Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1898)
- Date
- 1898-05-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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636 GtvatzburA i« E., 22. April. Unter der Ueberschrift: „Atheismus und Klaffenhaß" schreibt der, vom Herrn Rabbiner Simon Levy in Schirhofen, in Schutz genommene „Elsässer", Nr. 76 folgende beherzigenswerthe Worte: „Jetzt, da der Dreyfus-Rummel mit seinen schwarzen Wetterwolken vorübergezogen, fragt man sich, wie und woher er kam, die Frage hat ihre Wichtigkeit für das Land und da» Ausland, auch für das Ausland, welches ja fleißig und sehr putzig darin geredet hat. Obenan und zunächst hat sich die Macht Israels fühlen lasten und der geheime Einfluß der Loge, welche seit Mortara'S Zeiten von Israel ins Schlepptau genommen. Israel hat das Geld geliefert. Es wollte, wie bei manchen anderen Prozesten, einen Sünder aus Abraham'« Landen dem Richter aus den Klauen ziehen. So oftmal schon war es gelungen; es war Erfolg zu hoffen auch in dem schweren Fall. Israel lieferte daS Geld, viel Geld, nach allen Seiten hin. In Panama nahm es das Geld aus der Kaffe der Aktionäre, diesmal aus den Taschen der Stammesgenosten. Wenn eine einzige Pariser Zeitung sich 400,000 Frcs. geben ließ, um mit ihrer Tinte DreyfuS weiß zu waschen, so kann man sich denken, «ie viele Dublonen die ganze Wäsche mag gekostet haben." Wie ein Blatt, welches aus solch' unwahren Motiven, die hier angegeben werden, eine ganze Ration öffentlich herabzuwürdigen und zu verunglimpfen, einen Klastenhaß heraufzubeschwören sucht, den traurigen Muth haben kann, als Gegner des Antisemitismus sich zu erklären und zu betheuern, daß ihm nichts ferner liegt, als antisemitische Tendenzen, judenfeindliche Gesinnungen zu huldigen, ist für denjenigen, der die Wahrheitsliebe des „Elfäffer" nicht genau kennt, in der Thal unbegreiflich. Wahrlich die „Schlettstadter Zeitung*, hatte recht, wenn sie am 28. Februar 18^7 in einem Artikel, betitelt: „Eine neue Fälschung des „Elfäffer", zur Verherrlichung des „Elsässer", ein Sprüchlein veröffentlicht, welches lautet: „Doch die Moral von der Gefchicht: „Was der „Elfäffer" druckt, das glaube nicht." Jndeß sollen diese Zeilen weniger an den „Elsäffer", als vielmehr an Herrn Rabbiner Simon Levy in Schirhofen gerichtet sein, um ihn anzufragen, ob er es vielleicht als feine Pflicht betrachtet, dem wackern „Elfäffer" auch für die oben angeführten schönen Auslastungen zu danken. Oesterr.-Ungar. Monarchie. V. Pesth. (Pesther israelitischeReli« gionrgemeinde) Vor einigen Tagen fand unter dem Vorsitz Sigmund Kohner'S die Generalversammlung der Pesther israelitischen Religionsgemeinde statt. Der Verlaus derselben war folgender: Der Präsident begrüßte die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder und gedachte dann in pietäts- und schwungvollen Worten des schweren Verlustes, den die Gemeinde durch das jüngst erfolgte Ableben der Frau Johanna v. Bischitz erlitten hat. Redner hält es für überflüssig, die Verdienste der Verblichenen eingehend zu würdigen; er meldet blos, daß die Religionsgemeinde eine besondere Traueranzeige ausgegeben, an die Familie ein Beileiosschreiben gerichtet und einen Trauergottesdienst für die Verstorbene veranstaltet wird. — All dies mürbe zur Kenntniß genommen und die Versammlung beschloß die protokollarische Verewigung des Andenkens der Verblichenen. Nachdem der Jahresbericht vorgelegt und zur Kenntniß genommen worden, wurde auf Antrag Dr. Friedrich Ha laß' dem Präsidium für sein eifriges Wirken Dank votirt. Hierauf ergriff der Gemeinderepräfentant Dr. Julius Schwarz das Wort. Ec beanstandete die erfolgte Reducirung der Religions-Unierrichtsstunden in den Budapefter höheren Handelsschulen und in der Handelsakademie, wie er denn auch über die Abnahme des religiösen Si; neS unter den jüdischen Frauen klagte. Er wünscht, daß die Gemeinde in Budapest eine Lehrerinnen-Präparandie errichten solle. (Lebhafte Zustimmung.) Endlich lenkt er die Aufmerksamkeit der Versammlung auf ein vom Unterrichtsministerium concessionirtes Schulbuch, betitelt „Leäny-iskolai füldrajz“ (Geographie für Töchterschulen), in welchem die ungarländischen Juden als besondere Nationalität angeführt sind. Vom Gesichtspunkte des jüdischen Patriotismus protestirte Redner unter dem Beifall der Anwesenden gegen solche Classificirung. Vorstandsmitglied Martin Schweiger beanwortet die Bemerkungen des Vorredners dahin, daß die Handelsakademie lange Zeit hindurch vom Religionsunterricht überhaupt nutzte hören wollte, bis endlich der Minister einen wöchentlich einstündigen obligaten Religionsunterrricht anordnete. An die Errichtung der Lehrerinnen-Präparandie werde die ohnedies stark belastete Gemeinde erst in einigen Jahren denken können. Gegen das vom Vorredner erwähnte Schulbuch werde der Gemeindevorstand die geeigneten Schritte unternehmen. (Zustimmung.) Paul Tencer betont, daß sich unter der ungarischen Judenschast seit den letzten vierzig Jahren eine stetige Zunahme und Erstarkung des religiösen Gefühls konstatiren laffe. Auch Redner will hoffen, daß die Gemeinde seinerzeit eine Lehrerinnen-Pcäparandie errichten werde. Der nächste Redner, Dr. Max Schächter, drückte den Wunsch aus, daß den Gemeindemitgliedern im Allgemeinen mehr Gelegenheit zur Theilnahme an der Erledigung der konfessionellen und Gemeinde-