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Der Israelit · 1898-04-25 · Heft 32 (25.4.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 32 (25.4.1898)
Date
1898-04-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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595 Gedanke, den uneigennützigen Lehrer nicht durch ein persönliches Geschenk zu ehren, sondern durch eine Stiftung, welche, Gutes wirkend, seinen Namen und seine Liebe zur Schule späteren Geschlechtern verkündet. Diesem schönen Gedanken wollen auch wir unr anschließen und dazu beisteuern, daß der StiftungSfonds zu einer stattlichen Höhe anwachse, würdig des zu Verehrenden, ein Zeugniß unserer Hochachtung und eine Quelle de» Segen» für die zukünftigen Schüler der Talmud-Thora. In der Voraussetzung, daß auch Sie, geehrter Herr, zu diesem Zweck gern beitragen werden, ersuchen wir Sie, den angefügten Abschnitt möglichst bald, spätestens bi» zum 28. April, an Herrn Emil v. S o n, Rutschbahn 26, senden zu wollen. B. Auder Provinz Posen. Eine nichtswürdige Tempelschändung wurde kürzlich in Schlich« tingsheim verübt. Der 16jährige Knecht Oskar Hentschel, welcher in Fraustadt in Diensten stand, warf im jüdischen Bethause fast sämmtliche Fensterscheiben ein, drang dann durch ein von ihm geöffnetes Fenster in das Haus, erbrach die Bundeslade und den Opferkasten und zerriß, anscheinend au» Aerger darüber, daß er kein Geld gefunden, die in der Lade vorhandenen Thorarollen, sowie andere Dokumente; die Untersuchung gegen den Miffethäter ist eingeleitet. — Gegen eine vorzunehmende Repräsentantenwahl in der Synagogengemeinde Ostrowo ist vor Kurzem Protest erhoben worden, weil die drei Lehrer der israelitischen Volksschule auf der Wählerliste aufgeführt waren, obgleich sie von der Zaylung der Korporationsbeiträge befreit sind. Der Protest wurde schon vor drei Jahren einmal hier erhoben, aber vom Regierungspräsidenten mit dem Hinweis, daß nach einer Ministerialverfügung vom Jahre 1874 die Lehrer, obgleich sie von Korporationsbeiträgen befreit sind, nicht nur wahlberechtigt, sondern auch wahlfähig für das Amt eines Repräsentanten seien. Auf Grund dessen wurde sogar ein Lehrer in die Gemeindevertretung gewählt und bestätigt. Auch diese» Mal ist der Protest verworfen worden. V. Soest, 22. April. Auch hier ist ein Antrag auf Verbot de» Schächtens nach jüdischem Ritus in der Stadtverordnetenversammlung am 5. cr. gegen zwei Stimmen abgelehnt worden. Es war dieser Erfolg ein Resultat der eifrigen Agitation des Gemeindevorstandes, der Repräsentanten und des Stadtverordneten Stern. Das Material, welches gegen das Schächten vorgebracht wurde, ist entnommen au» Beiblättern zur „Thier-Börse" von 1893—97, wo auch u. a. hingewiesen ist auf die Gutachten der Rabbiner Dr. Stein, Frankfurt und Stern, Buttenhausen (Letzterer in einer Broschüre), welche erklären, daß da» Schächten kein jüdische» Religionsgesetz ist. — Für die nächste Sitzung ist nun ein Antrag auf Einschränkung de» Schächtens, entsprechend dem Verhältniß der jüdischen Einwohnerzahl zur christlichen, gestellt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. V. Wien, 22. April. (Eine Millionenerbschaft.) In einer der letzten Sitzungen der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde machte der Vorsitzende folgende interessante Mittheilung: „Der englische Finanzmann S. H. Goldshmit ließ ein Erbe von circa vierundvierzig Millionen Gulden zurück, in welches sich seine Verwandten zu theilen hatten. Unter den im Testamente Bedachten erschien auch ein Fräulein Henriette Wiener v. Welten, dem ein Zweiundzwanzigftel de» Nachlasses zugedacht war. Im Laufe der Zelt hatte dieses Fräulein gleich ihren Geschwistern den Glauben gewechselt. Als dieser Vorfall Herrn Goldshmit bekannt wurde, verfügte er in einem Kodizill zu seinem Testamente, daß Fräulein Wiener von Welten, die Hälfte ihrer Erbschaft, also eine volle Million Gulden, an die Wiener israelitische Kultusgemeinde für wohltige Zwecke abzutreten habe. Vor Kurzem schied Herr Goldshmit au» dem Leben und im Sinne seiner testamentarischen Bestimmung wird Fräulein Wiener v. Welten auf eine Million Gulden zu Gunsten der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde verzichten müssen." Herr Goldshmit hat auch andere Wiener Wohlthätigkeits-Jnstitute, vorzugsweise Lehranstalten der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, mit Legaten bedacht. M. Oedenburg, 22. April. Die am 11. d. M. in Kobersdorf stattgehabte Leichenfeier für den Heimgegangenen Oberrabbiner Lazar A l t b'N gestaltete sich zu einer ehrenvollen Manifestation der Verehrung und Liebe, deren sich der Dahingeschiedene nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch bei den Gläubigen anderer Konfessionen während seines segenrvollen Erdenwallens in so ungetheiltem Maße erfreute. Nicht nur aus den umliegenden Gemeinden, sondern anvielen entlegenen Städten waren Deputationen erschienen, um Rabbi Alt auf seinen letzten Wegen zu geleiten. Besonders günstigen Eindruck machte es, daß die Kobersdorfer katholische Gemeinderepräsentanz in der Stärke von zwölf Mitgliedern unter Führung des katholischen Pfarrers Matray, de» Ortsrichters Paul Reiter und des Notärs Blickle erschienen war. Die Trauerzeremonie begann nach 12 Uhr Mittags im Tempel und endete erst gegen 6 Uhr Abends. Auf dem einfachen hölzernen Sarg lag ein von dem Vorstorbenen geschriebenes, bisher jedoch noch nicht herausgegebenes Werk. Nachrufe widmeten der Schwiegersohn des Verstorbenen, der jetzige Rabbiner Lipschütz, Rabbi Ullmann aus Lacken-

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