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Der Israelit · 1898-04-25 · Heft 32 (25.4.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 32 (25.4.1898)
Date
1898-04-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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600 AelluttgSnachrrchte« u«d Eorvespo«de«zen Deutschland. M. Berlin, 22. April. Dem statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin entnehmen wir einige interessante Details. In den städtischen Irrenanstalten befanden sich von Juden in Dalldorf 22 Männer, 7 Frauen, in Herzberge 2 Männer, in der Jdiotenanftalt in Dalldorf befanden sich 8 jüdische Kinder, 5 Knaben, 3 Mädchen. Interessant ist auch, daß unter allen in Berlin im Jahre 1895 und 1890 zur Zwangserziehung verurtheilten Kinder nur drei jüdische sich befanden. In den jüdischen Waisenanstalten befanden 1895 125 Knaben, 73 Mädchen, in den Alter-versorgungsanstalten der jüdischen Gemeinde 82 Männer und 139 Frauen. Im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde wurden behandelt 763 Mädchen und 768 Frauen. R. Worms Vor mir liegen die Jahresberichte de» i»r. Holzverein» und de» Verein» zur Au»stattung israel. Mädchen zu Homburg v. d. Höhe für die Jahre 1890 und 1897. Wir müssen gestehen, diese Berichte heben sich gewaltig von denen anderer Vereine ab. Ein eigenthümlicher poetischer Reiz ist über diese Berichte ausgegossen. Die vielsprechenden Zahlen sind von einem herrlichen Rahmen umgeben, wodurch sich un» ein prächtiges Bild frisch pulsirenden Bereinslebens präsentirt. Dafür steht auch Herr Louis Lehmann, der bescheidene, für alles Edle und Gute begeisterte Mann an der Spitze. Der Holzverein, welcher im Jahre 1818 gegründet wurde, hat im Jahre 1890 in Homburg an 10 Familien und drei alleinstehende Personen 40 Ctr. Nußkohlen und 070 Ctr. melirte Kohlen zur Vertheilung gebracht, sodann 87 Ctr. Nußkohlen, 10 Ctr. Buchenholz und drei Ctr. Kiefernholz an die Armen im Lande. Im Jahre 1897 in Homburg an 10 Familien und zwei alleinstehende Personen 5495/ie Ctr. melirte Kohlen und 43 Ctr. Nußkohlen, 20 Raummeter Buchen- und zwei Ctr. Kiefernholz. — Der Verein zur Ausstattung isr. Mädchen, gegründet 1880, hatte im Jahre 1890 die Freude, einem Mädchen behufs Ermöglichung seiner Verheirathung eine Mitgift von 3500 M. auszuzahlen. Außerdem zahlte dieser Verein für ein begabtes junges Mädchen, das sich zur Lehrerin ausbildet, monatlich M. 30. Dabei war er im Stande gewesen, dem eisernen Kapitalstock M. 917,82 zuzuführen. Im Jahre 1897 hat der Verein an zwei Mädchen Beihülfe gewährt und ist auch in diesem Jahre wieder in der glücklichen Lage, eine Mitgift von M. 3000 zu gewähren. Das Vermögen des Holzvereins beträgt Ende 1897 M. 6477. 78, das de» Vereins zur Ausstattung isr. Mädchen M. 17,485.11. Möchten beide Vereine sich auch künftig so günstig gestalten zum Wohls dem Hilfesuchenden und zur Freude der Leiter der Vereine. Ostrowo, 20. April. Die hiesige Synagogengemeinde wäre am jüngsten Pesachseste in Folge plötzlichen Ablebens ihres Rabbiners in religiöser Beziehung in Verlegenheit gerathen, wenn nicht der Schwager des Verstorbenen, Herr Großh. Prov.-Rabb. Dr. H irschfe ld—Gießen, in liebenswürdigster Weise den Bitten der Gemeindevertretung Hierselbst nachgegeben und seinen Aufenthalt hierorts hairptsächlich im Interesse des „Kaschrus" über das Fest ausgedehnt hätte. Herr Rabbiner Dr. H. hat auch, einem innigen Wunsche der Gemeinde entsprechend, am ersten und letzten Festage Kanzelfunktionen übernommen und bei dieser Gelegenheit wiederum, wie bei der kurz vor dem Fest ftattgehabten Bestattung seines Schwagers gezeigt, daß er ein Meister der Beredsamkeit ist. Wie sehr sich Herr Dr. Hirschfeld, der übrigens von früher hier wohlbekannt ist, durch seine zündenden und zu Herzen gehenden Worte die Zuneigung aller jüdischen Kreise hier erworben hat, beweist schon der Umstand, daß eine voll den meisten Mitgliedern der Gemeinde unterschriebene, in dieser Woche an den hiesigen Syllagogenvorstand gerichtete Petition den Wunsch aussprach, möglichst Herrn Dr. Hirschfetd zum Nachfolger des Herrn Dr. Pleßner zu gewinnen. Wie wir hören, steht die Gemeindevertretung diesem Gedanken sehr sympathisch gegenüber; doch scheint es zweifelhaft, ob Herr Dr. Hirschfeld diesem eventuellen Rufe Folge leisten werde, und wird deshalb eine diesbezügliche Anfrage an ihn Seitens der Gemeindevertretung' geplant. K ö r p e l. L. Meiwitz, 22. April. (Antisemitisches.) Die hiesige königliche Staatsanwaltschaft erhielt am 7. d. eine mit N. N. Unterzeichnete anonyme Denunziation, in welcher Kantor und Schächter Translateur aus Langendorf (O.-S.) in verblümter Weise mit dem Ammenmärchen des Ritualmordes in Verbindung gebracht wird. Es seien, so heißt es in der Denunziation, von einigen Arbeitern bei der Renovirung des Wohnhauses des Genannten beim Ausschachten von Erde menschliche Knochen aufgefunden worden, man nähme einen Mord und Vergrabung des Leichnams an Ort und Stelle an, und der Jude habe nach Kenntnißnahme eine weitere Ausschachtung untersagt. Auf Grund dieser Anzeige fand seitens des Amtsgerichtes Tost am 13. d. Mts. in Langendorf ein Lokaltermin statt, zu welchem die bei dem Bau beschäftigten Arbeiter geladen waren und der zu folgenden Resultaten führte: Die von den Arbeitern aufgefundenen kleinen Knochsnstückchen werden nach dem ärztlichen Gutachten als nicht von einem Menschen

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