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Der Israelit · 1898-05-05 · Heft 35 (5.5.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 35 (5.5.1898)
Date
1898-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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645 Leben aufgeopfert? Wäre es nicht ein unverzeihlicher Fehler, wenn gerade zu der Zeit, wo mehr denn je aus den Reihen der Andersgläubigen Gelehrte und Gebildete der Reinheit unserer Gottesidee, der idealen, sittlichen Höhe unserer Religion, der hohen Bedeutsamkeit ihrer Gesetze und der Unverwüstlichkeit ihrer Einrichtungen und Gebräuche klares Verständniß entgegenbringen, wir Israeliten sie nicht mehr Hochhalten würden? Wahrlich es wäre sehr zu wünschen, daß der Midrasch, der sich an das ivv anschließt, auf uns seine mahnende Wirkung nicht verfehlt: rcx “j1? nvab T3pn rbx nw: *rx (r'3£> xRp*: i"v) *?3^ -!vix [iTJ ttr pn nx ddS pr: '7wRtr>3 ^xre»1? cr1? c’;rpj nrayi r b n b s b *1 a i v trr 2212 rrx* rrx brtf xRx R'>y xb'. cb'izti rrx rbijj xbx px rjrjh rx 'b rfc'V rx cns:m an*? röx1) ^xrü" R’rtr rsro 73^ Rabbi Berachjah lehrte: „Gott sprach zu Mose, sage den Kindern Israel in meinem Namen; als ich Euch das Manna gab, da gab ich jedem Einzelnen von Euch ein Omer; nun, da ich von Euch das darzubringende Omeropfer verlange, sollt ihr alle zusammen mir im Ganzen nur ein Omer darbringen u. s. w." Nun, wenn Gott zu jeder Zeit und in jedem Geschlechte Wunder für die Erhaltung unserer Nation gewirkt, wie wir es bei Beginn der Omerzeit in der Peßachhagadah lesen: urnbab wf?» n^Ray tto rir b33v> dtd rrapm, daß nämlich in jedem Zeitabschnitte der jüdischen Geschichte Widersacher gegen unser Volk aufgestanden, um es zu vernichten, aber Gottes Gnade und Güte uns stets und immer wieder aus ihren Händen wunderbar errettet/' so ist es an uns heute, für alle diese Wunder, die dem Mannawunder in der Wüste gleichkommen, als einzig wahrhaftes Omeropfer unserem Gotte gemeinschaftlich darzubringen Glaubensstärke und Ueberzeugungstreue, treu im Glauben unserer Väter uns zusammenzuschließen, die heiligen von unseren Vätern ererbten Güter unserer Religion gemeinsam zu wahren, und ihnen eine große Zukunft in den Herzen unserer Kinder anzubahnen und zu sichern! Wem die Sefirahzeit solche Lehren in steter Bethätigung einzuprägen vermag, treu nämlich im Dienste seines Gottes die Tage und Jahre seines Lebens sorgfältig prüfend zu zählen, und andererseits treu dem Glauben seiner Väter der erhabenen Vergangenheit unseres Volkes eine große Zukunft würdig anreihea zu helfen, dem löst sich auch der Eingangs erwähnte Widerspruch zwischen dem düsteren Trauergehalte der Omerzeit und dem heiteren Frühlingsgewande, in das sie äußerlich gehüllt ist. Denn ganz, wie draußen in der Natur, erwacht auch in seinem Herzen, seinem Gemüthe wieder der Mai des Lebens, in verjüngter Kraft fühlt er sich wieder begeistert für das Gottesstreiterthum, wie es der Name unserer Nation bxnvr kündet, es sproßt in ihm auf die Blumensaat echtjüdischer Frömmigkeit und Tugendhaftigkeit und herrlich grünend, sprossend und blühend, wie draußen die Maiennatur, steht auch er da, ein verkörperter Lobgesang aus den Ewigen und sein ewiges Volk, auf den Schöpfer und seine Schöpfung. Zeitungsnachrichten und Correspon-errzerr. Deutschland.? Berlin. Vor einiger Zeit ging durch alle antisemitischen Zeitungen ein Citat aus dem Buch „Reiseeindrücke und Skizzen aus Rußland" von Th. von Bayer. In diesem Citat spricht sich der Verfasser oder vielmehr die Verfasserin, denn unter diesem Pseudonym verbirgt sich niemand anders, als die Prinzessin Theresia von Bayern, allerdings sehr schroff gegen die Juden aus. Wir haben uns dies Buch verschafft, um wieder einmal eine antisemitische Behauptung auf ihre Wahrheit zu prüfen, und wir haben bei dieser Gelegenheit wieder einmal die Gesellschaft bei einem kleinen Schwindel abgefaßt. Zunächst haben die Herrschaften vergeffen hinzuzufügen, daß die scharfen Ausdrücke der Prinzessin nur den Juden von Winnizza, einem kleinen Ort in Podolien gelten. Dann aber findet sich in demselben Buche Seite 557 folgende Stelle, die sich auf die Juden in Süd- und West-Rußland bezieht: Aber nicht alle südwestrussischen Juden sind wie die soeben geschilderten; es gibt unter ihnen auch gebildete und achtenswerthe Persönlichkeiten. Zudem bringt die Anwesenheit der Juden Handel und Wandel in die entlegensten Orte, die sonst aus Mangel an Verkehr gänzlich verkümmern würden, und gestaltet sich das Leben durch die Konkurrenz der Juden untereinander zu einem billigeren als in den Landstrichen, in denen sie fehlen, die Juden lind alle fleißig, . diejenigen, unter ihnen, welche ein Handwerk treiben, arbeiten bester als ihre christlichen StandeSgenoffen. Die Sprache, in der sie miteinander verkehren, ist wie in Polen ein gebrochenes Deutsch. M. Hamburg, 28. April. Generaloberst Graf Waldersee hat bei seinem Scheiden von Altona auch dem Prediger des hiesigen israelitischen Tempels, Herrn Dr. D. Leimdörfer, ein huldvolles Schreiben gesandt, worin er sich in herzlichen Worten von diesem verabschiedet. Herr Dr. Leimdörfer hat bekanntlich im vorigen Jahre seine anläßlich der Centenarfeier gehaltene Predigt dem.Grasen Waldersee gewidmet, welcher dieselbe huldvoll entgegengenommen hat. Während seiner hiesigen Wirksamkeit hat Graf Waldersee zu verschiedenen Malen sowohl die hiesige

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