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Der Israelit · 1898-04-28 · Heft 33 (28.4.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 33 (28.4.1898)
Date
1898-04-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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609 ressanten Federkamps zu, welcher sich im weiteren Verfolg dieser Frage im „Beobachter" abspielte, um so mehr, als zu dieser Zeit im Landtag der Antrag auf bedingte Gleichstellung der Juden mit den Christen gestellt wurde (worauf wir später beim Rückblick auf die betr. landständischen Verhandlungen noch zurückkommen werden). In Erwiderung der vorurtheilsvollen Einwände des letzten Artikels, sowie als Beleuchtung des angeblichen Nutzens, welcher dem Staate durch Vorenthaltung der Juden-Emanzipation entspringe, wird in einem weiteren Aufsatze auf ein Citat Herders in seinem Werke Adrastes hingewiesen, welches allgemein bekannt zu werden verdient: „Alle Gesetze", sagt Herder, „welche den Juden ärger als das Vieh achten, ihm nicht über den Weg trauen und ihn damit vor den Augen aller täglich, stündlich ehrlos schelten, sie zeigen die fortwährende Barbarei des Staates, der aus barbarischen Zeiten solche Gesetze duldet. Um so mehr müssen diese Gesetze Rache, Haß oder mindestens verbissenen Groll erzeugen, da in manchem Betracht der Jude ein schärferer Ehrenrichter ist, als der gewöhnliche Christ es sein kann!" Gegen den Vorwurf, als ob aus der Emanzipation ein gesteigerter Einfluß der Geldaristokratie entstehen könnte, beruft sich der Einsender aus die Ansicht eines Sachverständigen, nämlich Joh. Ludwig Ewald, Minifterialrath in Baden, welcher in seinen „Ideen über die nöthige Organisation der Israeliten in christlichen Staaten" einen Brief des berühmten preußischen Staatskanzlers Hardenberg erwähnt, worin Letzterer bemerkt: „Wie ungerecht und unbegründet die Besorgnisse sind, daß durch das Emporkommen der jüdischen Familien dem Florieren der christlichen Staatsangehörigen Eintrag geschehe, beweisen die preußischen Handelsstädte. Die jüdischen Familien sind, seit der ihnen günstigen Gesetzgebung nicht mehr emporgekommen, kein christliches Handlungshaus hat seinen Wohlstand eingebüßt; es entstehen eben so viele christliche Handlungshäuser wie vorher, und sie treiben ihr Geschäft mit eben solchem Glück, ohne daß hierüber die geringste Klage geführt worden wäre." Auf den schon damals erhobenen Vorwurf, daß die Juden kein Handwerk betreiben, erwidert unser Wortführer (deflen Name uns leider nicht überliefert ist) treffend, wie lange es her sei, daß man den Juden überhaupt gestatte, Handwerke zu ergreifen? Gleichzeitig weift er auf den damals entstandenen „Verein zur Verbesserung des Zustandes der Israeliten" hin, welchem auch viele hochangefehene Christen angehörten. Des weiteren widerlegt der Verfasser die Vorwürfe des Schachers und Wuchers gegen die Juden, indem er ausführt, daß in der jetzigen Zeit (1833) diese Klage den Juden nicht mehr so unmittelbar treffe wie früher: „Wo Juden sind," sagt Herder, „muß die Verbesserung bei ehrlosen Christen angefangen werden, welche die Hebräer mißbrauchen." „Uebrigens," fährt unser Wortführer begeistert fort, „wird jedes Forscherauge, das sich bemühen will, die Juden zum Gegenstand seiner Untersuchung zu machen, erkennen, daß in ihnen ein religiöses Gefühl athmet; ein gotteSfürchtiger Mensch aber ist kein entarteter, gesunkener Mensch. Der Jude, welcher Vaterland, Ehre, Vermögen, alles seinem Glauben opfert, und duldet, ist wahrlich nicht dem Thiere gleich zu stellen. Ja, es ist wahr, der Jude ist durch Knechtschaft manch bürgerlicher Tugend entfremdet, aber seine Religion ist die Quelle, aus welcher alle und jede Nützlichkeit derselben wieder hervorgehen wird, sobald man ihn nicht mehr als Fremdling oder Eindringling, als exotische Pflanze betrachtet, sobald der Jude — vaterländisch erzogen sein wird. Ein Glaube, der die Wiege des Christenthums geworden ist, sichert uns jene geistliche Entwicklung zu, welche den Menschen zum Menschen adelt! Der Jude wird nach erlangtem Recht — und der bereis emanzipierte beweist eS — nicht mehr verzagt im bürgerlichen Leben auftreten und somit auch Anspruch machen auf eine würdevolle Stellung in der Gesellschaft. O! daß in unseren Tagen noch Verschiedenheit des Glaubens der Gegenstand der Erörterung werden mußte! „Es wird eine Zeit kommen, sagt Herder, (Ideen der Philosophie zur Geschichte der Menschheit) „da man in Europa nicht mehr fragen wird, wer Jude oder Christ sei; denn auch der Jude wird nach europäischen Sitten leben und zum Besten der Staaten beitragen, woran nur eine barbarische Verfassung ihn hindere, oder seine Fähigkeiten schädlich machen könnte." Es ist wahrhaft rührend, wie begeistert und von Wehmuth durchdrungen, brave, würdige Männer die Emanzipation als Akt der Gerechtigkeit und Fortschritt der Gesittung fordern und unentwegt gegen alle Einwände verfechten. Um so interessanter gestaltet sich die weitere Polemik, welche von jetzt ab mit offenem Visier für resp. gegen diese edle Sache vor der Oeffentlichkeit geführt wird. Man erkennt eben auch hier den Einfluß des unerschrockenen Glaubenskämpfers Gabriel Rießer, auf dessen Schritte bei mehreren apologetischen Aufsätzen verwiesen wird. (Fortsetzung folgt.)

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