Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-04-28 · Heft 33 (28.4.1898) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 33 (28.4.1898)
Date
1898-04-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448888--45890-2496262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

611 jüd. Hinsicht keine Ansprüche gestellt werden, so muß er weit gekommen sein, und die Geschichte hat gelehrt, daß solche Ideen oft schweres Leis über Israel gebracht haben. Doch so ist es jetzt noch, wo es wenigstens noch viele gibt, die aus Gewohnheit noch beten, und da müssen wir uns als wahre Jehudim fragen, wie wird es erst mit den späteren Geschlechtern werden? Der Lehrer lernt (sehr häufig) bei onyp aus deutschen Büchern vor, gewiß keine Gewohnheit, die in religiöser Beziehung Vertrauen zu ihm erwecken kann; die Kinder kommen, kaum können sie richtig A sagen, in die Stadt in die Schule, unter fremde Leute, und daß es nicht immer fromme sind, nun das ist selbstverständlich; wo sollte bei dem jungen, empfänglichen Gemüth des Kindes eine religiöse Neigung für später vorherrschen? Und nun erst die Metzger? die thun in der Thal, alles was Gott verboten hat; fragt den „Schammes", wie oft und wie viele Frauen die Pflichten des jüdischen Weibes erfüllen, thut doch die Frau Lehrer selbst so Manches, was nicht erlaubt ist. Und wo bleibt da der „Raw"? Der Raw hat „nebbich" mitunter 20—80 und noch mehr Gemeinden, und gerade genug zu thun, seine Predigten auf mp zu präpariren, wenn er nicht noch besieres zu thun hat. So ist das Khille-Leben auf dem Lande von heutzutage, und wenn es nicht noch hie und da, wirklich wahrhafte und gute Jehudim gäbe, die ihr ganzes Sein und Trachten dafür einsetzen, für r*n zu kämpfen, wie es dann wäre, diese Frage möge sich jeder selbst beantworten. „Wehe meinen Augen, die solches sehen mußten! Möge w-.-i recht bald eine bessere Zeit herbeiführen.! fe» Belgien.? Brüssel. Am 17. April fand hier die Generalversammlung des jüdischen Consistoriums in Brüssel statt. Diese sonst so ruhig und glatt verlausende Versammlung konnte diesmal nicht in einer Sitzung zu Ende geführt werden, denn man sieht sich auch hier schon genöthigt, die Mittel und Wege zu erwägen, um der auch in unser friedliches Belgien übcrgreifenden antisemitischen Bewegung bei Zeiten zu steuern. Während von einer Seite die Errichtung konfessioneller Schulen vorgeschlagen wurde, um den so häufigen Konflikten auf der Schulbank zu steuern, empfahl ein Herr Lippmann, Vorträge vor Juden und Christen über das Wesen des Judenthums. Zu einem Resultat kam man nicht, die Berathung wurde vielmehr vertagt, das wesentlichste und leider sehr traurige ist, daß man nun auch hier schon zu derartigen Berathungen genöthigt ist. — Im „Moniteur" wird jetzt die Liste der Ordensverleihungen publizirt, die aus Anlaß der Brüsseler Ausstellung von 1897 erfolgt sind. Die folgenden fünf Herren, die das Ritterkreuz des Leopoldordcns erhalten haben, sind Juden: Ad. Bloch, Ryzigcr, David Samuel, Schleisinger, Philipp WolferS. R u ß l u n d.? Petersburg. Drei Vertreter der Jewish Colonisation Association, welche geneigt ist, einen großen Theil der ihr zur Verfügung stehenden Gelder für die Besserung der Lage der russichcn Juden in Rußland auszugeben, sind zur Zeit in Petersburg, nämlich die Herren: Meyerson, Bert und Oberst Wolfs. Die drei Herren hatten eine Audienz bei dem Minister des Innern Goremghin, der ihnen indessen nichts positives sagen konnte oder wollte, und ihnen rieth, sich an Pobiedonoskeff zu wenden. Diesem Rath kamen die drei Vertrauensmänner der Jewish Colonisation Associat!on nach und hatten Dienstag, 19. April, eine Audienz bei dem Generalprokurator des heiligen Synods. Derselbe, dessen Einfluß wieder sehr stark sein muß, sagte ihnen Folgendes: „Niemand glaubt, daß die Juden ein schlechtes Volk sind, im Gegcnthcil, sie sind eine sehr fähige Nation. Der jüdische Schüler in der Schule ist fleißig, der Nilffe ist faul, unaufmerksam, nachlässig. Im großen Leben finden wir dasselbe Bild. Im Amt itnd im Geschäft ist der Jude fähig, energisch und fleißig, während der Russe leichtfertig und oft untauglich ist. Dieser ist trunksüchtig, der Jude immer nüchtern. Aber gerade dieser guten Eigenschaften halber fürchten wir den Juden. Ließen wir den Inden fortschreitend sich entwickeln, ohne ihnen Hindernisse in den Weg zu legen, so würden sie uns bald aus allem verdrängen und unsere Herren werden. Von unserem russischen Standpunkt H aus können wir diese Entwickelung nicht gestatten und daher rühren alle unsere Maßregeln gegen die Juden. Wir verfolgen Niemanden (??), wir vertheidigen uns nur selbst und schützen unsere Interessen solange es noch Zeit ist. Darum haben wir der Jewish Colonisation Association Erlaubnis gegeben, die Juden nach anderen Ländern zu bringen. Aber wir können ihr nicht erlauben, in unserem Landes zu arbeiten, um die wirthschastliche Lage der russischen Juden zu bessern, lieber diesen Punkt können wir weder Wünsche, noch Vorschläge entgegennehmen. Wir sind nicht darauf eingerichtet, die Thätigkeit der Gesellschaft bei uns zuznlassen." Die Erklärungen des Mannes, der gegenwärtig wieder die Situation in Rußland zu beherrschen scheint, sind ungeheuer schwerwiegend und sie geben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.