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Der Israelit · 1898-05-12 · Heft 37 (12.5.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 37 (12.5.1898)
Date
1898-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wesen des Judenthums gehörigen Cultus-, Lehr- und Wohlthätigkeitsanstalten in's Leben zu rufen. Daß wir darum im größten Theile des Landes, besonders in der Moldau, wo die Armuth fast eben so groß ist, wie in Galizien und Russisch-Polen, über alle Maßen betrübende Gemeindezustände haben, liegt auf der Hand. Wer der Gemeinde nicht angehören will, kann zur Theilnahme an ihren Lasten und Pflichten nicht gezwungen werden, und wer sich freiwillig zu ihr zählt, trägt zu ihren Bedürfnissen nur so viel und dann bei, wie viel und wann es ihm beliebt. Wenn man die ökonomische Lage der Juden in Rumänien in Betracht zieht, so kann man ihnen im Allgemeinen trotzdem Opferwilligkeit für Gemeindezwecke nicht absprechen und auf diese Thatsache wurde von berufener Seite die besondere Aufmerksamkeit Dr. Sonnenfeld's gelenkt. Es ist erfreulich, daß sich dieser Herr davon überzeugt und konstatirt hat, daß die rumänischen Juden sich nicht in leichtsinniger Weise ihren Pflichten der Gemeinde gegenüber entziehen, und so fand er denn auch in allen von ihm besuchten Städten, wie Bukarest, Plojeschti, Braila, Galatz, Jassy, Rotuschani und Dorohoiu, wenn auch nicht alle der jüdischen Gemeinde eigenthümlichen Anstalten, so doch manche, die, der Pflege der Wohlthätigkeit oder dem Unterricht bestimmt, segensreich wirken. Wenn biefe Anstalten den Bedürfnissen in keiner Weise entsprechen, so darf man deßhalb den rumänischen Juden keinen Vorwurf machen, man muß vielmehr ihren Eifer rühmend anerkennen, daß sie trotz unsäglicher Hindernisse noch so viel für das gemeinsame Wohl leisten und opfern. So hat die Bukarester Gemeinde, obschon sie sich in keiner Weise eines staatlichen Schutzes erfreut, ein jährliches AuSgaben-Budget von etwa 300.000 Francs, eine Summe, die ausschließlich durch freiwillige Beiträge aufgebracht wird. Unsere Gemeinden dürfen einer glücklichen Zukunft entgegensetzen, wenn sich die Baronin v. Hirsch entschließen wird — und nach den Zusicherungen, die uns Dr. Sonnenseld gab, ist daran nicht zu zweifeln — sie durch namhafte jährliche Subventionen zu unterstützen. In welcher Weise dies geschehen wird, läßt sich im Augenblick noch nicht feststellen, da man vorläufig nur über einige allgemeine Bestimmungen übereingekommen ist. Es sollen zwei Regional-Comit^, eines für die Moldau, das andere für die Walachei und Drobudscha, eingesetzt werden. Aufgabe dieser Comitss wird es sein, die Subvention zu bestimmen, welche den einzelnen Gemeinden behufs Erhaltung ihrer Schulen gewährt werden soll. Die endgiltige Entscheidung behält sich das Central-Comitö, defien Sitz in Paris sein soll, vor. Dieses weist den Regional-Comitäs in Bukarest und Jasiy die bewilligten Summen jährlich an. Zur Regelung aller allgemeinen Angelegenheiten, welche das Schulwesen des ganzen Landes betreffen, soll aus den beiden Regional-Comitös ein Ausschuß, der sich bald in Jasiy, bald in Bukarest versammeln wird, eingesetzt werden. Außer den Elementar- oder Volksschulen, die in allen Städten, wo es eine größere Anzahl von Juden gibt, unterstützt werden, sollen in Bukarest eine Lehrerbildungsanstalt und je eine Handwerkerschule in Bukarest und I issy ins Leben gerufen werden. Für die Errichtung beider Anstalten hat die Bukarester Gemeinde bereits Vorkehrungen getroffen; für die elftere besitzt sie ein schönes, zweckentsprechendes Haus, das vor zwei Jahren gebaut wurde, für die letztere hat man erst in jüngster Zeit ein Grundstück in der Ausdehnung von etwa 16,000 Quadratmeter käuflich erworben Beide Anstalten werden daher, wenn wir die uns in Aussicht gestellte Subvention erhalten, schon im nächsten Herbst eröffnet werden können. Bemerken will ich hier noch, daß unser Lehrerseminar und unsere Haudwerkerschule auch von Seiten edler Glaubensbrüder in Berlin eine namhafte Subvention bekommen wer-en. Damit wir die Neu-Organisirung unserer Schulen in der angedeuteten Weise ausfüdren können, ohne uns Verdächtigungen auszufttzen, rieth man Herrn Dr. Sonnenfeld, eine Audienz beim König uno beim Ministerpräsidenten, Herrn Demeter A. Sturdza, nachzusuchen, um dem Staatsoberhaupte, wie dem Vertreter der Regierung einerseits, den Zweck seiner Reife auseinanderzusetzen, und um andererseits ihren moralischen Schutz für das große Culturwerk, das in Angriff genommen werden soll und ohne welchen ein ersprießliches Gedeihen desselben nicht denkbar ist, zu gewinnen. Die Audienz beim König fand aus formellen Gründen nicht statt, der Ministerpräsident jedoch, der Herrn Dr. Sonnenfeld am 18. (30.) Januar in seiner Privat-Wohnung empfing, versprach im Namen der Regierung, dem Werke jede wünschenswerthe Unterstützung und Förderung angedeihen zu lassen. Dr. Sonnenfeld besuchte auch noch den Verwalter der Krongüter, Herrn Inn Kaliuderu, der gleichfalls große Sympathien unseren Bestrebungen entgegenbringt und sich bereit erklärte, von denselben Sr. Majestät dem König Bericht zu erstatten. Auch Herr Carp, das Haupt der Juninnsten Partei, die sich wohl im Augenblicke in der Opposition befindet, aber vielleicht in nächster Zeit die Zügel der Regierung in die Hand bekommt, wurde durch Herrn Dr. Sonnenfeld ausgesucht und von demselben lehr wohlwollend empfangen. So wäre denn die Bahn geebnet für ein Culturwerk, von dem wir uns für die ganze rumänische Judenheit großen Segen versprechen.

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