Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1898)
- Date
- 1898-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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blüffenden Rücksichtslosigkeit bewegen und dabei fortwährend den mitgebrachten Kodak arbeiten lasten. Auf mich hat auch der Besuch der Klagemauer einen wenig erfreulichen Eindruck gemacht; interessant ist das Bild, daS sich dort bietet, zweifellos; aber Jeder wird froh sein, wenn er erst den an allen Ecken und Enden bettelnden Blinden und Verstümmelten, die ihr trauriges Handwerk so aufdringlich wie möglich treiben, wieder entronnen ist. Auch der Weg zur Klagemauer ist wenig schön; er zeichnet sich durch schlimmsten Schmutz aus; daß hier nicht die wohlhabenden Juden einspringen und die Straße zu ihrem Heiligthum in einen menschenwürdigeren Zustand versetzen, ist mir unerklärlich. Afrika.? Algier. Wie wenig Berechtigung Drumonts und Regis Schlachtruf „Algier den Franzosen" hat, möge folgende Statistik beweisen. Algier hat 4000 Franzosen, dagegen 20,000 Spanier, 15,000 Malteser, 20,000 Muhamedaner, 11,000 Juden, 10,000 Italiener, 9000 sonstige Fremde, wie Deutsche, Belgier rc., in Summa 89,000 Seelen. Und dabei sind von den 4000 Franzosen noch 2000 Beamte! — Immer schärfer richtet sich die Erbitterung der Menge gegen den Generalgouverneur Lupine und den Präfekten Granet. Als kürzlich Madame L6pine einen Ball gab, konnte der Pöbel freilich an das von den Truppen bewachte Palais nicht heran, aber er warf Steine gegen alle Wagen, die nach dem Gouverneurpalais fuhren. Auch der Sohn von Lüpine, der ein hiesigcs Gymnasium besucht, ist Gegenstand vielfacher Belästigungen. Afghani st an. 2 Herat. Die Afghanen halten sich für Nachkommen der verlorenen Stämme Israels. In der „Kalkutta Review" wird daraus aufmerksam gemacht, daß mancherlei die anscheinend seltsame Tradition unterstützt. Die gewöhnlichsten Namen der Afghanen sind hebräisch: Ausuf (Joseph), Aakub (Jakob) und Jshak (Isaak). Die modernen Afghanen nennen sich noch heutigen Tages Kinder Israels. Die jüdische Geschichte widerspricht der Tradition der Afghanen nicht. Diese erzählt, daß die zehn verloren gegangenen Stämme nach Medien und Mesopotamien auswanderten und anderthalb Jahre auf der Wanderung waren, bis sie in ein Land kamen, Azaroth geheißen. Wenn Azaroth wirklich Afghanistan bedeutet, so erklärt sich mancherlei. Die Juden sollen nach der Sage auf dem Berg Takht-i-Suleiman (Sitz Salomons) längst ansäffig gewesen sein, ehe der Mohammedanismus aufkam. Ein großer Theil der Afghanen soll seit undenklichen Zeiten den Namen Dusufzais, d. h. Nachkommen Josephs, d. h 647 der Stämme Ephraim und Manasse, führen. Viele uralte afghanische Sitten weisen zudem auf israelitischen Ursprung hin. So das Gebot, die Wittwe des verstorbenen Bruders zu heirathen. Viele Inschriften in Afghanistan lasten sich gar nicht anders erklären, als wenn man sie ins Hebräische übersetzt. Weretnsnachrtchten. .4. Berlin. (Verein für Arbeitsnachw e i s.) Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Bnai-Briß-Logen, Klosterstraße 44, ist im 1. Quartal d. I. in seiner Entwickelung ein gutes Stück vorgeschritten. Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde hat ihm eine jährliche Subvention von vorläufig 2000 Mark zugewicsen und in den Vorstand die Herren Julius Cohn und Siegfried Loewenwald delegiert, deren feierliche Einführung in der letzten Vorftandssitzung durch den Vorsitzenden Herrn Eugen Rosenstiel erfolgte. Der von dem zweiten Vorsitzenden Herrn Oberamtmann Cohn, in jener Sitzung erstattete Bericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen 1. Quartal zeigte, daß 441 Personen in dauernde Stellen untergebracht wurden, und zwar im Januar 140, Februar 149, März 152 Personen, die sich aus folgende Fächer vertheilen: Geschäftsführer 1. Repräsentanten 1, Buchhalter 13, Komptoristen 9, Reisende 28, Korrespondenten 3, Commis 64, Schreiber 26, Kassierer 1, Sammler 26, Handwerksgesellen 16, Volontär 3, Lehrlinge 7, Arbeiter 35, Hausdiener 25, Laufburschen 58, Arbeitsburschen 11, Zuschneider 1, Dekorateure 5, Stenographinnen und Maschinenschreiberinnen 2, Buchhalterinnen 12, Komptoristinnen 15, Kassiererinnen 3, Lageristinnen 9, Verkäuferinnen 23, Gesellschafterinnen 3, Stützen 1, Wirthschaferinnen 10, Lehrfräulein 13, Arbeiterinnen 10, Direktricen 2, Malerin 1, Zuschneiderinnen 2, Filialisten 1, Putzmacherin 1. Diese rege Entwickelung verdankt der Verein namentlich seinem Bestreben, die richtige Person auf die richtige Stelle zu bringen und nur empfehlenswerthe zu empfehlen. — Auch über die Thätigkeit des seit Anfang Januar funktionierenden Damenkomites konnte Herr Oberamtmann Cohn erfreuliche Miltheilungen machen. Da die Mitglieder dieses Komites zugleich Vorstandsdameu der verschiedensten jüdischen Frauenvereine sind, so konnte bereits in manchen Fällen eine wohlthätig wirkende Wechselbeziehung erzielt werden, sodaß vorauszusehen ist, es werde diese Jttftitulion nach weiterer Entwickelung eine kräftige Förderin werden. — Der Arbeitsnachweis, der ein Humanitätsverein im besten Sinne ist, und weder von Arbeitgebern noch von Arbeitnehmern für seine Vermittelung irgend einen