das Mussafgebet abgeschafft, damit deren patriotische Ohren nicht durch die Worte o’ten’bi ruia "py p*a6 uicarn m beleidigt werden, und als Dank dafür kommen sie nicht einmal mehr zum Schachrithgebet in das Gotteshaus, sondern sitzen lieber dafür in den Kaffeehäusern oder in ihren Bureaux und schmauchen lustig ihre Cigarren oder die lange Pfeife. Frankreich.? Paris. In der Gesellschaft für Naturalisation der Elsässer in Frankreich ist der bisherige Präsident Julien Wahl, ein Glaubensgenosse, zum siebenten Male wiedergewählt worden. In der gegenwärtigen Periode des Antisemitismus ist jede derartige Wahl zugleich eine Demonstration. Rußland.? Petersburg. Abermals ist von einer ganzen Reihe von Ausweisungen zu berichten. In Baku hat Fürst WolkonSky, der neu ernannte Polizeichef am 22. März alle Juden ausweisen lassen, selbst diejenigen, welche schon seit einer Reihe von Jahren ansässig waren. Diese Maßregel trifft mehr als 100 Familien. Auch aus Libau meldet man die Ausweisung einer Anzahl von Juden, die mittelst Gendarmen-Escorte nach Kowno, wo sie Wohnrecht haben, abgeschoben wurden._ Bei Ler Kedartion neu eingegangene Bücher. nom ,Enn iwa yhy fpui >*"’T ’*tcn '’B oy nn n7jiQ ptw rvro tib» ton irrten} tdti uvu n7pjti Itwoni N-ipon peto;wp." 727 7V 7p N7ipn hn Tyon ,hto» *p72 iNaon ,2*001 .107701 iüwb s"y ,rjyn 131D2 117 J 1’7N1 .7N10.7 N17P7 72 71N ,7^1721 77L .78^2 7nw nrwn uv ton ,NrvniN7 NPict’ea 712771 my:y 7"1!2NN72 N2’PV 1.7’7N TINO . 7127712 2’ffD 'TO7I 001 pJD Py,p2inn P’11NJ’2N“1 7"77Pl 7P217 '7 '71112 '121 ]1N27I 2771 ,7PV7N.7 7NTV 7*ND '7 D1872 N0 7N11 .1"L' N11NB7N8 .p"87 rrnn nTO 7. »pnjftw ,ü7nü021»”n 7'NQ '71 Feuilleton. Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von 2i) Arnold Mann. ~~ - (Nachdruck verboten.) VII. Der Sanitätsrath Ehrenberg hatte sich über den glücklichen Erfolg seiner menschenfreundlichen Mission so gefreut, daß er sich noch am selben Abend zu Hohenthal begab, um den Landgerichtsrath wissen zu lassen, daß Kurt versprochen habe, sich zu ändern und demzufolge am kommenden Morgen in das elterliche Haus zurückkehren werde. Der Landgerichtsrath lebte bei dieser Nachricht auf Neue auf; es war ein gut Stück Kraft und Gesundheit, das bei ihrem Empfang in seinem Innern sich festigte. Er dankte dem treuen ärztlichen Berather tausendmal und sprach an diesem Abend von nichts sonst als von Kurt's Rückkehr. Der Junge habe im Grunde ein ganz gutes Gemüth. Er sei nur der Verführung zugänglich und schwach. Aber jetzt wolle er schon über ihm Wache Hallen. Am anderen Morgen um acht Uhr saß Hohenthal bereits mit seiner Frau am Frühstückstisch, genau wie an jenem Schreckenstage vor mehreren Monaten. Aber heute war für den alten Mann ein Freudentag. Er fühlte, daß er jetzt erst vollständig wieder gesund geworden. Run konnte noch alles gut werden. Wenn der Junge sich willfährig zeigte, von dem betretenen Wege abzulassen, dann konnte er, der Vater, den Rest seiner Jahre ohne die Furcht verbringen, daß aus seinem eigenen Hause fortgesetzt die donnernden Mahnungen an die schimpflichste That seines Lebens auf ihn eindrängen. Mochten sonst die Judenfeinde ihr schlimmes Handwerk weitertreiben. Warum sollte das für ihn, den getauften Juden schmerzlicher sein, wie für jene, die in ihrer Gemeinschaft ausharrten? Rur seinen eigenen Sohn in den Reihen jener Menschensorte zu wissen — das war ihm unerträglich, das hätte, wie der Wurm an des Baumes Wurzel, an seinem Lebensmarke gezehrt und ihn allmählich völlig elend werden lassen. „Nicht wahr, Clara" begann Hohenthal, seine Gedankengänge laut ergänzend, „auch Du wirst von Deinen thörichten Bestrebungen lassen! Sieh, nun kommt der Junge zurück, nun wird alles wieder gut! Da wirst doch nicht Du allein mir zuwider sein wollen-?" i 1