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Der Israelit · 1898-05-02 · Heft 34 (2.5.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 34 (2.5.1898)
Date
1898-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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demjenigen harmonirt, was hier in» allgemeine Bewußtsein gedrungen ist. Dies seine Ueberzeugung, und wenn noch 7mal 70 Bischöfe in England und ebensoviele Doktoren der Philisophie entgegen träten." Man merke wohl die versteckte, jedoch nur zu oeutlich erkennbare Absicht, welche zwischen den Zeilen zu lesen ist, womit der edle Herr Pfarrer Münch nicht nur seinen judenfeindlichen Standpunkt verficht, sondern nichts mehr und weniger als eine radikale Bekehrung der Juden zum Christenthum fordert. (!) Den durch Dr. Weil erbrachten Nachweis einer unkritischen Beleuchtung des Alten Testaments, sowie die treffenden Citate hiesür aus dem Alten und Neuen Testament hält Pfarrer Münch für „verfehlt," beruft sich dagegen auf das Neue Testament, aus deffen Zusammenhang er einige Sätze und Aussprüche herausgreift, welche seiner Absicht anscheinend zu Hilfe kommen. Aber auch diese Ausführungen des Pfarrers Münch blieben nicht unbeantwortet. Ein Mitglied des Vorstandes der Israel. Gemeinde Darmstadt, Herr Moritz Pfungft, ergänzte auf's trefflichste die Ausführungen des Herrn Dr. Weil. Auf scharfsinnige Weise und zwar unter Heranziehung eines umfassenden und trefflich gewählten Materials aus der Bibel und dem Neuen Testament geht Moritz Pfungst mit den Behauptungen Münchs ins Gericht und beweist folgende unauslöschliche Thatsachen. „1) Die jüd. Religion enthält keine Lehre, welche ihre Bekenner abhält, gute und nützliche Staatsbürger zu werden; sie dringt im Gegentheil überall darauf, im Menschen das Menschliche herauszubilden und ihn zur Erfüllung der Erdenzwecke tüchtig zu machen. Von vielen dazu erwähnten Belegstellen der heiligen Schrift ist die treffendste: „Den Evomiter sollst Du nicht für einen Gräuel halten, denn Du bist ein Fremdling in seinem Lande gewesen." „Gibt es wohl eine höhere Moral?" Die Egypter, ein Volk, sollen die Juden lieben, welche diese 400 Jahre zu dem härtesten Sklavendienste benützten, bei welchen es sogar Gesetz war, die jüdischen Knaben zu ertränken!" Ferner bemerkt Pfungst mit Recht, daß alle anderen Religionen, auch die christliche den Hinweis auf den Eudämonismus, also auf Lohn und Strafe bei der Lehre von den sittlichen Erscheinungen oft enthalten, was mehrere Stellen de- Neuen Testaments beweisen: z. B. „Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden da» Erdreich besitzen (Eo. Math. 5, 5) oder „Wenn Du Almosen gibst, laß die linke Hand nicht wiffen, was die rechte thut. Auf daß Dein Almosen verborgen sei, und Dein Vater, der in da» Verborgene sieht, wird Dir's vergelten öffentlich" (Math. 6, 3, 4). „Dies ist aber ein Erziehungsmittel," bemerkt Moritz Pfungst mit Recht. Ferner weist Pfungst nach, daß 8) die jüdische Lehre in der Erfahrung auf ihre Bekenner nur moralisch gut gewirkt habe. „An den Früchten sollt ihr den Baum erkennen! Oder werden vielleicht unter den Juden nach Verhältniß ihrer Zahl mehr Mörder, Räuber und Verbrecher aller Art gefunden, als unter den Christen! Oder können die Juden ihnen nicht vielmehr in Bezug auf häusliche Tugenden, Keuschheit, Nüchternheit, Sparsamkeit, Fleiß und Wohlthätigkeitrsinn an die Seite gesetzt werden? In Frankreich, wo die Juden schon seit langer Zeit emanzipirt sind, sprach der Minister in der Kammer bei Berathung der Frage: Ob die Besoldung der jüdischen Geistlichkeit vom Staate übernommen werden muffe, folgende Worte: „Die Juden Frankreich» machen sich de» Namens „Franzosen" immer würdiger, die Künste, Wissenschaften, die Armee, der Handel und alle Stände in der bürgerlichen Gesellschaft haben ausgezeichnete Juden aufzuweisen." „Diese Worte", schreibt Pfungst, „von den Vertretern von 32 Millionen Menschen gesprochen, fanden keinen Widerspruch, sind die deutschen Juden von anderem Fleisch und Bein als die französischen? 4) Ferner war es nicht der Glaube, der es nicht zuließ, daß die Juden im allgemeinen die Moralhöhe im christl. Sinne erstiegen, — sondern der Druck, der Haß, der Spott, die Verachtung, Verfolgung und Zurücksetzung, mit welchen man die Juden seit 18 Jahrhunderten quälte und mißhandelte." De» weiteren beweist Pfungft, daß es nur im Jntereffe und im Geist der christlichen Religion liegt, die bürgerliche Gleichstellung der Juden zu befördern und zu wünschen, umsomehr da, wie schon Dr. Weil treffend ausgeführt hat, die jüdische Religion keinen Gegensatz zur christlichen bildet. „Oder sollte Dr. Luther zur Unterstützung seiner Religionslehre unzählige Stellen au» dem Alten Testrment gewählt haben, wenn sein heller Geist nur einen Widerspruch geahnt hätte?" Dann schließt Herr Pfungst mit den treffenden Worten: „Nach solch überzeugenden Beweisen sei es befremdend, wie Bekenner und namentlich Lehrer einer Religion, deren Fundament die Liebe ist, und von welchem wir Kenntniß der jüdischen Religion erwarten sollen, wie Herr Pfarrer Münch, sich so vernehmen lassen. Die großen Missionsgesellschaften in England, von welchen man voraussetzen kann, daß sie wissen, was Christenthum ist, halten die Verschmelzung der menschenfreffenden und ihre Wittwen verbrennenden Heiden mit den Christen für durchaus ungefährlich. Wie eine solche bürgerliche Verschmelzung mit einem an einen Gott glaubenden Volke gefährlich sein könne, vermögen wir wahrlich nicht zu begreifen." (Fortsetzung folgt.)

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