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Der Israelit · 1898-05-02 · Heft 34 (2.5.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 34 (2.5.1898)
Date
1898-05-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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682 um uns bewirbt, rasch genug würde bei den Elementen, au» denen sich die hiesige Bevölkerung zusammensetzt, der Neid gegen die größere Geschäft»thätigkeit und die dadurch erzielten guten Erfolge einstellen und ein neue» Auflvdern de» Judenhaffes würde unsere Brüder bald bedauern laffen, hierhergekommen zu sein. Es würde sich vielleicht nur dann machen laffen, wenn Mexico für ein gewiffes Territorium autonome jüdische Verwaltung mit selbstständiger jüdischer Regierung gestatten würde!? Afrika. U Algier. Die Stimmung Hierselbst wird immer erregter. Zur Charakteristik des algerischen Antisemitismus ist ein Bericht von hohem Interesse, den der gewiß wenig philosemitische Pariser „Figaro" aus der Landeshauptstadt bringt. Dort heißt es u. A.: „Alle Welt glaubte, die Januarwirren würden sich nicht wiederholen. Diese Hoffnung muß aufgegeben werden. Die Aufregung ist auf das höchste gestiegen, und die von den Berufshetzern geschickt unterhaltene Bewegung gegen die Juden verbreitet sich auch auf das flache Land, die Dörfer, die einzelnen Gehöfte. Die jüdischen Hausirer, die sonst friedlich mit ihrem Kram von Ort zu Ort zogen, wagen sich nicht mehr hinaus, da einige von ihnen mit Tod bedroht und mißhandelt worden sind. In der Stadt hat die Bewegung eine unerwartete Wendung genommen. Die Frauen sind es jetzt, die die Kokarde der Empörung an ihren Hut heften und den Regierungspalast zu erstürmen drohen. Dieser Aufstand der Unterröcke hat in der Cantera begonnen, dem spanischen Viertel der Bab-el-Wed- Vorstadt. Um die Verfassung der Geister zu zeigen, kann ich nichts Besseres thun, als ein Gespräch zu wiederholen, das ich mit einem der bedeutendsten Cigarettenfabrikanten hatte, Herrn Mslia, der mehr als zweihundert Arbeiterinnen beschäftigt. „Vor den Wirren", sagte mir Herr Mölia, „hatte ich in der Fabrik gegen vierzig jüdische Arbeiterinnen und gegen 150 Spanierinnen. Nach den Kundgebungen wurde die Lage der Jüdinnen unhaltbar. Sie wurden auf jede mögliche Weise gequält. Man beschimpfte sie. Man versteckte ihnen die Kleider. Man stahl ihnen ihr Werkzeug. Man mißhandelte sie sogar, zuerst mit Faustschlägen, dann mit Mefferstichen. Um Ruhe zu schaffen, entließ ich die jüdischen Arbeiterinnen und ersetzte sie durch Spanierinnen. ..." Die CarmencitaS, Dolores, Vicentas predigen die Judenverfolgung in den Werkstätten von Algier und Mustapha und wissen nicht, was sie alles ausdenken sollen, um den Juden Unannehmlichkeiten zu bereiten. Sie kaufen nicht nur nichts bei Juden, sondern geben auch in ihren Blättern die christlichen Damen an, die sie dabei ertappen, daß sie in einen Judenladen treten. Letzten Dienstag erstürmte etwa ein Dutzend dieser Megären in Bab-el-Wed einen Pferdebahnwagen, wo zwei alte, arme Jüdinnen saßen, rissen sie aus dem Wagen und überhäuften sie mit Schimpfworten und Püffen. Donnerstag verließ ein jüdischer Hochzeitszug das Rathhaus von Algier, gerade als die weibliche Abordnung vorbeikam, die dem Gouverneur die „Beschwerden der Frauen von Algier, Bab-el-Wed und Mustapha" überbrachte; die Frauenzimmer lasen am Boden allen Mist auf, den sie finden konnten — und in Algier fehlt es daran nicht! — und bewarfen damit die Braut, deren weißes Hochzeitskleid besudelt wurde, und die Gäste, welche die Flucht ergriffen und sich zu verbergen suchten. Als einige Zuschauer des Auftrittes sich unwillig über diese Rohheit aussprachen, bemerkte eine alte, sehr anständige Dame, die Wittwe eines Polizeikommiffars: „Was wollen Sie? Schließlich sind das doch nur Juden!" Die Kinder folgen dem Beispiel der Ellern. Beim Verlassen der Gemeindeschulen laufen sie in den Straßen umher, heulen judenfeindliche Lieder und suchen kleine Juden, die sie verfolgen und prügeln. Im Gymnasium zu Algier sind bedauerliche Auftritte vorgekommen, und der Vorsteher mußte die ungeberdigsten Schüler mit Ausstoßung bedrohen, wenn die Auftritte sich wiederholen würden .... Das Barberouffe-Gefängniß, für 500 Häftlinge bestimmt, enthält ihrer gegenwärtig mehr als 1000. Neulich bemerkte der Odergefangenwärter gewisse Anzeichen der Meuterei bei den meisten seiner Pflegbefohlenen. Er erkundigte sich und erfuhr, daß die Herren Strolche sich beschwerten, weil man ihnen die Gesellschaft einiger Juden aufnöthigte, die verhaftet worden waren, weil sie auf der Straße der polizeilichen Aufforderung, weiterzugehen, nicht entsprochen hatten. Der Obergefangenwärter erstattete dem Präfekten Meldung, und dieser gab Befehl, die Juden in einem besonderen Flügel unterzubringen." -£• Vermischtes. Wien« (Kuratorium der G e sellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und hi ft arischen Denkmälern de» Judenthum S. ^Jüdisches Museum in Wien. — Vortragsabend Sonnenthal-Glücksmann.jl Die Reihe der Vorträge, welche da» Museum für jüdische Kunstdenkmäler in dieser Saison veranstaltete, werden am 3. Mai mit einem höchst interessanten Abend ihren Abschluß finden. Herr Schriftsteller Heinrich Glücks mann wird über das Thema; „Die Lyrik eines modernen Hiob" sprechen, und der Viceepräsident des Museum», Herr Adolf Ritter von Sonnenthal hat es übernommen, hervorragende Dichtungen des früh verstorbenen Poeten, den Herr Glücksmann charakterisiren wird, zu recitiren.

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