Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1898)
- Date
- 1898-05-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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631 Salisch und Rinteln für sehr gefährlich, ja geradezu der Verfassung widersprechend. In der allen preußischen Gerichtsordnung bestand auch eine besondere Eidesformel für die Juden. Man hat diese Verschiedenartigkeilen beseitigt, um eine möglichst knappe Eidesformel zu erzielen. Abg. v. Cu np (natl.) bittet ebenfalls um Ablehnung aller Anträge, weil es dann bei den: bestehenden Rechtszustande bleibe, wonach jeder seinen religiösen Gefühlen Ausdruck geben könne, während die Anträge die Schwörenden in ihrer Freiheit beschränken. Abg. v. Salisch meint, daß die gleichwerthige Behandlung von Juden und Christen bei der Eidesleistung die größte Ungerechtigkeit sei. Abg. Graf Bernstorff (Rp.) glaubt, daß der Antrag o. Salisch die Sache erheblich erschwere, man müßte also beim Antrag Rintelen bleiben. Abg. Schall (kons.) hält die konfessionelle Schlußformel für nothwendig zur Hebung der Heiligkeit des Eides, die dringend nothwendig sei. Abg. Stadthagen (Soz.) bittet alle Anträge abzulehnen, namentlich den Antrag v. Salisch, weil der letztere nicht den Anschauungen der christlichen Sekten, der Mennoniten, Herrnhuter rc., Rechnung trage. Eine Gewiffensnoth bestehe für die Christen jetzt nicht, sondern nur für die Dissidenten, die zur Leistung des christlichen Eioes gezwungen werden. Man sollte nur bestimmen, daß der Eid beginnt: Ich schwöre rc. und dem Schwörenden die Schlußformel ruhig überlasten. Der Antrag Rintelen wird darauf angenommen. -g- Frankfurt a. M., 26. April. Am 25. cr. hielt der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" unter dem Vorsitz des Herrn Julius Landsberg seine Generalversammlung ab. Dieser widmete zunächst dem verstorbenen ersten Vorsitzenden Herrn Dr. Heinemann, der durch die Gründung des Verein», welcher so viele Nachfolger gefunden, durch dessen Leitung und durch seine in demselben gehaltenen Vorträge sich so große Verdienste erworben hat, einen tiefgefühlten Nachruf. Die Mitgliederzahl ist von 208 auf 234 mit M. 933 Beiträge gestiegen, das Vereinsvermögen beträgt M. 380. Die Anzahl der gehaltenen Vorträge war 9, außerdem fand ein Dirkussionsabend mit Vortrag statt; der Besuch war ein sehr guter. Die Entlastung wurde ertheilt und Herr Landsberg, Geiger, Frankel, Schwabacher, Ettlinger und Wisloch wurden in den Vorstand gewählt. Für Herrn Dr. Heinemann fand vorerst keine Neuwahl statt, vielmehr wurde es dem Vorstand überlasten, sich eine geeignete Persönlichkeit zu kooptiren. Aus Ostpreußen. Zur Mittheilung aus Forbach in Lothringen von Herrn Loervy kann ich, leider, von einem Seitenstück berichten. Hier starb vor fünf Jahren ein gewisser W .... oki, der eine kinderlose Frau und einen Bruder hinterlasten hat. Frau W., die mit ihrem Schwager und Schwiegervater auf gespanntem Fuße lebt, wollte von ihrem Schwager die nsrfcn haben, um btitm wo mo eine zweite Ehe einzugehen: da verlangte dieser im Einvernehmen mit dein anständigen Schwiegervater, der, leider, früher einmal erw war, für diesen Akt zweitausend Mark; angeblich, nicht für sich, sondern für die Gemeinde Goldap, auf dessen — bbrj jra der verstorbene Bruder ruht. Alle Versuche, die angestrengt wurden, die noblen Herren von ihrer Pflicht zu überzeugen, da Frau W.ski und der Vater derselben, gar keine Veranlassung zur Zahlung dieser beträchtlichen Summe zu haben glaubten, blieben fruchtlos und Frau W. ist nun seit voriger Woche, die Frau eines Herrn Wr . . . .w geworden, selbstredend — pwipi nein 'bo. O e ft e r r.- U n g a r. Monarchie. Z. Wien. (SitzungdesVorstandes der israelitischen Cultusgemeinde am 17. April). Der Vorsitzende kais. Rath Klinger berichtet, daß das Präsidium in einer am 15. April d. I. stattgehabten Audienz sich dem neu ins Amt getretenen Ministerpräsidenten Sr. Ercellen; Grafen Thun vorgestellt und hiebei Anlaß genommen habe, die humanitären und culturellen Interessen, sowie dem Schutze der Glaubensgenossen gewidmeten Bestrebungen des Vorstandes de» Näheren darzulegen, wobei der Präsident nicht unterließ, unter Hinweis darauf, daß die österreichischen Israeliten unentwegt treu zum Kaiser und zum Vaterlande stehen, die äußerst schwierigen Verhältnisse und die Bedrückungen, unter welchen dieselben, insbesondere in Wien dermalen leben, )u betonen. Der Ministerpräsident habe in seiner Antwort auf den von ihm geleisteten Diensteid hingewiesen, welcher, wie er sich ausdrückte, die Wahrung der Staatsgrundgesetze und somitauch der vollen Gleichberechtigung aller unter der Regierung Sr. Majestät lebenden Staatsbürger beihaltet und habe hinzugefügt, er werde sicherlich den Bestrebungen des Cultusvorstandes seine wohlwollende Unterstützung entgegenbringen. Mexico.? Mexico. Hiesige Zeitungen laden die Juden ein, nach Mexico zu kommen und sich dort niederzulassen. In der Thal hat die Republik Mexico Boden genug für Ansiedelungen, aber die Bevölkerung ist eine rein spanische und deren Intoleranz gegen uns Juden leider bekannt genug. Wenn man sich auch heute