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Der Israelit · 1898-05-18 · Heft 39 (18.5.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 39 (18.5.1898)
Date
1898-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Feuilleton. England.? London. In dem Unterhause richtete kürzlich der Abgeordnete PickerSgill eine Anfrage an den Staatssekretär oes Innern, ob in der Thal in dem Gefängniß von Wormwood Scubbs eine Synagoge eingerichtet worden sei und wieviel Gefangene jüdischen Glaubens sich dort befinden. Der Staatssekretär antwortete darauf, daß in diesem Gefängniß sich gegenwärtig nur 37 jüdische Gefangene befinden, eine sehr kleiner Ziffer für die große Zahl von Juden in London. Dennoch sei auch für diese eine Synagoge nöthig und ist dieselbe deßhalb errichtet worden, ebenso wie eine katholische Kapelle; es finden daselbst regelmäßige Sabbatgottesdienste statt. Amerika. New-Uork, 4. Mai. Der „Daily Jewish Herald", eine Zeitung der Israeliten der Ostseite, veröffentlicht heute einen Aufruf, welcher auch die jüdischen Mitbürger zu deu Waffen ruft. Der Aufruf betont, daß in keinem Lande die Freiheit der Juden so liberal aufrecht erhalten werde, als hier in Amerika. Deßhalb sei es auch die Pflicht der Juden, ihre Dankbarkeit zu zeigen, indem sie nicht nur ihr Geld, sondern auch ihr Blut hergeben. Es sollten spezielle jüdische Kompagnien und Regimenter gebildet werden. Rev. Osias Hochglück. Afrika.? Südafrika. Das Peßachfest ist hier in allen Gemeinden in größerem Maße gefeiert worden, als in früheren Jahren, denn die südafrikanischen Gemeinden steigen von Tag zu Tag an Seelenzahl und Wohlhabenheit In Pretoria waren mehr als 100 Beter in der provisorischen Synagoge zum Gottesdienst anwesend, so daß der Raum kaum ausreichte. Am 1. Juni wird übrigens die neue Synagoge eröffnet werden, die sicher das schönste aller jüdischen Gotteshäuser in Süd-Afrika werden wird, und eine Zierde der Stadt Pretoria bilden soll, sogar elektrisches Licht wird der neue Tempel trotz der großen Kosten erhalten. — In Krügersdorp wurden die jüdischen Gefangenen während der Peßach-Feiertage von der Arbeit im Gefängniß dispensirt, und mit Hilfe eines von den dortigen Juden gesammelten kleinen Fonds mit Mazoth und allem übrigen versehen. _ vermischtes. Brütt«. Herr Isaak Löw Beer hat testamentarisch gewidmet: 8000 fl. der Stadtgemeinde Brünn für Wohlthätig» keitszweke, insbesondere für die Bespeisu,ng armer Schulkinder; ferner 8000 ft. der israelitischen Cultusgemeinde zu Wohlthätigkeiözmecken. schließlich mehrere^öeträge für Seelenheilftiftungen, für die Dienerschaft, fitr Merwandte^d-s. «k» Der Väter Schuld. Erzähl u n g aus der Gegenwart. Bon 20) mm Arnold Mann, mm (Nachdruck verboten.) Ludwig ging, zwar nicht ohne ein schweres Gefühl im Herzen, aber doch mehr oder minder frohgemuth nach seiner Wohnung. Und siehe da, Hohenthals Kartellträger, 8tuä. jur. Braun, wie er sich vorstellte, wartete bereits auf ihn. Mit kalter Höflichkeit wurden auf beiden Seiten die Formalitäten erledigt; Schlesinger nannte Namen und Wohnung seines Sekundanten und Braun begab sich unverzüglich zu dentselben. Schon nach Verlauf von einer halben Stunde stellten sich die Beiden wieder ein und da wurden dann Ludwig die Bedingungen mitgetheilt, auf die man sich geeinigt: der erste Schuß wird durchs Loos bestimmt, dreimaliger Kugelwechsel, 15 Schritte Barriere, Rendezvous am folgenden Morgen fünf Uhr auf einer Lichtung im Grunewuld zwischen Paulsborn und Hundekehle. Nicht lange nachher wurden die gleichen Bedingungen Kurt Hohenthal mitgetheilt. Schlesinger hatte mit seinem Sekundanten verabredet, daß dieser ihn am Morgen um V24 Uhr wecken solle. Sie wollten dann zusammen in einer vorausbestellten Droschke nach dem Rendezvousplatz fahren. Als Schlesinger allein war, setzte er sich bequem in die Ecke seines Sopha's und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Was war nicht an diesem Tag schon alles auf ihn eingestürmt! Und es war doch erst sechs Uhr! Zuerst die krampfhafte Erregung über die Wahl! Ludwig mußte unwillkürlich lächeln. Wie weit das nun hinter ihm lag, und wie kleinlich es ihm erschien, dann die erlauschte Aeußerung über seine Schwester, der qualvolle Weg bis zu deren Wohnung, ihr Geständniß, der Brief an die Eltern, dann der entsetzliche Anblick im Hausflur von Betti's Wohnung, sein strafendes Wort, das er dem Schurken ins Antlitz geschleudert und endlich — jetzt — das bevorstehende Duell! Welche Fülle von Aufregungen! Und nun kam die Nacht, die lange, lange Nacht bis zum entscheidenden Augenblick. Keinen Moment wandelte Ludwig ein Gefühl von Furcht an. Im Gegentheil! Er fühlte eine eigenthümliche Freude in sich aufwallen bei dem Gedanken, daß er das mit seinen besudelten

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