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Der Israelit · 1898-05-16 · Heft 38 (16.5.1898) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 38 (16.5.1898)
Date
1898-05-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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710 erzählt und uns noch die Mittheilung gemacht, L>aß sein Denunziant einen nahen Verwandten hierorts habe, der in dieser Angelegenheit arbeite. Wir sind auf den Ausgang dieser kaum glaublichen Angelegenheit neugierig. P a l ä ft i n a.? Jerusalem. Außergewöhnlich zahlreich waren dies Jahr die Touristen in der heiligen Stadt und unter ihnen viele Glaubensgenossen. Leider aber reisten die Meisten von ihnen incognito, was ihre Eigenschaft als Juden anbetrifft. Immerhin waren einige hervorragende Glaubensgenossen darunter, welche sichnicht scheuten, sich als Juden zu bekennen. Herr Tietz aus München machte durch Vermittlung der Jerusalemer Logen mehreren Institutionen namhafte Geldgeschenke, Herr Isidor Strauß aus New-Aork übergab 500 Dollars an den Direktor der Lemmle Schule zur Verkeilung; Herr Hochstedter aus New-Uork studirte ganz besonders die Gemeindeverhältnisse und sprach sich energisch gegen die Gründung des amerikanischen Kollel aus. Endlich waren noch aus London die Herren N. M a y e x und Israel Abrahams unter den Reisenden dieser Saison. Die Anwesenheit des Letzteren verschaffte uns das Vergnügen am 14. April einen Vortrag des berühmten Schriftstellers in der Bibliothek zu hören. Abrahams sprach in reinem Hebräisch über jüdische Reisende im Mittelalter, und dem Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion, ebenfalls im biblischen Hebräisch. Abrahams beschäftigte sich ganz besonders mit der Prüfung der Verhältnisse in der Evelina Rothschild-Schule, außerdem mit den Angelegenheiten der jüdischen Bibliothek. — Eine wichtigere Neuerung haben die letzten Wahlen zum Stadtrath von Jerusalem gebracht. Ein aschkenasischer Jude Jeklin ist mit großer Majorität in den Stadtrath gewählt worden. Er ist ein Eingeborener von Jerusalem und auch bei den Richtjuden angesehen, wofür der beste Beweis ist, daß eine große Anzahl Mohamedaner seine Wahl unterstützten. Iersonakien. ' Arankfurt a. M. Auf unsere Festesfreude sollte ein Schatten fallen, leider bin ich erst heute im Stande, Ihnen über folgenden Trauerfall zu berichten: Am nDB bw |nriN wurde Hr. B ern ha rd Kann im 64. Lebensjahre abberufen. Einer der ältesten und vornehmsten Frankfurter Familie entstammend, deren Namen auf's engste mit der Geschichte der hiesigen Gemeinde verknüpft ist — wir erinnern nur an die 1736 in'S Leben gerufene Lüb Kann'fche Stiftung sowie an den treuen Freund und Anhänger des jmT ’Jß, den berühmten mit R. Samson Wertheimber und R. Behrend Leh mann verschwägerten R. Mosche zur Kanne der auch in den „Erzählungen aus Vergangenheit und Gegenwart" öfters erwähnt wird — ist Bernhard Kann den geheiligten Traditionen seiner Familie gefolgt, die sich stets als Träger des unverfälschten Judenthums, sowie als treue Förderer und Anhänger all' der großen Männer begriff, deren Streben cs war, dasselbe in dem Herzen unseres Volkes zu befestigen. So verliert die hiesige israelitische Neligionsgesellschaft, an der er mit jeder Faser seines Herzens hing, eines ihrer treuesten Mitglieder. Als Baltokea unerreicht, hat er bis vor wenigen Jahren das Ehrenamt eines solchen in der israelitischen Neligionsgesellschaft bekleidet, und besonders den älteren Mitgliedern wird das erhabene Bild, das der Almemor mit der Ehrfurcht gebietenden Erscheinung Samson Raphael Hirsch's und der männlich schönen Gestalt Bernhard Kanus ); bot. unvergeßlich bleiben. — Beinahe ein volles Mcnschenalter gehörte Kann der hiesigen Ehemra Kadischa Gaumlc Cassodim an, in deren Mitte er sich ungciheilter Snmpathie erfreute, und deren Dienstältester er in den letzten Jahren war. In allen Lagen des Lebens hielt Kann es als seine schönste Aufgabe, Anderen ein Helfer in jeder Bedrängniß zu sein, und so nahm es auch kein Wunder, daß sein Begräbniß sich zu einer imposanten Kundgebung für die Beliebtheit, die er auch in nichtjüdischen Kreisen genoß, gestaltete. Möge seine tiefgebeugte Gattin Trost in dem Bewußtsein finden, daß ihre Kinder in dem ihnen von ihrem seligen Vater geiviesenen Weg wandeln und so sein Andenken alle Jeit ehren werden. Vermischtes. Wien. Vor einigen Tagen trug man Frau Elise Pacifieo Stern zu Grabe. Die selig Entschlafene hat es nicht nur bei Lebzeiten als ihre Aufgbe betrachtet, den verschämten Armen zu helfen, so weit es in ihren Kräften stand, das Leben zu erleichtern, sondern bat auch testamentarisch verfügt, daß außer den noch an ihren, Begräbnißtage an verschämte Arme jüdischer Eonsession zur Verthcilung gelangten KM) fl., und zwar zu gleichen Theilen hier und in ihrer Geburtspadl Triest, folgende Wohlthätigkeitsanstalten Legate erhalten sollen In Wien der Humanitätsverein „Gomle Ehesed" 1500 fl., das „Ferienheim" 500 fl.; in Triest der Verein „Onntra: teruitä-Isiaditiea di Misericordia’ 1000 fl., der Verein missioue-Lsraelitica di Beneficencia" 1000 ff; für drei arme Bräute jüdischer Eonsession 3000 fl. 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