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Der Israelit · 1898-05-16 · Heft 38 (16.5.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 38 (16.5.1898)
Date
1898-05-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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709 daß weiter westlich wenig zu finden sein wird. Dort ist die Neigung, kleine Räume zu benutzen, weil die Synagogen nicht höher wie die Moscheen sein dürfen, und oft den Juden zum Trotz eine Moschee recht niedrig gemacht wird. Dann giebt es dort eine Reihe moderner Synagogen. Dürftige Häuschen benutzen die Sabotniki, die Sabbatfeiernden, die vielfach als echte Juden behandelt werden. — Das Kapitel der Kultusgegenstände ist ein leichterer. Jndeß wird aus uralter Zeit wenig gefunden. Gerade in letzter Zeit wird viel Silbergeräth eingeschmolzen, weil zahlreiche kleine Gemeinden sich auflösen. Redner schilderte die heiligen Laden, die er gesehen, an der Hand von Photographien, insbesondere verweilte er bei den Vorhängen, die in den alten Synagogen so künstlerisch gestickt und verziert waren, heutzutage aber oft sehr gewöhnlich und geschmacklos gemacht werden. Er machte u. A. auf die Vorhänge und Teppiche in Mainz (aus dem 16. Jahrhundert) und Rom aufmerksam und ermahnte die jüdischer!. Frauen und Mädchen, doch wieder wie in alter Zeit durch ihre Hände Arbeit zur Verherrlichung des Gottesdienstes beizutragen. Was den Thoraschmuck betrifft, so hat Redner 200 Synagogen besucht und 1000 bis 1500 Thorarollen gesehen; aber keine einzige hatte so prachtvollen Schmuck, wie die in Rom. Sodann besprach Redner die Drucke, die Decken mit Stickereien (gleichfalls besonders werthvoll in Rom, wo das Silbergeräthe und Utensilien einen Werth von einer Million repräsentiren), die SchofarS, die Bäder (namentlich Friedberg, Andernach und Cleve) die Ringe und Sablonuthketten, die Wimpeln (früher in durchbrochener Arbeit und reichlich mit Gold gestickt, jetzt meist sehr primitiv) Beschneidungsgeräthe und -Stühle, Rabbinerstühle, Sederschüsseln, Gewürzbüchsen, Beleuchtungsgeräthe, u. s. w. und ging schließlich zu den verzierten Schriften über. Er zeigte illustrirte Megilloth, Bibeln, Hagadoth, Ketuboth u. dgl. Auch auf den Friedhöfen, wie in Frankfurt und Worms, ebenso in Italien, finden sich zahlreiche künstlerische Denkmäler, wie aus der Publikation der Grabsteine, die Herr Rabbiner Dr. Horovitz veranlaßt hat, für Frankfurt zu ersehen ist. Aus dem jüdischen Friedhof in den Katakomben stammen vier Gläser, dem 1. Jahrhundert angehörig, auf denen auf Goldgrund zahlreiche Gegenstände des jüdischen Kultus eingegraben sind. Meistens haben sie fast dieselbe Gestalt, wie heutzutage. Die Thora ist indeß dort eine Rolle ohne Stäbe, im 14. und 15. Jahrhundert hatte sie einen Stab, später bekam sie zwei flache Stäbe, jetzt hat sie bekanntlich zwei runde Stäbe mit gedrechselten Spitzen. Der Vortragende schloß seine Mittheilungen mit einer Citation aus Gregorius, worin eine 1780 abgehaltene jüdische Prozession geschildert wird. Er knüpft daran die Bemerkung, daß der ganze christliche, namentlich katholische Kultus, eine Nachahmung des jüdischen sei, daß ebenso deren Kultusgegenstände au» denk Judenthum herübergenommen seien, wie das ja leicht erklärlich sei, indem die Vorsteher und Priester der ältesten Christengemeinden eben Judenchristen gewesen. Nachdem der sehr beifällig aufgenommene Vortrag beendet war, zeichneten sich viele der Anwesenden auf die herumgegebenen Beitrittskarten ein.*) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. 3W., 12. Mai. Der Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (Schomre Schabbos) theilt uns mit, daß in der ersten ordentlichen Hauptversammlung des Vereins am 1. Mai c. die folgenden Herren in den geschäftsführenden Vorstand gewählt wurden: die Herren Mor. A Loeb, 1. Vorsitzender, Jacob Rosenheim, 2. Vorsitzender, Emanuel Ettinghausen, 1. Kassirer, Jsaac Sulzbach, 2. Kassirer, Sam. Weil, 1. Schriftführer, Emanuel Seligmann, 2. Schriftführer, Raphael E t t l i n g e r, Jacob B e st h o f, Louis Kahn. Schriftstücke sind zu richten an den 1. Vorsitzenden, Herrn Mor. A. Loeb, Langestraße Nr. 24. Geldsendungen an den 1. Kassirer, Herrn Emanuel Ettinghausen, Zeit Nr. 35. X. Körngshütle. Die „Königshütter Zeitung" schreibt: Gegen einen seit Jahren hier ansässigen Glasermeister aus Oesterreich-Schlesien hat ein böser Konkurrent eine Denunziation auf Ausweisung eingereicht. Der Meister wurde auf die hiesige Polizei geladen und ihm dort ein Schriftstück mit der Aufschrift : „Ausweisung für den Juden N. N." vorgelegt. — Der betreffende Glasermcister hat uns dies selbst *) Wir möchten uns bei dieser Gelegenheit gestatten, das vereheliche Kam tee der neugegründeten Gesellschaft aus einige Schätze aufmerksam zu machen, die in Frankfurt selbst 'ich befindend, durch die Bescheidenheit ihres Schöpfers, wie Veilchen im Verborgenen blühen. Wir meinen die herrlichen Bilder aus dem altjüdischen Familienleben, die Hermann Junker, der Tradition seines Lehrers, des Meisters Oppenheim folgend, geschaffen hat und die wohl, wie kaum irgendwelche andere Kunstwerke, berufen sind, einen altjübischer Kultur geweihten Tempel zu schmücken. Der Dtcl der vier Bilder, die viele jüdische Figuren aus dem vorigen Jahrhundert porträtähnlich miedergebeu, sind: „Das Reumondgebet", „Die Brautschau", „Die Prüfung der Brautleute vor dem Kreisrabbiner und dem Kreishauptmann" und „Der Einkauf der Sabbatfifche". Es bedarf wohl nur dieser Anregung, um das vereheliche Komitee zu veranlassen, sich und der Stadt Frankfurt den Besitz dieser für die Zwecke der Gesellschaft so geeigneten Gemälde zu sichern. Redaction des Israelit.

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