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Der Israelit · 1898-05-05 · Heft 35 (5.5.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 35 (5.5.1898)
Date
1898-05-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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MMWWWWWW ' '7t 648 Entgelt annimmt, bestreitet seine Unkosten lediglich aus Mitgliederbeilrägen und Subventionen der jüdischen Gemeinde und der 3 Berliner Logen. Doch sind die Einnahmen des jungen Vereins noch nicht ausreichend. Unsere Glaubensgenoffen werden deßhalb gebeten, an diesem praktischen Werke der Wohlthätigkett „Arbeit zu geben, nicht Almosen", sich zu betheiligen, sei eS auch mit kleineren Beiträgen. V. Königsberg. Der weibliche Verein sür israelitische Armenpflege veröffentlicht seinen Geschäftsbericht über die beiden letztverfloffenen Vereinsjahre. Derselbe gedenkt zunächst des schmerzlichen Verluste-, von welchem der Verein durch den Tod de-Rabbiners Dr. Bamberjger betroffen ist. Die Einnahmen des Vereins betrugen im Jahre 1898 8266 M., i837 8647 M., darunter an Geschenken 1896 1510, 1897 485 M. Verausgabt wurden für Lebensmittelspenden 2111 bezw. 2358 M., an baaren Unterstützungen 1366 bezw. 1644 M. Der eiserne Fonds de- Vereins konnte durch Ankauf S1l2pvoc. ostpr. Pfandbriefe im Nennwerthe von 2000 M. vergrößert werden. > vermischtes. < Berlin (5'ine jüdische Gemeindcbibliothet soll Hierselbst mtt großem Kostenaufwande errichtet werden. Das Repräsrntantentollegium der Gemeinde beschloß, den Vorstand zu beauftragen, eine bezügliche Vorlage auszuarbciten. Es soll dadurch eine Art Eentralstelle für die Wissenschaft des^Judenthums und die jüdische Geschichte geschaffen werden. München- Der Rath vom Landgericht München 1 Adolf Epstein ist zum Rath am Oberlandesgericht München ernannt worden. Der erste Jude, der in Bayern das Amt eines Berufsrichters erlangte, ist der jetzige Oberlandesgerichtsrath Max Berlin in Nürnberg, der zweite ist Adolf Epstein, 1876 zum Stadtgerichtsassessor in München links der Isar und 1886 zum Landgerichtsrath ernannt, ebenso wie Berlin ein Abkomme alter Rabbinerfamilien; Epsteins Urgroßvater Feiß (seine 'Nachkommen nennen sich Feust) saß bis 1802 auf dem Rabbinerstuhle zu Bamberg, sein Großvater war Rabbiner in Altenschönbach. Eppingeu Ihr langjähriger Correspondent, Herr Lehrer Eichstetten dahier, feiert am 15 Mai sein 25 jähriges Amtsjubiläum WormS Im hiesigen Vereine für jüdische Geschichte und Littcratur wurden in diesem Jahre folgende Vorträge gehalten: Lehrer Rothschild hier: Gabriel Nie her; Nabb. Dr Grüne seid—Bingen: Die sociale Frage im Judeuthum; Raöb. D r. Bamberg er — S childberg: Die Juden in China; Rabb. D r. F reu den - thal—Dessau: Glückel von Hameln und Rabbinats Candidat Dr David - - Berlin: Juda Halcvi. Liffa i. B „Jubiläen" Am 2. Mai waren es 25 Jahre her, seit Rabbiner Dr. Bäck Hierselbst Schulinspektor der hiesigen israel. Schule ist, und zugleich vollendet Hauptlehrer Herbst das 25. Jahr seiner Thätigkeit an dieser Schule. Zur Würdigung dieses Doppeljubiläums fand eine Feier in der Aula statt. Wien, 25. April. Unter dm in der Mai-Militäravancementliste angeführten Stabs- und Oberoffizierc mosaischen Glaubens, befinden sich auch Marine-Oberstabsarzt > erster Klasse Dr. Wilhelm Sachs (Oberstenrang) und Marine- Oberstabsarzt zweiter Klasse (Oberstlieutenantsrang) Dr. Nathan Fre»d. Amsterdam. (Antisemitisches) In Nord- Brabant und Limburg haben verschiedene, dem Agitator Pastor Thissen und Confraters blindlings folgende Bauern erklärt, ihr Vieh an keinen jüdischen Händler oder Metzger mehr verkaufen zu wollen. Rew-Aork Die Generalversammlung der Gesellschaft des jüdisch-theologischen Seminars hicrselbst hat in diesem Jahre in Philadelphia stattgefunden. Zum Andenken an den sel. Dr. S. Morais wurde ein Fonds begründet, zu dem die Baronin Hirsch 6000 und I. H. Schiff 5000 Dollars gespendet halnn. Die Einnahmen b.trugcn in ben beiden letzten Jahren 18 302 und die Ausgaben 18 261 Dollars. Feuilleton. Der Oäter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von i6) ZU Arnold Mann. HZ (Nachdruck verboten.) Ludwig saß in der Sophaecke und die Schwester lehnte neben ihm auf der Lehne. Sie kraute ihm liebkosend das wirre Haar und streichelte ihm die Wangen. Er aber griff nach der Zeitung, die vor ihm auf dem Tisch lag, und, sie öffnend, sagte er mit verhaltener Wnth: „Du glaubst gar nicht, Bottichen, was es mir für ein Vergnügen wäre, diesem Menschen mal eins zu geben!" Dabei schlug er mit dem Handrücken auf eine bestimmte Stelle der Zeitung. „Welchem dennfragte die Schwester die Zeitung anschauend. „Da, diesem Hohenthal," ries Ludwig. Betti Schlesinger saß ganz ruhig. Nur in ihren Augen zuckte es erschrocken auf, was der Bruder, da er tiefer saß als sie, nicht sehen konnte. „Was ist das für ein Mensch (" fragte Betti nach einer kleinen Pause. „Das will ich Dir sagen, mein Kindchen," hob Ludwig energisch an. „Dieser Mensch ist erstens ein Affe, zweitens ein Dummkopf und drittens ein schlechter Kerl!" „Das ist ja recht zierlich," bemühte sich Betti zu scherzen, indes ihr Inneres immer erregter wurde. „Erstens," fuhr Ludwig voll Eifer fort, „spricht er Dinge, die andere schon tausend Mal gesagt haben, also ist er ein Affe! Zweitens glaubt er sie, also ist er ein Dummkops; drittens klagt er andere an auf diese Dinge hin, ohne sie geprüft zu haben, also ist er ein schlechter Kerl! Hier, lies mal!"

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