Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1898)
- Date
- 1898-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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667 Sümmchen verschlingt. Aber auch der Kranken in den christlichen Spitälern — im jüdischen Spitale ist dies doch selbstverständlich — hat unser Vorstand nicht vergessen, und dafür gesorgt, daß dieselben am Peßachfeste rituelle Kost erhalten. So wurde für solche Kranke im Kronprinz-Nudolfspitale auf der Landstraße, wo sich keine jüdische Garküche befindet, in dem diesem Krankenhause gegenüber gelegenen jüd. Taubstummen-Jnstitute gekocht und die Speisen ihnen dann zugeschickt. Auch mit Mazzoth wurden diese Kranken genügend versehen, so daß sie keinen Hunger zu leiden brauchten. Die Kranken, die nur an die christliche Spitalkost gewöhnt sind, verschlangen förmlich die vortrefflich zubereitete jüdische Kost und hatten sie so wirkliche Festtage. Sie bedauerten nur, daß das Peßachfest blos acht Tage und nicht mindestens dreihundertfünfundsechzig Tage dauerte. Frankreich. °g Paris, 29. April. (Zur Wahlbewegung.) Während am Dienstag in der Sitzung des Ministerraths der Vertreter des Ministeriums des Innern noch versichern konnte, daß die Wahlbewegung bisher in aller Ruhe verlaufen sei, hat sich gerade seit diesem Tage die Situation etwas geändert; es kam seitdem in mehreren Wahlkreisen zu gewaltsamen, wenn auch nicht schweren Ausschreitungen. Am Dienstag selbst noch gab der Abgeordnete Joseph Reinach, der in den Lasses ^.Ixes wieder kandidirt, in dem Hauptstädtchen des Departements, Digne, Anlaß zu einer Demonstration. Die Menge johlte vor dem Hotel, in dem Reinach abgestiegen war, und insultirte den einschreitenden Polizeiches. Die Polizei verhaftete den Uebelthäter, der sich gegen ihren Chef vergangen hatte, doch gelang es der Masse, ihn wieder zu befreien. Seitdem sind auch aus anderen Wahlkreisen Unruhen gemeldet worden und jetzt wieder liegen aus Algier recht bedenkliche Rachrichten vor. Dort scheinen die ^Anhänger der Kandidatur Drurnont's einen wahren Terrorismus auszuüben, der trotz der schärfsten Polizeimaßregeln auf die benachbarten Kreise übergegangen ist und zu wiederholten Exzessen geführt hat. In Duzerville, einem Dorfe bei Bone, im Kreis Constantine, kam es gestern zu einem bewaffneten Angriff auf den bisherigen und wieder kandidirenden Abgeordneten Thomson, wobei dieser an der rechten Hand verwundet wurde. Auch mehrere seiner Begleiter erhielten Dolchstiche. Abends trafen die Polizei und der Unterpräfekt aus Bone ein und verhafteten drei Eingeborene und — einen Franzosen. Herr Thomson konnte seine Versammlung noch abhalten. In Algier selbst hat der „Leveil autizuik", der die Kandidatur des bisherigen Abgeordneten Samary unterstützte, sein Erscheinen eingestellt; er erklärt, er wolle der Anklage aus dem Wege gehen, daß er die Antisemiten in ihrer Wahlbewegung geschädigt habe. Nun hat heute die algerische Stimmung auch in Paris selbst ein Echo gefunden. Seit gestern tagt hier die Generalversammlung des Syndikats der Eisenbahnarbeiter. Der bekannte Sekretär dieses Syndikats, Herr Guerard, setzte es gestern durch, daß sein Widersacher innerhalb dieses Arbeitersyndikats, der Sekretär der Gruppen von La Rochelle, aus der Organisation ausgeschlossen wurde. Der Gemaßregelte führt den Namen Levy und ist Jude; eine Zeitung erwähnt, daß seine Eigenschaft als erschwerend in der Debatte gegen ihn gellend gemacht wurde. Vielleicht hat gerade das Vorgehen gegen Levy — dessen Ausschluß mit 59 gegen 20 Stimmen erfolgte, während 15 Delegirte sich der Abstimmung enthielten und 3 fehlten — die algerischen Delegirten, dazu ermuthigt, der Versammlung den Antrag zu unterbreiten, „alle Juden, die Mitglieder des Syndikats sind, auszuschließen". Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, obwohl der algerische Deputirte in seiner Begründung die These aufgestellt hatte, daß „der Jude einen antisozialen Geist" habe. Türkei. 8 Konstantinopel, 2. Mai. Unsere Cultusgemeinde, die ohnedies schon mehrere Gotteshäuser besitzt, wird nun bald um ein neues reicher sein. Im Bezirke oder Stadtviertel Haider-Pascha, wo sich die Anzahl der dort ansässigen Juden in der letzten Zeit stark vermehrt, hat sich schon längst die Nothwendigkeit herausgestellt, eine neue Synagoge und eine neue Schule zu erbauen. Aber erst jetzt kann zu dem Bau dieser beiden Anstalten geschritten werden, und wurde diese Woche der Grundstein zu denselben gelegt. Zu dieser Feier hatten sich die Honoratioren unserer Gemeinde und auch die Behörden des Stadttheiles eingefunden. Der Staatsbeamte Victor Effenvi, ein Israelit, hielt eine türkische Ansprache, worauf dann der Lehrer der Alliance, Herr Loria, mit einer solchen in spaniolischer Sprache folgte. Der Chacham-Baschi, Rabbi Moses Levi n, verrichtete einige Gebete, währenddem nach Landessitte mehrere Lämmer geschlachtet wurden, deren Fleisch dann an die Armen vertheilt ward. Die Jugend sang dann die Hamidije (National-Hymne), worauf die Menge voller Begeisterung : Padischah tschok jahscha! (Lange lebe der Padischa!) rief. Afrika. 'i Algier. Der Staatsanwalt hat gegen das Urtheil, das den antisemitischen Agitator Mar Regis freisprach, Berufung eingelegt und wird diese Angelegenheit unserezGerichte wohl noch einmal beschäf-