Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 40 (23.5.1898)
- Date
- 1898-05-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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737 gemein angenommen wird, ist ebenso sicher. Wenn die Gemeinde der Synagoge in der Johannisstraße sich nur mühsam durchs Leben schleppte, so ist dies Sachs' Einfluß zu verdanken, und wenn in Berlin noch ein Kern gesetzestreuer Juden geblieben, so ist dies ebenfalls die Folge seiner Thätigkeit. Die wenig in die Augen springenden Resultate liegen nicht in der ihm vom Verf. angedichteten Inferiorität in der jüdischen „Theologie".^Gewiß waren, als Sachs nach Berlin kam, noch (gebrauchen wir den alten Ausdruck) Lamdonim alten ^Schlages Ldort, hinter welchen er zurücksrand. Aber diese nur sehr vereinzelten Lamdonim, von welchem Einfluß waren denn diese, daß der neue Rabbinatsaffeffor (er wollte garnicht Rabbiner sein) diesen hätte besonders imponiren müssen, um Einfluß zu bekommen. Dieses sei aber nur in thesi bemerkt, wer persönlich die Verhältnisse kennt, unter denen Sachs in Berlin lebte, der weiß, daß in der That die alten Lamdonim mit Bewunderung zu ihm aufschauten. Wenn der Einfluß Sachs' nicht so sichtbar geworden ist, so lag dies an den zerrütteten Verhältnissen, in welchen er die Gemeinde antraf, eine Gemeinde, in welcher die Judentaufen zu den gewöhnlichen Tagesereignissen gehörten. Auch jeder andere würde an Sachs' Stelle keine günstigeren Resultate erzielt haben. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. V. Berlin, 15. Mai. (Jntroduction zum zweiten Baseler Congreß.) In den letzten Tagen haben in Wien vertrauliche Vorconferenzen stattgefunden, die Tagesordnung des zweiten Congresses festzustellen. Sie hat folgende Hauptpunkte: 1. Eröffnung des Congresses durch den Vorsitzenden des Comitös. Vorlage der neuen Geschäftsordnung. ‘2. Wahl des Bureaus. 3. Rechenschaftsbericht. 4. Die allgemeine Lage der Juden im abgelaufenen Jahre. 5. Programm der Bewegung. 6. Die jüdische Colonialbank. 7. Colonisation. 8. Jüdische Culturfragen. Die von unserem hiesigen Mitarbeiter Herrn Willy Bambus herausgegebene Monatsschrift „Zion" bemerkt dazu: Wir müssen gestehen, daß wir von dem Inhalt dieser Veröffentlichung einigermaßen enttäuscht sind. Wir hätten erwartet von dem Verlauf der Vorconferenz in Wien, bei der es nach dem „Jewish Chronicle" sehr scharf hergegangen ist. Näheres zu erfahren, ebenso hätten wir gewünscht, das Programm für den zweiten Congreß nicht nur in den Hauptzügen, sondern auch Detaillirteres über die einzelnen Anträge, die bisher vorliegen, zu vernehmen. Endlich wäre für einen Erfolg bei den Zeichnungen zur Bank eine unbedingte Nothwendigkeit gewesen, die genaueren Details über den Modus der Finanzirung und über die Bankiers, respektive die Banken zu erfahren, welche an der Spitze dieses Unternehmens stehen. Ein Vorschlag, eine Commission nach Palästina zur Erforschung der Verhältnisse zu entsenden, ist von dem Actionscomit4 abgelehnt worden, weil die nöthigen Mittel nicht vorhanden sind. Die Centrale einer Organisation, die die gesammte Judenheit umfaßt, sollte nicht für ein so wichtiges und grundlegendes Werk 10,000 fl. disponibel haben? So fragt das Berliner zionistische Organ, welches seiner Mißstimmung über die vollständige Resultatlosigkeit der mit so großem Eclat unternommenen Wiener Agitation in gedämpftem Tone Ausdruck leiht. Aber auch von einer zweiten Seite vernimmt man nunmehr laute und heftige Protestrufe gegen das Wiener pseudo-zionistische Verfahren, von einer Seite, von welcher man das am wenigsten erwartet hätte. Diese lauten Proteste kommen aus dem intimsten Lager der eigenen Partei! Männer, welche den ersten Baseler Congreß vorbereiten geholfen und auf demselben eine hervorragende Rolle als Redner gespielt haben, ja die noch an den Vorbereitungen zum zweiten Congreß aktiv theilgenommen, sehen sich nunmehr in ihrem Gewissen gedrängt, der Wiener Parteileitung den Absagebrief öffentlich zu übermitteln und alle wohlmeinenden Männer des Judenthums zur Rettung des arggefährdeten Colonisationswerkes aufzurufen. Die altrenommirte und die best redigirte zionistische hebräische Wochenschrift „Hamagid" in Krakau fühlt sich nunmehr gedrängt, gegen denselben Stellung zu nehmen. In ihrer letzten Nummer bringt sie einen Aufsehen erregenden Artikel unter der überraschenden Ueberschrift „Im Namen Gottes und der Gesammtheit" aus der Feder des gelehrten Oberrabbiners Dr. A. Kaminka in Essegg, der — man höre und staune — selbst bei dem vorjährigen zionistischen Congreß in Basel einer der hervorragendsten Redner war, ja noch mehr — Mitglied des Actionscomitös noch gegenwärtig ist. . . Seine Ausführungen sind daher von prinzipieller Bedeutung und besonders von Interesse auch für die Leser dieser Zeitung, weßhalb ich sie in gedrängter Kürze übersetzen will. „Im verflossenen Jahre — schreibt Dr. Kaminka — „arbeitete ich in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Herzl, um die Veranstaltung des ersten Baseler Congresses zu treffen, und in einer Vorconferenz, die