Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1898)
- Date
- 1898-05-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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638 Territorium der Umsatz der moskowitischen Fabrikanten und Geschäftsleute sich um ein Bedeutendes vermindert hat. Obgleich die jüdische Bevölkerung von Moskau schon bedeutend vermindert ist, benutzen die Behörden jeden Vorwand, um sienochweiterzuverringern.DieAufmerksamkeit der moskowitischen Regierung richtet sich namentlich auf die nach Moskau kommenden Juden. Die Polizei stellt Nacht- Untersuchungen in jüdischen Häusern an, um die Deliquenten abzufaffen. Kein Israelit, mag er noch so hoch stehen, kann sich dieser Domicilienbesuche entziehen. Diese polizeilichen Ueberfälle tragen, zumeist den Charakter von empörender Rohheit und Brutalität. Bei Tage wird anders vorgegangen: die Juden werden aus der Straße angehalten, man fordert ihre Pässe, wenn sie dieselben nicht bei sich führen, werden sie in Polizeigewahrsam genommen und so lange festgehalten, bis man sich genau informirt hat. Was die nach Moskau kommenden Juden betrifft, so beobachtet die Polizei bei weitem nicht die gesetzlichen Formen. So gestattet z. B. der Artikel 289 § 1 und 3 des Kodex für Pässe, allen Juden erster Gilde das Recht, im Geschäfte nach Petersburg und Moskau zu kommen und daselbst 6 Monate im Jahre zu verweilen. Wenn ihre Päffe in Ordnung sind und ihr Patent unterschrieben, dürfen sie gar nicht belästigt werden. Die Polizei von Moskau verfährt indeffen ganz anders. Sie verlangt, daß die Quittung des Patents auf dem Paßheft vermerkt ist, was nirgends in Rußland geschieht. Diese NörgelungSmaßregel wird nicht nur an den vorübergehend in Moskau sich aufhaltenden Juden geübt, sondern anch an denjenigen, die dort ihren ständigen Aufenthalt haben. Wann werden denn endlich diese ungerechten und unerhörten Forderungen ein Ende nehmen? Letzte Nachrichten. Arankfurt a M, 2. Mai. Die erste ordentliche Hauptversammlung des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (Schomre Schabbos) hat gestern Abend 7 Uhr, in der Restauration Neuhof begonnen und nahm einen nach jeder Richtung hin befriedigenden Verlauf. Nachdem der Vorsitzende,Herr Louis Feist, die von ungefähr70bis 80 Personen besuchte Versammlung eröffnet hatte, ertheilte derselbe Herrn Moritz A. Löb zur Berichterstattung das Wort. Da es erst 14 Tage her seien, bemerkte dieser, daß unsere vorige Versammlung gewesen, so habe eine ausgedehnte Thätigkeit des provisorischen Komitees inzwischen wohl kaum entfaltet werden können, immerhin sei die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß die Zahl der ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder zusammen die Zahl Hundert bereits erreicht habe und daß die Summe der Beiträge sowohl der einmaligen, wie der jährlichen bereits eine recht ansehnliche sei. Da uns als Minimalziffer für das Jnslebentreten des Vereins die Zahl von hundert Mitgliedern immer vorgeschwebt habe, so könne der Verein nunmehr als gegründet betrachtet werden und die Kasse am 1. Juli d. I. in Kraft treten. Wiederum seien einige hervorragende Glaubensgenossen zu Mitgliedern des Verwaltungsraths gewonnen und somit der Verein in den meisten größeren Städten Deutschlands vertreten. Die nöthigcn Garantien für die Eontrole der Leitung seien damit gleichzeitig geschaffen. Mit den beiden isr. Lrtellenvermittlungs-Burcaus zu Berlin und Hainburg stehe der Verein in reger Verbindung, der