Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1898)
- Date
- 1898-04-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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■’* ’nr.rRj^^qijL^iy^ 576 stein mit hebräischen Lettern. Zwar sind von der Inschrift fast zwei Drittel herau«gebr«chen, doch ist der ganze obere Theil der letzteren so wohlerhalten, daß er ohne Schwierigkeit wird entziffert werden können. Der Grabstein wird entweder in da» Musum gebracht, oder in die Mauer beim Judenthurme eingelassen werden. Er stammt von dem vor Jahrhunderten auf dem Rahmen befindlich gewesenen „Joddenkerchhoffe" und wird denselben Zeiten angehören, wie die «u» 1416—1439 stammenden vier jüdischen Grabsteine, die in den Judenthurm eingesetzt sind und deren Inschriften Förftemann in seinen „kleinen Schriften zur Geschichte der Stadt Nordhausen" in deutscher Uebertragung bringt. Der aufgefundene Stein lag oben breit auf der Mauer, anscheinend zum Schutz derselben gegen daö Eindringen von Regen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 15. April. Vor und während der eben abgelaufenen Feiertage wurden hier zahlreiche Predigten und Vorträge abgehalten. Den Neigen derselben eröffnete Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d am rüs» Vrun in der altehrwüroigen Altneusynagoge. Dem agadischen Theile de» Vortrages schloß sich eine halachische Abhandlung an. Dieser und jener fanden den Beifall de« zahlreichen Auditorium». Am ersten Festtage sprach der Oberrabbiner in der Graben-Hofsynagoge am crtn 't? versammelten sich, wie alljährlich ein großer Kreis talmuokundiger Männer in seiner Wohnung, um die Fortsetzung des in der Altneusynagoge begonnenen Vortrage«, der zu umfangreich war, anzuhören. Am ersten der letzten Festtage hielt derselbe in der Neusynagoge die letzte Predigt, die in dieser gehört wurde. Die Synagoge ist nämlich der Affanirung der ehemaligen Judenstadt zum Opfer gefallen und wird, während diese Zeilen geschrieben werden, nach 200jährigem Bestände demolirt. Er hatten sich zu dieser seltenen und ergreifenden Feier zahlreiche Andächtige, darunter viele Besucher anderer Synagogen eingefunden, so daß der beschränkte Raum nicht alle zu fassen vermochte und viele nicht eingelaffen werden konnten. Oberrabbiner Ehrenfeld gab den Gefühlen tiefer Rührung, die alle Anwesenden erfaßt hatte, getreuen Ausdruck und seine Worte übten auf die zahlreiche Zuhörerschaft einen mächtigen unverlöschlichen Eindruck. Am letzten Festtage sprach Oberrabbiner Ehrenfeld in der Klaussynagoge gleichfall» vor einem zahlreichen Auditorium, welches der trefflichen Rede mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. In der Meisel- und der Zigeunersynagoge hielten die dort angeftellten Prediger in ersterer der k. und k. Feldprediger Dr. Kisch, in letzterer Dr. Deutsch beifälligst aufgenommene Predigten. Am 1. der zwei Schlußfeiertage predigte der neugewählte Dr. Fischer (bisher Oberrabbiner in Raab) im Tempel. Derselbe hat rasch die Gunst seiner Gemeinde gewonnen. Er spricht geistvoll, wirksam und der Inhalt seiner Reden wird durch ein klangvolles Organ und schöne Vortragsweise gehoben. vermischtes. Brandenburg a $, 18. April. Unter überaus reger Theilnahme jüdischer und christlicher Kreise beging heute da» Louis Bomster'sche Ehepaar das seltene Fest der goldenen Hochzeit. In der festlich geschmückten Synagoge fand eine erhebende Feier statt. Herr Rabbiner Dr. A ck e rmnun sprach über das Wort der diesmöchigcn Sidrah: 'JN ttmp »3 D’ttfnp ditto DnttHpnrn und pries das Jubelpaar. welches noch von echter, altjüdischer Frömmigkeit beseelt sei und dem in den Textesworten ausgesprochenen Ziele jeder jüdischen Ehe mit heiligem und unermüdlichem Eifer zugcstrcbt habe. Möge dem frommen Paare im Kreise seiner Kinder und Enkel noch ein langer sonnenbeschienener Lebensabend beschiedcn sein! R. Warm». Am Donnerstag, den 21. v. Mt», waren es 25 Jahre, daß Herr Bankier Markus Levy das Amt eines Vorsteher» der jüdischen Gemeinde (darunter 17 Jahre als Vorsitzender), ununterbrochen verwaltet. Aus diesem Anlässe erschien bei ihm der Gesammtvorstand, um ihm die gebührenden Glückwünsche der Gemeinde zu überbnngen. Herr Julius Goldschmidt sprach im Namen des Vorstandes, Herr Rabbiner Dr. Stein im Namen der Beamten und Herr Lehrer Rothschild als Sekretär der jüdischen Gemeinde. Unter den Gratulanten befanden sich auch der Groß h. Kreisrath Dr. Breidert, sowie O b e r b ü r g e r m e i st e r K ü ch l e r. Feuilleton. Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von 12) Arnold Mann. (Nachdruck verboten.) Mit einem raschen Blick hatte Kurt die außergewöhnlich anziehende Erscheinung der jungen Dame erfaßt. Er hatte ein gutes, in zahllosen Proben bis zur Meisterschaft geübtes Auge für weibliche Reize. Wie oft waren ihm solche auffallenden Damenerscheinungen Veranlaffung zu endlosen Promenaden, die er zu dem Zweck unternahm, der Ausersehenen sich in irgend einer Form zu nähern. Da ward er nicht müde im Verfolgen des scharfbeobachteten Opfers, in absichtsvollem Stehenbleiben und fragendem An-