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Der Israelit · 1898-05-12 · Heft 37 (12.5.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 37 (12.5.1898)
Date
1898-05-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Zeit und Auslagen die einzelnen Spenden einzukassieren : so lange steht die Anstalt noch nicht auf fester Grundlage, und solange ist das Werk noch nicht vollendet. Darum verbinden wir mit dem Danke die innigste und ergebenste Bitte an alle Gönner und Freunde unserer Anstalt, sowie an alle, die es mit der religiösen Erziehung der Jugend aufrichtig und ernst meinen: „Schenken Sie unserer Anstalt auch fernerhin Ihr Wohlwollen und unterstützen Sie dieselbe nach dem Vermögen, womit der Allgütige Sie gesegnet hat; es veranlaste ein jeder feine Freunde und Bekannte, unser Unternehmen zu fördern ourch einige Spenden, durch Sammlungen bei freudigen und anderen Gelegenheiten oder durch Zuwendungen von Stiftungen." Oe st er r.» Ungar. Monarchie. J.Sp. Budapest i. Mai. David Schnitzer, Onkel des hervorragenden Schriftstellers Ignatz Schnitzer, ist am 1. April l. I. in hohem Alter in Budapest gestorben. Vor einigen Tagen wurde das Testament geöffnet, laut welchem der edle Verblichene der Pesther israel. Cultus-Gemeinde für culturelle Zwecke 14,000 und für den heiligen Verein 3000 Gulden hinterließ. Jntereffant ist, daß der Verblichene so bescheiden lebte, daß man glaubte Schnitzer sei ein blutarmer Mann; es hat sich auch mehr wie einmal ereignet, daß man dem frommen alten Mann, der jeden Tag in die Rombachgassen- Synagoge ging, in der Vorhalle des Gotteshauses A!mofen geben wollte und so oft ihm das pafstrte, nahm er das Geldstück an, und gab es sofort weiter. Schnitzer war ein sehr gediegener Talmudist, ein edler, frommer Mann, der die Armen, Wittwen und Waisen unterstützte; er war Mitglied des Talmud- Thora-Vereins und besuchte regelmäßig die Vorträge; die Oeffentlichkeit liebte er nicht; seine größte Freude war, wenn er im Geheimen Zedoko ausüben konnte. — Israel Kohn, ein Mann mit 69 Jahren hat am 2. d. M. die Reise nach Palästina angetreten. Kohn ist ein großer Talmudist und gedenkt sich in Jerusalem dauernd niederzulaffen. Sein einziger Sohn ist Oberbeamter bei der Pesther Ungar. Commerzialbank. v Aus Ungarn, 10. Mai. (Eine Komitals fei er in der Synagoge.) Ein nicht gewöhnlicher Vorfall ereignete sich, wie man dem „Pesti Hirlap" meldet, in Also-Kubin. Das Komitat Arva wollte nämlich die fünfzigste Jahreswende der Sanktionirung der 48er Gesetze festlich begehen und hatte auch die Veranstaltung eines Festgottesdienftes in sein Programm ausgenommen. Als dann die Frage aufgeworfen wurde, in welchem Gotteshause der kirchliche Theil des Festes gehalten werden solle, stellte sich heraus, daß nur der jüdische Tempel sich zu dem Zwecke eigene. Die Feier ging denn auch in Anwesenheit des Obergespans und der Honoratioren im israelitischen Tempel vor sich. Frankreich. Paris, 9. Mai. Die Wahlen verliefen in Paris und, soweit bekannt, in der Provinz ohne Störung. Die Betheiligung war in Paris stärker als 1993, doch vertheilte sich der Zuwachs auf alle Parteien. Die bisher vorliegenden Resultate bekunden, daß die chauvinistische Agitation unter Ausnützung der Affaire Zola ihre Früchte trug. Von Sozialisten sind Jaures und Guesde ihr zum Opfer gefallen, beide kommen nicht einmal in die Stichwahl. Joseph Reinach ist ebenfalls durchgefallen. — Zum Wahlresultat sagt der „Temps", das allgemeine Stimmrecht habe dokumentirt, daß das Volk die Beibehaltung der bisherigen Politik wünsche. Von der Niederlage Jaures und Grresde's erwartet der „Temps" einen großen moralischen Eindruck. Die sozialistische Partei sei enthauptet. Die „Debats" deduziren aus dem Uebergang einiger konservativer Mandate an gemäßigte Republikaner, daß der Vorwurf ungerecht sei, die Regierung fördere die Reaktion. Der „Jour" und die „Patrie", die bekannten Esterhazy-Blätter, feiern die Niederlagen der für die Revision des Prozesses Dreyfus eingetretenen Kandidaten Reinach, Deloncle und Hubbard. — Von den bisher bekannten 566 Wahlresultaten sind 388 definitiv. In Algerien siegten außer Drumont noch die Antisemiten Marchal und Morinaud. — 10. Mai. Vor der „Livre Parole", die auch gestern wieder ihre Lokale bengalisch beleuchtete und in riesigen Lettern „A bas les Juifs“ angeschrieben hatte, fanden antisemitische Demonstrationen statt. Das Plakat mußte später auf Veranlassung der Polizei wieder entfernt werden. In Algier wurde gestern der Sieg D r u m on t's durch ein allgemeines Volksfest gefeiert. „Jntransigeant" und „Echo de Paris" sind überzeugt, daß in der neuen Kammer keine für die Revision des Prozesses Dreyfus günstige Stimmung aufkommen werde. Rumänien. >7 Bukarest, im Mai. (Zur Lage der Juden in Rumänien.) Wie bekannt, reiste Dr. Sonnenfeld im Aufträge der Baronin Clara von Hirsch nach Rumänien, um sich über die Gemeindeverhältnisse im Allgemeinen und das Schulwesen im Besonderen zu informiren. Wie Jeder weiß, befinden wir uns auch in dieser Beziehung in einer ganz exceptionellen Lage. Auf der einen Seite werden uns die vom Staat und von der Commune unterhaltenen Schulen verschlossen, auf der anderen hindert man die jüdischen Gemeinden, sich zu organisiren, um mit eigenen Mitteln die zum

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