Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1898)
- Date
- 1898-04-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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575 bekenntniffen zu schaffen. Derartige Schlagworte hat man auch im Mittelalter vor der Bartholomäusnacht gehört, und solcher Schlagworte bedarf das Land nicht. (Lebhafter Beifall rechts.) Ich bin glücklich, in einem solchen Kreise ausgewachsen zu sein, in dem die Menschen nie nach Religion und Glaubensbekenntniffen classificirt wurden. (Eljenrufe rechts), und würde es sehr bedauern, wenn ich jetzt in einen andern Kreis kommen müßte. Ich hatte meine Ansicht in der Judenfrage schon vor Langem gekennzeichnet. Als ich meine Obergespanstelle antrat, machte bei mir die Deputation der orthodoxen jüdischen Gemeinde ihre Aufwartung. Der Führer dieser Deputation richtete an mich eine deutsche Ansprache. Dies mißfiel mir und ich gab dem offen Ausdruck. Ich sagte: Ich erkenne die Juden nur als Confession, nicht als Nationalität an. Denn die Juden sind ein ergänzender Factor der ungarischen Nation. Wenn die Juden auf diesem Wege fortschreiten und sich selbst nur als Confession bekennen, so werden sie einen nützlichen Theil der ungarischen Nation bilden. Dies war und ist meine Ansicht. Der Ton aber, den die Volkspartei anzuschlagen beliebt, wird nicht dazu führen; er ist geeignet, das Judenthum aus der Nation aurzuscheiden. Wenigstenrichtet sich das Bestreben dahin — doch hoffe ich ohne ,Erfolg. (Lebhafter Beifall rechts.) Wir dürfen die Gegensätze nicht verschärfen, müffen im Gegentheile bestrebt sein, sie auszugleichen. (Eljen-Rufe und stürmischer Beifall rechts.). ZetturrgSirachrichterr und Eorrefpondeuzen: Deutschland. Posen. Sonntag den K). April fand nach mehrjähriger Unterbrechung wieder eine öffentliche Prüfung und bald darauf die Feier de» fünfund zwanzigjährigen Jubiläums der hiesigen Gemeinde- ReligiouSschule statt. Außer den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung und den Kuratoren der Anstalt war auch noch ein zahlreiches Publikum erschienen, zahlreicher als die Aula es zu fassen vermochte. Die Prüfung nahm ihren programmmäßigen Verlauf. Die Leistungen der Zöglinge in den biblischen und rabbinischen Fächern, in Grammatik, Geschichte, Literatur u. a. konnten auf» neue die Ueberzeugung befestigen, daß die Schule ihrer Aufgabe unentwegt treu.geblieben ist. Die nunmehr begonnene Jubiläumsfeier wurde mit einem vom Kantor Finke lsie in geleiteten Gesang eröffnet. Hierauf betrat der Dirigent, Herr Dr. Feilchenfeld, da» laubgekränzte Podium, um in einer «armen Ansprache einen kurzen Rückblick auf die Zeit zu werfen, in welche die Gründung der Anstalt fällt, um den erziehlichen Werth eines unter fachmännischer Leitung stehenden Religionsunterrichts zu betonen, und um anerkennend hervorzuheben, in welch' hohem Maße der derzeitige Synagogenvorstand Sinn und Verständniß für die religiösen Bedürfnisse der Gemeinde bekunde. De» Vorstandes Verdienst sei es, daß hier ein herrliches, monumentales Gemeindehaus erstanden, mit allen der Neuzeit entsprechenden hygienischen Anforderungen. Nachdem der Vorstand in seiner kurzen, aber eindrucksvollen Erwiderung dem Dirigenten und den Lehrern Dank und freundliche Wünsche ausgesprochen, schloß der feierliche Akt mit einem wohleingeschulten Gesang, dem al« Text der 150. Psalm zu Grunde gelegt ward. Bemerkt sei noch, daß auf Anregung des Herrn Rabbiners, dem wie da» Gedeihen und Blühen der Schule, so auch stets das materielle Wohl ihrer Lehrer am Herzen liegt, den beiden Lehrern Scherek und Hamburger, welche auf eine fünfundzwanzigjährige Wirksamkeit seit Gründung der Anstalt zurückblicken, eine besondere Ehrung seitens de» Gemeindevorstandes erwiesen worden ist. An der Anstalt wirken jetzt außer zwei privaten, vier akademisch und vier seminaristisch gebildete Lehrkräfte. Mit dem Wunsche, daß sie auch fernerhin junge, kräftige und hoffnungsreiche Sprößlinge dem Judenthume zuführe, rufen wir ihr zu: ncx by 22*» H. W. Kiel, 15. April. Mit dein 1. Mai scheidet Prediger Dr. Stern aus dem Dienste der israelitischen Gemeinde, deren geistiges Oberhaupt er während sieben Jahre gewesen ist. Mit Dr. Stern verliert die Gemeinde eine ebenso rhetorisch wie pädagogisch gleich ausgezeichnete Kraft. Von bleibendem Werthe ist die von ihm 1891 bewirkte Gründung der hiesigen israelitischen Religionsschule. Auch politisch ist Dr. Stern in Abwehr gegen den Antisemitismus hier und in Rendsburg hervorgetreten. Auf dem Gebiete der Geschichte der Juden anerkannte Autorität, hat er in den letzten Jahren seine wissenschaftliche Thätigkeit auch der Erforschung unserer Landesgeschichte gewidmet. Besonders wird sein Scheiden von den Freunden der städtischen Geschichtsforschung bedauert, der er durch Auffindung neuer Quellen werthvolle Dienste geleistet hat. Doch wird, wie bekannt, Dr. Stern auch fern von Kiel seine Publicationen zur Geschichte unserer Stadt forisetzen. Er geht zum höheren Lehrfach über. Q. Nordhausen, 15. April. Bei dem Abbruche der aus den Zeiten zwischen 1220 und 1234 stammenden Mauer an der Stelle, an welcher jetzt da» neue Schulhaus errichtet werden soll, wurde ein interessanter Fund gemacht, nämlich ein großer Grab-