Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 38 (16.5.1898)
- Date
- 1898-05-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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708 eine jüdische Ausstellung gewesen, und daß man in Wien ein jüdisches Museum errichten wolle. In Wien wußte aber der Oberrabbiner, der selbst zur Verwaltung gehört, nichts Näherer. Aus der englischjüdischen kirchlichen Ausstellung von 1886 erhielt ich jedoch einen Katalog, der mit Illustrationen, aber von außerordentlicher Kleinheit, geziert ist. Als ich sah, daß außer diesen und Steinschneiders Notizen über die Schrift nichts zu finden sei, faßte ich den Gedanken, Material zu sammeln und zu veröffentlichen; ein Band sollte die Architektur der Synagogen > der jüdischen Privathäuser, der Schulen, der Bäder und bis zu einem gewissen Grad der Gräber, dann die Architektur im Innern ein zweiter Band, ein dritter Band Cultusgegenstände für das Haus, ein fünfter Band hebräische Zierschrift und war sich sonst noch kulturhistorisch anschließt, wie Kostüme u. s. w. behandeln. Ich kam dabei auf eine sehr große Summe und ließ 14 Tage Vorbeigehen. Dann aber fuhr ich nach Frankfurt und suchte einen Herrn auf, der für Alles Gute und Große eine offene Hand hat. Durch dessen Vermittlung konnte ich untersuchen, was Jerusalem, Spanien und Nordafrika u. s. w. bieten. Als ich ein Jahr darauf die Sachen vorlegte, bildete sich überraschend und erfreulich für mich ein Centralcomite. Die Mittel, die mir da zur Verfügung gestellt wurden, ermöglichten zunächst eine Reise nach Italien, um einmal in einem Lande zu sehen, was bei systematischer Durchstöberung zu hoffen sein dürfte. Es wurde photographirt, zusammengeftellt und geprüft. Eine Auswahl der Blätter (über 100 Photographien, Grundrisse, Skizzen) sind an den Wänden angebracht. Die Geschichte der Juden theilte ich in zwei Gruppen. Die erste, von der nicht viel zu erlangen war, geht bis zur Zerstörung des Tempels und Jerusalems, die zweite bis zur Gegenwart. Von der ersten Zeit habe ich nur 3 Blatt mitgebracht. Un diese Alterthümer bekümmern sich übrigens auch die christlichen Geistlichen. Die älteste architektonische Kunstleistung ist nur geschrieben, es ist die Stiftshütte. Aus der Abmessung, Vertheilung u. s. w. geht hervo.», daß der Feststehende ausgezeichnete architektonische Anlagen gehabt hat. Man hat die Stiftshütte vielfach zu rekonstruiren versucht, es gibt 300—400 architektonische Lösungen davon. Ebenso ist es mit dem Tempel Salomos, der je nach dem Zeitalter romanisch, gothisch, Barock, Rokoko u. s. w. dargestellt wird. Aus der Beschreibung geht deutlich hervor, daß nicht nur der Architekt sehr hervorragend war, sondern daß auch ein sehr frommer Geist des Judenthums in der Bestimmung der Abmessungen mitgewirkt muß. Die Mitarbeit der Phönizier war nur eine ganz untergeordnete mechanische. In Arak-el- Emir fand Redner ein Gebäude in Trümmern, das offenbar das Domizil Hyrcanus II. war, als er von seinem Bruder besiegt worden; zwei Stejne mit Löwen sind noch vorhanden. Sicher sind auch in Moab noch manche Reste zu finden; doch ist dergleichen mehr Aufgabe der Palästinaforschung. Ebenso ist es mit dem Tempel des Herodes, von dem viele Schriften Beschreibungen geben. Nach der Zerstörung Jerusalems tritt eine große Lücke ein. Obgleich im 5. und 6. Jahrhundert in Trani und Bari die Juden eine große Rolle spielten und 4000 Juden streng nach dem Gesetz in Sicilien lebten, existiren keine Spuren mehr von ihnen. Das Erste, was man al4 Arbeit des 9. Jahrhunderts ansehen kann, ist die Karaiten-Synagoge von Jerusalem. Vorläufig ist die Synagoge von Worms als nachälteste zu betrachten; ihr ältester Theil, die Frauensynagoge, ist etwa aus dem Jahr 1100, dann folgt die Männersynagoge, dann die Raschi-Kapelle. Es ist dies die einzige bekannte romanische Synagoge. Die Altneusynagoge in Prag ist gothisch, also aus dem 13. Jahrh. Beide sind zweischiffig; der jetzige Lehrpult ist zwischen den beiden Säulen, die an Jachin und Boas erinnern, angebracht. Aus jener Zeit existiren auch noch Judenhäuser, und zwar in Lincoln in England nnd eines in Avignon in Frankreich. Gothisch sind ferner zwei Synagogen in Trani; die eine davon ist jetzt eine katholische Kirche, die andere ist unbenutzt; hier hat Redner einen steinernen Aron Hakodesch gefunden, den einzigen, den ec je gesehen hat. Zur Zeit der Araber existirte in Spanien eine Menge Synagogen. Viele sind nicht mehr zu finden, aber in Toledo weiß man von zweien mit Bestimmtheit Eine davon wurde 1368 von Finanzminister Levi erbaut, dessen Haus noch vorhanden ist; sie zeigt eine eigenthümliche Bauart, die von der arabischen abweicht. Dem 15. Jahrhundert dagegen gehören verschiedene italienische an, die Synagoge in Rom, welche fünf, verschiedenen Gemeinden ungehörigen Synagogen in sich schließt, dem 16. Jahrhundert. Eine Synagoge, von Sansovino erbaut, steht in Venedig; heute ist an der Stelle des Lehrpults eine Orgel angebracht und der Lehrpult in die Nähe des Aron hakodesch verlegt. Aus dem 16. Jahrhundert stammen noch andere sehr chöne nicht benutzte Synagogen, z. B. die in Padua. Eine Fülle von Synagogen ist aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert vorhanden. Eine sehr interesänte Gruppe ist die der hölzernen Synagogen von Polen und Rußland, sie sind 1692 erbaut. Auch ehr malerische steinerne giebt es dort, in dem Stil von Basiliken, von Festungen; durften sie doch auf ihren flachen Dächern der Sicherheit wegen Kanonen aufpflanzen. Besonders prächtig ist die Synagoge zu Bertschikow, wo 100,000 Juden wohnen. Die Synagoge in Eriwan in Armenien läßt befürchten,