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Der Israelit · 1898-05-16 · Heft 38 (16.5.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 38 (16.5.1898)
Date
1898-05-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX XIX. Jahrgang. Beilage m J\s 38 des „Zsraelip. Leitender Artikel. GrskUWst jur Crsarsihlillg inüifdjer ^un(t-iDenfnnater. Frankfurt a. M., 11. Mai. Vor kurzer Zeit hat sich hier obengenannte Gesellschaft gebildet, deren Vorstand aus folgenden Herren besteht: Charles L. H a l l g a r t e n, Georg Speier, Rechtsanwalt P l o t k e, Stadtrath B a e r, Simon L. V a e r, Direktor Dr. Baerwald, Eduard Cohen, Hermann C r a m e r, Jilstizrath Dr. F u l d, Julius Gold sch midt, Leopold Hamburger, Rabb. Dr. H o r o v i tz, Julius H. I e i d e l s, Moritz Oppenheim, Rabb. Dr. Plaut, Jacob' L. Posen, L. A. R i c a r d - A b e n h e i m e r, Philipp Schiff, Leopold Sonne mann, sowie dem Conservator des städtischen Museums Otto C o r n i l l und dem Stadtbibliothekar Dr. Ebrad. Auf Einladung dieses Vorstandes versammelte sich gestern Abend eine große Anzahl von Herren und Damen im Saale der Polytechnischen Gesellschaft. Herr Direktor Baerwald begrüßte die Erschienenen. Er präzisirte die Absicht der Gesellschaft dahin, die Erzeugnisse der Kunst, welche im Laufe des geschichtlichen Lebens des jüdischen Volkes in den verschiedensten Gegenden hervorgetreten sind, aufzusuchen und zu sammeln, das Typische thunlichft zu erwerben und das wissenschaftlich Werthvolle durch Publikationen zugänglich zu machen. Was das äußere Leben der Juden und ihre Leistungen auf dem Gebiete der Philosophie, Dichtung und Literatur betrifft, so läßt sich darüber heute schon eine Uebersicht gewinnen; das, was auf dem Gebiete der Kunst von ihnen geschaffen wurde, ist uns größtentheils unbekannt. Wenn die Geschichtswissenschaft die Aufgabe hat, die Geschichte eines Volkes nach allen Richtungen zu erforschen und darzuftellen, so stellt die Geschichte des Judenthums dem Forscher eine unermeßliche Aufgabe; sie ist einzig in ihrer Art, denn sie spinnt sich vom Urbeginn an fort bis in die Gegenwart hinein. Es gibt kein zweites Volk, dem es beschieden ward, nachdem einmal seine politische Existenz unterdrückt war, sie sich von neuem zu gründen, das ohne selbständiges Staatslebeu, durch die ihm innewohnende geistige Macht allein, unter dem Druck aus Elend sich erholte und weiter forti.!' —■ 1 ■—- -■Ji—*i-——■—!—11 '.cUgggaegg gebildet hat, durch seine bloße Existenz, zurückwirkend auf die Gesammtheit, in der es lebt. Diese unvergleichliche Aufgabe wird auch dahin gehen, die Einflüsse, welche die Völker, unter denen die Juden lebten, auf sie ausübten, darzuthun. Auf keinem Gebiet war diese Wirkung so mächtig, wie gerade auf dem der Kunst, und wenn wir nur diese eine Seite betrachten, so wird der Blick geschärft auch für die Einwirkungen auf anderen Gebieten. Ist unser Unternehmen ein von richtigen Gedanken ausgehendes, so wird es, wie andere, im Lauf der Zeit reichere Früchte tragen, als man Anfangs ermeffen kann. Aus kleinen Anfängen ging ja auch die Gesellschaft für ältere deutsche Geschichte hervor, welche am 20. Jan. 1818 der Freiherr von Stein hier in Frankfurt gründete, und aus welcher eine Reihe großer Geschichtsschreiber erwuchsen. Die Mittel hat das Komitee selbst aufgebracht, um die bisherigen Arbeiten zu fördern. Aber um der Sache Festigkeit zu geben, muß die Gesellschaft durch Jahresbeiträge und Spenden gestärkt werden. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist die Ehre des jüdischen Volkes, die Förderung der Wissenschaft ist die Ehre eines jeden rechten Mannes. Wir hoffen, daß nach diesen beiden Richtungen hin. Sie sich veranlaßt sehen werden, uns Ihre Unterstützung zu leihen. Hierauf ergriff Herr Dir. Frauberger (Nichtjude Red.) aus Düffeldorf das Wort. Zunächst bat er um Entschuldigung, daß er keinen abgerundeten Vortrag bieten könne. Die Zahl der Lücken sei zu groß. So lange er nicht im Stande sei, eine Kette zusammenhängender Leistungen der Juden vorzuführen, sei es zu früh. Wenn durch Ihre Unterstützung diese Lücken nach und nach ausgefüllt sind, hoffe ich etwa in 2, 3 Jahren wiederzukehren und einen abgerundeten Vortrag mit den entsprechenden Belegen bieten zu können. Wie ich aber zu der Sache kam, hängt mit Folgendem zusammen. Im Centralbildungsverein in Düffeldorf ist eine Vorbildersammlung, die bishs» mein Stolz gewesen ist; weit über 150,000 Stück Vorbilder wurde in kurzer Zeit verliehen. Da war ich nicht verwundert, daß ein jüdischer Bankier kam und bat, ihm eine Zeichnung für die Einfriedigung des Grabes seiner Eltern zu verschaffen. Ich wußte kein Symbol, auch der Architekt nicht. Da siel mir das Davidszeichen ein. Als ich das dem Architekten erklärte, rief er aus: Das ist ja bei uns in Süddeutschland ein Wirthshausschild! und machte sich freudig an die Arbeit. Sie gelang sehr gut, allein mir ließ das doch keine Ruhe, umsoweniger als ich an paffenden Vorbildern gar nichts habe. Von dem Rabbiner erfuhr ich nur, daß in London

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