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Der Israelit · 1898-04-28 · Heft 33 (28.4.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 33 (28.4.1898)
Date
1898-04-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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612 einen trüben Ausblick auf das Loos, das den russischen Juden in der nächsten Zeit bevorsteht. Rumänien.? Bukarest. Die rumänische Juvenheit hat ein schweres Geschick getroffen, das Schulgesetz, dessen Bestimmung nach der Erklärung seiner Urheber der Ausschluß der Juden aus den Gymnasien, Lyceen rc. sein soll, dieses Gesetz ist von der Kammer mit 107 gegen 7 Stimmen, von dem Senat einstimmig angenommen, von dem König sofort unterzeichnet uno von der Regierung promulgrrt worden. Große Festlichkeiten begleiten die Annahme des Gesetzes, der Premierminister feiirt die Abgeordneten, der Unterrichtsminister die Senatoren, die Beamten des Unterrichtsministeriums, die sämmtlichen Minister. Und der Premier Stourdza versichert, seit 25 Jahren erstrebe er die Annahme dieses Gesetzes, das die Fremden aus den Schulen weist, und seine Durchführung erscheint vom Premier als die glorreichste That seines politischen Lebens. Auch die Juden müffen die Bedeutung dieses Gesetzes anerkennen, aber für sie ist es eine tief traurige. Bestimmt doch diese Lex, daß auf den sämmtlichen Sekundärschulen, Gymnasien, Lyceen, höheren Töchterschulen und auf den Universitäten nur Einheimische, rumänische Staatsbürger, zugelassen werden, daß dagegen Fremde d. h. Juden nur soweit die Unterrichtsanstalten besuchen dürfen, als noch Plätze frei sind, nachdem alle einheimischen Anmeldungen angenommen sind. Nun sind diese Anstalten jetzt sämmtlich überfüllt, in den einzelnen Klaffen 80—100 Schüler, nach dem neuen Gesetz dürfen jedoch in keiner Klaffe mehr als 50 Schüler sein. Man hat unerhörter Weise dem Gesetze sogar rückwirkende Kraft gegeben, um so am 1. September, an welchem Tage die Lex in Kraft tritt, alle oder fast alle jüdischen Schüler aus den Schulen weisen zu können. So wird es vielen Hunderten jüdischer Knaben unmöglich gemacht werden, sich höhere Bildung zu erwerben und höheren Berufen zu widmen. Es ist dies der zweite Schlag, der die rumänischen Juden trifft, 1993 wurden sie ebenso brutal aus den Primärschulen verdrängt, und nur das Aufgebot aller Kräfte, nur die äußerste Anstrengung der geringen vorhandenen Mittel ermöglichte den Betroffenen, sich eigene Schulen zu schaffen und ihren Kindern die Wohlthat einer ordentlichen Elementarbildung zu sichern. Nun kommt der neue Schlag; um die höhere Ausbildung auch nur eines bescheidenen Theiles der jüdischen Jugend sicher zu stellen, müßte man mindestens ein jüdisches Lyceum in Bukarest und eines in Jaffy errichten, von den Mädchenschulen noch ganz abgesehen. Aber diese beiden Institute, die ja den Staat-anstalten mindestens gleichwerthig sein müßten, würden eininalig eine Million und jährlich ca. 100,000 Francs kosten und woher sollen die armen Juden Rumäniens so viel Geld nehmen? Wenn nicht die ausländischen Juden, besonders die Alliance Jsraelite Universelle und die Jewish Colo« nisation Affociation helfen, so ist eine schwere Schädigung der Bildung und damit der Zukunft der Juden Rumäniens sicher, ebenso sicher wie der Triumph der antisemitischen Regierung wegen der Erfolge ihres Judenhaffes. Personalien. Osnabrück, 22. April. Am 1. d. M. ist der erste Lehrer an ver hiesigen israel. Elementar- und Religionsschule und Prediger Herr Louis Frankcnstein, mit voller Pension in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Derselbe hat fast 40 Jahre, davon 24 in Osnabrück, seines Amtes treu gewaltet und erfreute sich ob seines schlichten, freundlichen Wesens auch außerhalb seiner Gemeinde besonderer Sympathien. Die Königliche Regierung ehrte den scheidenden Beamten durch eine von warmen Worten der Anerkennung und herzlichen Glückwünschen begleitete Zuschrift. Am erneu Peßachtage verabschiedete sich Herr Frankenstein in dem überfüllten Gotteshause in bewegten, zu Herzen gehenden Worten von seiner Gemeinde. Als äußeres Zeichen ihrer Zuneigung und Dankbarkeit überreichte eine Deputation der Gemeinde — Herr S. Simon. 1. Vorsteher, Herr A. Jonas, Synagogenvorsteher, sowie die beiden Aeltesten der Gemeinde — dem Scheidenden einen prächtigen silbernen Tafel Aufsatz, indem sie zugleich ihren Wünschen für einen frohen Lebensabend des zurücktrctenden Seelsorgers Ausdruck verliehen. An seine Stelle ist der seitherige zweite Lehrer, Herr Oberschützki, getreten. NeuiUeton. Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von 14n Arnold Mann, (Nachdruck verboten.) Kurt deutete sich ihre Verlegenheit zu seinen Gunsten. Er meinte, sie kämpfe mit sich selbst, ihm ein Geständniß zu machen, daß sie etwa viel an ihn gedacht habe, oder sich freue, ihn wiederzusehen oder ähnliches mehr. Ein sicheres Zeichen, daß er Eindruck auf sie gemacht, schien ihm der Umstand zu sein, daß sie seinen näheren Lebensverhältniffen nachgeforscht und sie auch glücklich eruiert hatte. Aber wie? Wie konnte sie das nur herausbekommen haben? Sie hatte doch absolut keinen Anhaltspunkt?! Da hörte er plötzlich ihre Stimme; sie sagte mit scharfer, absichtsvoller Betonung: „Wiffen Sir eigentlich, daß ich Jüdin bin?" „Ich dachte es mir," erwiederte Kurt.

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