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Der Israelit · 1898-05-23 · Heft 40 (23.5.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 40 (23.5.1898)
Date
1898-05-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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738 in Carlsbad stattfand, war ich bemüht, mehrere Zionsfreunde au- Rußland zu gewinnen, damit die Zahl der besonnenen und thatkräftigen Theilnehmer am Congreß vermehrt werde. Ich übernahm auch einen Vortrag über die Colonisation in Palästina (auf Herzl's Wunsch), und auf meinen Vorschlag wurde ein Comi16 ernannt, das mit der praktischen Colonisationsarbeit refpective mit der Beseitigung der ihr entgegenstehenden Hindernisse sich befassen soll. Allein nachdem der Lärm des CongresseS sich gelegt hat und die Zeit der ernsten Arbeit heranrückte, kam ich zu meinem herzlichen Leidwesen zur Erkenntniß, daß diesem Comit6 es absolut unmöglich ist, auch nur das Geringste zu leisten, da Dr. Herzl nach wie vor der praktischen Colonisation mit aller Entschiedenheit entgegenarbeitet und bedient sich ihrer nur wie einer „melkenden Kuh", um die Anhänger des politischen Zionismus möglichst viel an sich heranzuziehen. Ich erhob dennoch dagegen keinen öffentlichen Protest und erwiderte meinen College» des obenerwähnten ComitLr, die mich immerwährend aufforderten, die Beschlüsse des CongresseS bezüglich der Förderung der Colonisation doch zu berücksichtigen, daß wir nichts unternehmen können gegen den Willen der Herren Herzl und Consorten und daß wir bis zu den Vorbereitungen zum zweiten Congresse warten sollen. Als ich aber soeben in Wien war, gewann ich die innerste Neberzeugung, daß Herzl's System nie und nimmermehr Israel zu Nutz und Frommen dienen könne. Die „Führer der Generation" in Wien haben während des Jahres buchstäblich nichts gethan. Ihre ganze Leistung gipfelt im „Schekelsammeln", von ganz Israel, die man ausschließlich zur Bestreitung der Ausgaben für Secretäre, Schriftsteller, Drucksachen rc. verwendet hat. Sie haben aber nicht nur keinen Finger gerührt zu Gunsten der praktischen Colonisation, sondern verstanden nicht einmal, ihren politischen Zionismus unter den namhaften Kreisen zu verbreiten, wiewohl dieses Jahr ganz besonders geeignet war, unsere Großen zur Belebung der nationalen Idee und zur Förderung unserer geistigen Schätze zu gewinnen. Herzl's Jünger thaten noch das Gegentheil: Sie schadeten dem kulturellen Zionismus, so daß viele hochstehende Persönlichkeiten in Wien mir erklärten, daß, während treue Nationaljuden vor einem Jahre die zionistische Bewegung mit Sympathien und unverkennbarem Wohlwollen begleiteten, sie sie gegenwärtig geradezu hassen. Herrn Dr. Herzl selbst fand ich heiter und vergnügt über seine großen Leistungen und weit entfernt vom richtigen Verständniß für's Judenthum. Alle Rabbiner, jüdische Gelehrte und Alles, was in unserer jüdischen Welt geschieht, sind ihm Rull und nichtig, er will von allem Jüdischen nichts wissen, und seine Ideale sind ungefähr: „L’6tat c’est moi“ und wer nicht mit ihm übereinstimmt, ist geradezu ein Abtrünniger. Herr Dr. Kaminka weist sodann nach, daß die praktische Colonisation auch vom zweiten Congreß nichts zu erwarten habe, und schlägt vor, daß alle aufrichtigen Zionsfceunde in aller Bälde in Breslau oder in Berlin zusammenkommen mögen, um zu berathen, in welcher Weise der drohenden Gefahr vorzubeugen wäre. Auch im Londoner „Jewish Chronicle" vom 6. Mai veröffentlicht Herr Oberrabbiner Dr. Kaminka eine Zuschrift, in welcher er nach den Wiener Vorbesprechungen, an denen er theilgenommen, sowohl die vollständige Resultatlosigkeit der Herzlichen Agitation einerseits, als auch die schweren Schädigungen, welche das Werk der Colonisation durch die Art und die Methode jener Agitation erfahren hat, mit großem Bedauern und herben Worten konstatirt. Herr Mar Nordau, der vorjährige Präsident des CongresseS, hat sich mit einer Katholikin verheirathet. Eppingen, 10. Mai. Gestern waren es 25 Jahre, seitdem Herr Lehrer Eichst etter die hiesige iSr. Religionsschulstelle angetreten. Die Ehrungen, die deniselben am gestrigen Tage zu Theil wurden, zeugen von einem guten Verhältnisse zwischen Lehrer und Gemeinde. Außer den vielen von auswärts eingelaufenen schriftlichen Glückwünschen, waren auch die persönlich dargebrachten Gratulationen sehr zahlreich. Das Empfangszimmer des Jubilars wurde den ganzen Tag von Gratulanten nicht leer. Der Cynagogenrath, bestehend aus den Herren Moritz Frank, Maier Heinsheimer und Ludwig Oppenheimer überbrachten in Verbindnng mit einer sehr angemessenen Glückwunschsrede dem Herrn Eichftetter ein Ehrengeschenk, bestehend in einem prachtvoll gearbeiteten silbernen Pokal mit folgender Inschrift: „Dem Herrn Lehrer Eichftetter zur Erinnerung an sein 25jähriges Dienstjubiläum, von der isr. Gemeinde gestiftet: 15. Mai 1873—98." Ebenso wurde demselben zur beliebigen Verfügung ein größerer Geldbetrag eingehändigt. Die Herren Maier Heinsheimer und Aron Haber haben als Vorstandsmitglieder namens des isr. Wohlthätigkeitsvereins seinem 25jährigen Mitgliede und Sekretär ein halbes Dutzend große, silberne Messer in einem Etui ülurreicht. Ferner erhielt der Jubilar, überreicht von der Vorsteherin des Frauenvereins, Frau Maier Heinsheimer ein schönes Kaffeeservice, sowie ein Theeservice zu 12 Gedecken. Die Hauptlehrer Herren Eberenz und Waldi gratulirten namens der Lehrer der Volksschule und übergaben Herrn Eichftetter ein Trinkgefäß mit der Ansicht von Eppingen. Ebenso gingen von Privaten eine Menge werthooller Geschenke ein. Stöcke mit blühenden Blumen, Blumenbouquets, Torten, die feinsten Weine, Champagner, Cognac rc. rc. füllten die Zimmer. Herr Bürgermeister Vielheuer gratulirte als Vertreter der Stadtgemeinde, Herr Professor Neuer für die höhere

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