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Der Israelit · 1898-05-05 · Heft 35 (5.5.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 35 (5.5.1898)
Date
1898-05-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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646 Gemeindesynagoge als auch den israelitischen Tempel während des Gottesdienstes besucht. In weiteren Kreisen unserer Gemeinde wird dem Grafen und seiner erlauchten Gemahlin ein ehrenvolles Andenken bewahrt. k. Wittenberge, 28. April. Zum 75. Geburtstage unseres Ehrenbürgers, des Geheimen KommerzienrathS W. Herz zu Berlin am gestrigen Tage, ließen die städtischen Behörden durch eine Abordnung ihre Glückwünsche darbringen. Herr Herz hat sich im Laufe langer Jahre nicht nur hohe allgemeine Verdienste um die Entwickelung unserer Stadt erworben, sondern sich auch durch menschenfreundliche Bestrebungen die Dankbarkeit aller Kreise der Bürgerschaft erworben. Für dahier zu errichtende Waisenhaus hat er jetzt wieder zu dem von der Familie Herz gespendeten Grundstock von 20,000 M. noch 10,000 M. gestiftet, so daß jetzt 30,000 M. für diesen Zweck verfügbar sind. Die bisherige Müllerstraße soll auf Beschluß der städtischen Körperschaften den Namen Herzstraße führen. O esierr.- Un g ar. Monarchie. A Neutra, 26. April. Ein Lehrer der hiesigen israelitischen Volksschule soll angeblich in einem ungarischen Blatte über den hiesigen Rabbiner Mißliebiges gesagt haben. Am letzten Pesiachtage apostrophirte nun der Rabbiner diesen Lehrer, ohne Namen zu nennen, in schärfster Weise. Der Lehrkörper wendete sich deßhalb an den Schulftuhl, derselbe möge den Rabbiner dazu auffordern, den Namen des Apostrophirten zu nennen, während der Lehrer, den man hier allgemein für den Apostrophirten hält, die Disziplinaruntersuchung gegen sich verlangte. Um die Sache klarzustellen, begab sich dieser Tage der Präsident des Schulstuhles, Dr. Ludwig Munels, mit einem Mitgliede des Schulstuhles zu dem Rabbiner, der nach der von Hunderten Personen angehörten Predigt die Erklärung abgab, daß er weder die Schule, noch einen Lehrer gemeint und genannt habe. Der Schulstuhl erklärte demzufolge das Disziplinarverfahren als gegenstandslos. England.? London. Der 39. Jahresbericht des Board of Guardians ist erschienen und erweist ebenso wie im vorigen Jahr eine kleine Besserung in der Lage der bedürftigen Juden de» Ostends auf. Die Zahl derjenigen, die sich um direkte Unterstützungen an den Board gewendet haben, ist etwas kleiner geworden, dagegen ist die Zahl derjenigen, welche Darlehen erhalten haben, um ca. 300 gestiegen. Im Ganzen ist die materielle Lage der Juden im Ostend unzweifelhaft besser geworden, da die Arbeiter mehr Arbeit gehabt hatten als in früheren Jahren. Offenbar seien auch die neuen Einwanderer kapitalskräftiger als bisher. Leider sind die Einnahmen des Board sehr stark zurückgegangen von 21382 Pfd. auf 18,581, also eine Mindereinnahme von rund 2500 Pfd., gleich 62,000 M. Infolge dessen schließt der Jahresbericht trotz der verminderten Ausgaben mit einem Defizit von J2,626 Pfd., gleich 26,000 M. Rußland. R. Petersburg (Cr a r Alexander III. ein Judenfreund?) Vom Czaren Alexander III. berichtet im Petersburger „Grashdanin" Fürst M er sch IscherSky, welcher in diesem Blatte Erinnerungen aus der Regierungszeit Alexanders III. veröffentlicht, einen Ausspruch dieses Czaren über religiöse Unduldsamkeit und Racenhaß. Jene, schreibt Fürst MeschtscherSky, welche über religiöse Unduldsamkeit und Racenhaß predigen, angeblich deßhalb, weil es Vermächtniß Alexanders III. wäre, würden erstaunt sein, zu vernehmen, daß der Czar ein entschiedener Feind jeder religiösen Vergewaltigung war. Er sagte einmal wörtlich: „Eine Kirche, welche andere Consessionen verfolgt, bekundet ihre eigene Schwäche; ein Volk, das andere Racen verfolgt, bekundet seine eigene Werthlosigkeit. Ich hasse jede religiöse Unduldsamkeit und jede Racenverfolgung." Die „Petersburgskija Wiedomvsti" begleiten den Ausspruch Alexanders mit folgenden Worten: „Die russische G sellschaft verabscheut den künstlich erzeugten Nationalitätenhaß und jede religiöse Unduldsamkeit; eS sei höchste Zeit, diese entwürdigende und rohe Jnstincte auf immer auszurotten. Leider hat der Czar Alexander III. am wenigsten seine Worte wahr gemacht. 21. St. Petersburg Der Minister der Volksaufklärung hat bestimmt, daß die Lehrer der jüdischen Elementar- und Volksschulen gleich den Lehrern der anderen Elementarschulen mit terminlosen Paßbüchern versehen werden sollen. — Eine andere Bestimmung untersagt den Rabbinern eine Eintragung in die Synagogenregister von Amtshandlungen, die ohne ihre Teilnahme und ohne ihr Wissen vollzogen worden sind. P a l ä st i n a. (-) Jerusalem, im April. Herr Georg Schweitzer schildert in der „Fr. Ztg." „die Osterwoche im heiligen Lande". Wir entnehmen dem Artikel folgende Stellen: Uebrigens kommen Störungen des Gottesdienstes nicht allein in den christlichen Kirchen vor. Nicht weniger belästigt werden auch die Juden an der Klagemauer von den reisenden Christen; namentlich sind es hier Engländer und Amerikaner, die sich durch die Gruppen andächtig Betender mit einer der-

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