Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1898)
- Date
- 1898-04-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448887--45879-2496250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
601 herrührend bezeichnet, anders geartete Knochenstücke, wie die vorgelegten, sind nach Aussage der Arbeiter überhaupt nicht aufgefunden worden. Herr Translateur hat von der Auffindung der Knochen überhaupt keine Kenntniß gehabt, mithin habe er auch ein Verbot der weiteren Ausschachtung nicht erlaffen. Thatsächlich sind auch die Arbeiten nicht unterbrochen, sondern fortgesetzt worden. Seitens der königlichen Staatsanwaltschaft wird jetzt nach dem feigen anonymen Denunzianten eifrig gefahndet. Oester r.-U n g a r. Monarchie. R. Wien, 20. April. Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers hat der Vorstand des israelitischen Volksküchenvereins die Vergrößerung der für die arme jüdische Bevölkerung so wohlthätig wirkenden Volksküche beschlossen und dies durch den Zubau zu der bisher bestandenen Volksküche ins Werk gesetzt. Der durch den Zubau um mehr als ein Drittel vergrößerte Speisesaal erhielt durch die an den beiden ersten Abenden des jüdischen Osterfestes stattfindende freie Speisung der jüdischen Soldaten der Wiener Garnison die patriotische Weihe. Zur Feier hatten sich circa 300 Soldaten aller Waffengattungen und auch einige Invaliden aus dem hiesigen Jnvalidenhause eingefunden. Der Schriftführer des Vereins, Inspektor der Staatseisenbahn-Gesellschaft Leopold Spitzer, eröffnete die Feier mit einer Ansprache an die Soldaten, in der er sie Namens des Vorstandes begrüßte, worauf den Soldaten das warme Nachtmahl verabreicht wurde. R. Budapest Hierselbst fand zu Ehren des zum Geheimen Rache ernannten Honvedhusaren-Rittmeisters Grafen Geza Andraffy im Gentry-Kasino ein Bankett statt, bei welchem der Gefeierte einen viel bemerkten Toast hielt. Er sagte unter anderem: „Ich habe die allerhöchste Auszeichnung meiner treuen Thätigkeit als Staatsbürger zu danken, welche ich auch im Jntereffe des volkswirthschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlseins auf Grund der ewigen Wahrheiten der Gleichheit und Brüderlichkeit entfaltete. Stellen wir uns alle auf den Standpunkt der patriotischen Pflicht, stellen wir alle religiösen und gesellschaftlichen zersetzenden Kämpfe ein, und besiegen wir mit vereinten Kräften unsere in- und ausländischen Feinde! Mich und meine Familie kennt man als Philosemiten, und mit vollem Rechte, in erster Linie darum, weil wir immer davon überzeugt waren, daß die vaterländische Judenschaft immer als wahre Ungarn mit uns gekämpft und gelitten hat und jetzt mit uns gemeinsam zu genießen strebt. In zweiter Linie darum, weil ich in Mexiko die Tausenden im Elend schmachtenden Juden gesehen habe, die gerade so leben wie unsere Juden vor dem Jahre 1848, eine verfolgte, unterdrückte Raffe auf dem freien demokratischen Boden. Welcher Gegensatz besteht zwischen unseren wirthschaftlichen Gegnern und uns! Unsere Antisemiten mögen sie aber nicht nachahmen und sie nicht beneiden. Lieber mögen sie sich der riesigen finanziellen und volkswirthschaftlichen Thätigkeit unserer patriotischen Judenschaft ohne Rückhalt auf das Aufrichtigste anschließen und in dem alltäglichen Kampf um das materielle Wohl mit der genialen Kraft und der Arbeitsliebe der ungarischen Raffe mit den Juden gemeinsam streben und siegen. Dann werden alle Ungarn demokratische Aristokraten, d. i. die Allerbesten sein." V. Ofett. Vom ältesten, jüdischen Friedhof Ungarns, dessen Existenz die Grabungen Hierselbst wahrscheinlich gemacht, da die Steine mit hebräischen Inschriften v. I. 1278/79 zu Tage förderten — berichtet der gelehrte Profeffor Dr. David Kauf» mann, neuerdings im „P. L." Jetzt ist durch neue Funde die Vermuthung zur Bestätigung geworden, daß in dem von der Pauler- und Attilagaffe eingefaßten und über die Rohamgaffe hinaus sich fortfetzenden Stück Boden, der älteste jüdische Friedhof Ungarns aus der Arpadenzeit und den folgenden Jahrhunderten sich ausgebreitet hat. In der Attilagaffe ist nämlich in einer Tiefe von 4 Metern, genau so tief wie bei dem früheren Funve, ein Grabstein zu Tage gekommen, der aufrecht auf dem Grabe stand, das noch deutlich in seinen Umrissen erkennbar war, als der Spaten darauf stieß und deutlich lesbar den Namen einer Frau nennt, die hier am 21. Juni 1482 zu Grabe kam. Die intereflanten Funde, welche die alte Ansässigkeit der Juden im Vaterlande beweisen, sind gut untergebracht im Nationalmuseum und in Acquincum. Italien.? Turin. Am 29. März fand hier in der großen Synagoge die 50jährige Feier der Emancipation der Juden in Piemont statt. General Ottolen g hi, unser berühmter Glaubensgenoffe, sowie der Präfekt von Turin und alle bürgerlichen und militärischen Autoritäten waren anwesend in der Synagoge, die kunstvoll für den Festtag ausgeschmückt war. Nach einer glänzenden Rede des Rabbiners Guiseppe F o a wurden Psalmen und Hymnen gesungen, welche von dem berühmten Dichter David Levy verfaßt waren. In der Gemeinde sind 14,000 Frcs. gesammelt worden, um ein Denkmal der Emancipation der Juden zu setzen. David Levy erhielt bei dieser Gelegenheit vom König das Großkceuz des Ordens von St. Maurizius und St. Lazarus, eine ganz außerordentliche Ehrenbezeugung. — In Asti hat ein angesehener jüdischer Bürger der Stadt ein Denkmal zu Ehren der Einigung Italien» zum Geschenk gemacht. Bei seiner Ent-