Hamburger Verein sei bereits mit concreten Vorschlägen hervorgctreten und es sei zu hosfln daß die so lange ers. Hute Zentralisation der jüd. Stellenvermittlung nunmehr bald zur Thatsache werde. Redner verliest nunmehr die in der heutigen Versammlung zu bethätigenden der Statuten. Es meldet sich nunmehr Herr Birken st ein zum Wort, der verschiedene 88der Statuten kritisirt, auch ein Herr Schwarz bemüht sich gegen einzelne Punkte der Satzungen Front zu machen. Da derselbe die eiiizelnen 8^, gegen die sich seine Rede richtete, nicht angab, und der Vortrag auch sonst an Klarheit und Präcision zu wünschen übrig ließ, so war nicht recht ersichtlich, was Herr Sch w a rz an den Satzungen eigentlich auszusetzen hatte. So viel wir davon verstanden, wünschte Herr Schwarz solche Elemente von dem Verein fern gehalten zu sehen, die aus demselben möglichst viel herausziehen wollen. Ferner dürfe der Verein nicht den Charakter eines Wohlthätigkeitsinstitut erlangen, da sonst die besseren jungen Leute sich scheuten demselben beizutreten Die freiwilligen Beiträge seien deßhalb zurückzumeisen. Redner kritisirt auch den Paragraph, wonach, so lange Krankengeld gezahlt wird, die Vereinskasse nicht in Actio,i trete, sonne den Paragraph der Nichtklagbarkeit der Vereinsleistungen. Er wünscht, daß sechs ordentliche Mitglieder in den Vorstand gewählt würden. Redner erzählt nunmehr noch allerhand Geschichten von jungen Leuten, die dadurch einen unlauteren Wettbewerb trieben, daß sie Kosttage essen, sich Kleider schenken ließen und hierduich viel billiger, wie andere junge Leute arbeiten könnten und schließt, hiermit einem allgemein gehegten Wunsche der Versammlung entsprechend. Herr Löb bittet darauf die Versammlung doch nicht in eine Berathung der Statuten einzugehen, das würde zu endlosen Debatten führen. Die Statuten seien iu monatelanger schwerer Arbeit von dazu geeigneten Kräften festgesetzt worden, und man könne sie ja immer wieder ändern, wenn sie in der Praxis sich nicht bewähren sollten Der Paragraph d-r Nichtklagbarkeit habe aus wohlerwogenen Gründen Platz gefunden, da man im andern Falle zu lange auf Ertheilung der Conccssion hätte warten müssen Herr Löb erläutert in eingehender Weise den Paragraph betr. die Krankenkasse, deren Beitrag als Ergänzung benutzt werden müsse. Die Wohlthaten des Vereins würden dem Betreffenden ja hierdurch nicht geschmälert. Sehr energisch mehrt sich Redner gegen die Insinuation, als wenn hier eine Almosenpolitik getrieben würde. Wenn Einzelne im Interesse der hehren Aufgabe, der wir uns geweiht, sich veranlaßt sehen, unserem Vereine Beiträge zuzuwenden, so sei das mit hoher Freude und großem Danke zu acceptiren, etwas Beschämendes liege hierin durchaus nicht und er müsse ein derartiges Unterstellen auf das Energischste als eine übergroße Empfindlichkeit zurückweisen. Der große Kaufmännische Verein dahier, dessen Mitglied der Herr Vorredner ja auch sei, scheue sich nicht jfür seine Bernhard-Institution anhaltend Gaben zu sammeln. Städtische Einrichtungen, wie Schulen, Bäder rc. nähmen auch Geschenke und Legate, trotzdem ließen die reichten Leute sich nicht abhalten, sie in Anspruch zu nehmen. Herr Kahn berichtet hierauf noch, in wie sorgfältig peinlicher Weise man mit Abfassung der Satzungen vorgegangen sei, wie man sich Muster von anderen Vereinen habe kommen lassen rc. Herr Besthof, der sich als Handlungsgehilfe vorstellt, tritt ebenfalls energisch für Annahme der Statuten ein, man müsse den Männern