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Der Israelit · 1898-05-09 · Heft 36 (9.5.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 36 (9.5.1898)
Date
1898-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Ligen. Ein gewisser Tartarin, der in den Kravallen einen Juden^in der Pferdebahn derart geschlagen hatte, daß er ihm einen Arm brach, ist zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt worden. Unsere Behörden machen jetzt ernste Anstrengungen, das von allen Seiten herbeiströmende Gesindel, das eine neue Plünderung herbeiführen möchte, aus der Stadt fernzuhalten. Es sind schon viele Ausweisungen deßhalb erfolgt und die Verurteilten werden, sofern sie Fremde sind, sofort abgeschoben, sobald sie aus dem Gefängniß entlasten werden. Leider müssen unter den gegenwärtigen unsicheren Zuständen auch die Soldaten mitleiden. Während sonst zu Ostern die kommandirenden Offiziere bereitwillig Urlaub ertheilten und die jüdischen Soldaten aus unserer Provinz regelmäßig das Pestachfest in ihren Familien verbringen durften, ist diesmal eine generelle Verfügung getroffen worden. Nach derselben dürfen Urlauber aus der Provinz nicht nach der Hauptstadt und aus der Hauptstadt nicht nach den übrigen Theilen der Kolonie sich begeben, offenbar um die Gährungsstoffe nicht noch mehr zu verbreiten. — Dr. Paul Kuff, ein Jude, Professor der Geschichte am Nationallyceum, ist zum Beamten im Unterrichtsdepartement ernannt worden, eine Beförderung, welche die Antisemiten als eine Provokation auffassen! Statistisches. Stratzvurg i. E. In dem Zeitraum von 1871—95 ist die katholische Civilbevölkerung des Reichslandes von 1,228,000 auf 1,213,000 zurückgegangen, während sie in Straßburg von rund 43000 auf 61000 gestiegen ist. Die protestantische Civilbevölkerung ist in derselben Zeit im ganzen Lande von 250,698 auf 311,085 gestiegen, und in Straßburg von 31,000 auf 54,000. Hingegen ist die israelitische Bevölkerung in Elsaß-Lothringen innerhalb dieser Zeit von 40,000 auf 32,000 zurückgegangen, in Straßburg aber von 3000 auf 4000 gestiegen. Im Jahre 1897 wurden in Straßburg 1239 Ehen geschlossen. Von den Männern waren 014 katholisch, 598 evangelisch und 27 israelitisch, von den Frauen gehörten 002 der katholischen, 551 der evangelischen und 20 der israelitischen Confefsion. Zwei Israeliten heiratheten ein katholisches, bezw. evangelisches Mädchen und ein Mann evangelischer Confefsion heirathete ein israelitisches Mädchen. Sterbefälle kamen in diesem Jahre 2977 in Straßburg vor. Nach dem Religionsbekenntniß befinden sich unter den Gestorbenen 1718 Katholiken, 1189 Protestanten, 62 Israeliten u. a. — Zur Erinnerung an ihren am 29. April verstorbenen Gatten, Herrn Isaak Adler, Mitglied des israelitischen Consistorium» in Unter-Elsaß, hat Frau Wittwe Rosa Adler dem hiesigen Bürgermeisteramte die Summe von 1000 M. übergeben und den Armen in dem naheliegenden Dorfe: Lingolsheim, wo die Lederfabrik des Verstorbenen, unter der Firma: „Adler und Oppenheimer" sich befindet, 500 M. gespendet und zwar 300 den christlichen und 200 M. den jüdischen Armen. — Der Oberbibliothekar der hiesigen Universitäts-Bibliothek, Herr Professor Dr. Euting, der Ende Januar d. I. eine wissenschaftliche Reise nach Arabien unternahm, um dort rabatäische Inschriften zu sammeln, ist in diesen Tagen von seiner dreimonatlichen morgenländischen Forschungsreise wohlbehalten hiereingetroffen. Hoffentlich mit einer reichen, wissenschaftlichen Ausbeute. Herr Professor Euting hat auch an dem internationalen Orientalisten-Congreß, der im Monat September letzten Jahres in Paris stattgefunden, thätigen Antheil genommen. Herrn Professor Euting verdanken wir sehr interessante Mittheilungen des Wiener Professor David Heinrich Müller über die von Dr. Glaser aus Südarabien mitgebrachten himparischen Inschriften, ferner über eine reich illustrirte Handschrift einer aus Bosnien stammenden nov bv man, womit die Sektion für hebräische Inschriften, welcher der Professor angehörte, sich beschäftigt hat. Beide Werke sollen demnächst auf Kosten der österreichischen Regierung erscheinen und zwar in einer von Professor Müller im Verein mit dem Kunsthistoriker Dr. Schlosser hergestellten Bearbeitung. > Vermischtes. -4- KSnigSdorf-Jastrzemb Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1880 gegründete israelitische Kinderheilstätte soll nunmehr am 19. Mai d. Js. zum neunten Male eröffnet werden. Diese Anstalt, die sich in weiten Kreisen des besten Rufes erfreut, zeichnet sich besonders durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit auS. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufnimmt, ihre Segnungen erstrecken sich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen, je nach den Verhältnissen bemessenen Satz Aufnahme finden. Die segensreiche Wirksamkeit der Anstalt geht besonders aus folgender kurzen Zusammenstellung hervor: Ju der verflossenen Saison 1997 wurden 50 arme kranke Kinder ganz unentgeltlich ausgenommen. außerdem erhielten 15 Kinder halbe Freistellen, und 22 zahlten einen Satz, der den Selbstkosten nahe kam. Das humane Werk wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt, Herr Rabbiner Wilhelm Münz in Gleiwitz zu ertheilen gern bereit. Montpellier. Auf dem kürzlich hier abgehaltenen Congreß der französischen Aerzte wurde ein Jude, Professor Bernheim, von der medizinischen Fakultät in Nancy, zum Präsidenten gewählt.

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