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Der Israelit · 1898-05-09 · Heft 36 (9.5.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 36 (9.5.1898)
Date
1898-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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665 de» rohen Patrons bewirkte. In der gestrigen Ver. Handlung gab der Angeklagte mit lächelnder Miene die ihm zur Last gelegten Vergehen zu. Der Vertreter der Anklaqebehörde beantragte eine Gefängnißstrafe von drei Monaten, da» Gericht erkannte jedoch nur auf sechs Wochen Gefängniß und sprach dem Beleidigten die Publikationsbefugniß zu. Der Angeklagte bat, die Strafe sofort antreten zu dürfen, was ihm von Seiten des Gerichts gestattet wurde. -b- Frankfurt a. M. Dem vierten Bericht des Vereins „Kindergarten für Israeliten" in Frankfurt a. M. für 1896 und.1897 entnehmen wir: Es ist mit Genugthuung zu constatieren, daß die Thätigkeit des „Kindergartens" eine stetige gewesen, und nicht hinter den Anforderungen seiner Aufgabe zurückgeblieben ist. 1896 betrugen die Einnahmen M. 9 183, die Ausgaben M. 8 215, 1697 die Einnahmen M. 11 437, die Ausgaben M. 10 892. Die Anzahl der Zöglinge belief sich auf 65, der durchschnittliche Besuch betrug ungefähr 56 Zöglinge, ein sehr günstiges Resultat mit Rücksicht darauf, daß bei Kindern in einem solch zarten Alter, wie das der unseligen, die Eltern besonders ängstlich sind, und ihnen das kleinste Unwohlsein Veranlassung giebt, die Kleinen zu Hause zu behalten. Geht auch alles im Kindergarten seinen erfreulichen Gang, so sind wir doch nicht wunschlos. Alljährlich mehren sich die Anforderungen; viele, denen wir gern die Wohlthaten des Kindergartens gönnten, müffen wir abweisen und zwar aus Mangel an Raum. Für die gegenwärtige Anzahl der Zöglinge sind ja die Räume luftig genug und ausreichend, aber wir können die gegenwärtige Zahl nicht überschreiten; wir müffen stillstehen, und es ist traurig sich dies sagen zu müffen, und verhindert zu sein zu helfen, wenn man so gern helfen möchte. Wir glauben nicht, diese Worte umsonst hinausgesprochen zu haben und geben die Hoffnung nicht auf, daß Mit der Zeit sich Wohlthäter finden, die uns in den Stand setzen, uns ein eigenes Heim zu errichten, das uns ermöglichen wird, alle gerechten Ansprüche befriedigen zu können. Hamdurg, 4. Mai. Das fünfzigjährige AmtSjubiläum des Herrn Dr. P. S. Nathan in seiner ununterbrochenen, überaus segensreichen Wirksamkeit als erster Lehrer der Talmud-Thora Realschule wurde gestern in würdiger Weise gefeiert und legte das allgemeine Interesse, welches diese Feier in der Gemeinde hervorgerufen hatte, beredtes Zeugniß davon ab, wie sehr man das Wirken dieses seltenen Mannes anerkennt und in verdienter Weise vollauf zu schätzen versteht. Nicht allein, daß der größte Theil der hier geborenen Gemeindemilglieder, wozu selbstverständlich schon bejahrte Männer gehören, sich seine unmittelbaren Schüler nennen dürfen und l ihrem verehrten'jLehrer in Dankbarkeit zugethan sind, sondern auch die zahlreichen Mitglieder mehrerer dem Thorastudium gewidmeter Vereine: prot’ (an wn Jsaac Bernays erinnernd) v"n mpo u. s. w., in welcher Herr Dr. Nathan seine regelmäßigen Vorträge hält und die Vorträge der Mitglieder leitet, schaaren sich um ihn und bringen ihm gleiche Verehrung entgegen. Kein Wunder also, daß von diesen Allen es sich Niemand nehmen lassen wollte, dem Jubilar in irgend einer Form, sei es in der Betheiligung am Stiftungsfond, worüber bereits berichtet worden, oder in sonst passender Weise seine Anerkennung und Dankbarkeit zu bekunden, wie sich denn auch viele derjenigen, die sich nicht zu des Jubilars Schülern zählen können, der Feier angeschlossen hatten. Es war ein aufregender Tag für Herrn Dr. N., und es kostete ihn viele Anstrengung, alle ihm offiziell und unoffiziell gewidmeten Ovationen entgegenzunehmen, aber sein geradezu jugendliches Gemüth und seine stets gleichbleibende Ruhe, halfen ihm glücklich darüber hinweg, ohne daß eine ersichtliche Erschlaffung eintrat; denn schon heute war Herr Dr. Nathan in seiner gewohnten Thätigkeit überall am Platze, sogar dasjenige, was er gestern aussetzen mußte, den Lehrabend des v"n npa konnte er heute ersetzen. — Schon früh Morgens geleiteten junge Leute den Jubilar zur Talmud-Thora-Synagoge, woselbst er mit Gesang an seinen heute schön bekränzten Platz geführt wurde. Nach dem ri^nn-Gebet hielt der Vorsteher, Herr Dr. med. B. Levy eine wohlgelungene Ansprache, die von Herrn Dr. N. mit Dank an die Gemeinde erwiedert wurde. Gegen 10 Uhr versammelten sich die Vorstände, Schulrath, Lehrereollegium, sowie die Schüler der drei obersten Classen in der festlich geschmückten Aula. Hier hielt der Schulpräses, Herr Gemeindevorsteher N. Sams o n, die Ansprache an den Jubilar im Rückblick an die Vergangenheit, seine segensreiche Thätigkeit schätzend und mit Hinweis auf die Zukunft die Wünsche des Vorstandes verbindend; hierbei überreichte er Namens des Gemeindevorstandes die von demselben vor Jahren gestiftete goldene Medaille für hervorragende öffentliche Verdienste. Herr Director Dr. Goldschmidt sprach Namens des Lehrerkollegiums und überreichte die prachtvoll in geprägten Ledereinband gefaßte Adresse und Urkunde der Dr. S. P. Nathan-Stiftung (die Sammlung ist noch nicht geschloffen) zur Verfügung des Jubilars. Tiefbewegt antwortete dieser und in seiner Bescheidenheit wollte er so viel Anerkennung nicht verdient haben. Die Classen stimmten ihre Gesänge an und beendeten damit die eigentliche Schulfeier. Darnach empfing der Jubilar in seiner Wohnung die Glückwünsche seiner Verwandten und Freunde, letztere nur zum kleinsten Theil, da die meisten, wie hierorts üblich ist, erst am kommenden

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