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Der Israelit · 1898-04-21 · Heft 31 (21.4.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 31 (21.4.1898)
Date
1898-04-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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*74 zu bringen vermochte, als heute die Volkspartei. Und dennoch hat die Regierung gegen sie nicht all' das unternommen, worüber die Volkspartei bei jeder Gelegenheit Klage führte. Und wenn nun Johann Asboth heute die Frage aufwirst: Wo ist kein Antisemitismus? Weshalb stellt er zu gleicher Zeit nicht auch die Frage: wo ist denn eigentlich jene einstige Antisemitenpartei 7 Sie existirt nirgends! — Wohlan! Von dieser Art ist der Antisemitismus in Ungarn, bezüglich desien Johann Asboth gefragt hat, wo es denn keinen giebt? Jedoch diese Frage hat auch noch eine treffendere Illustration. Niemand hat je so aus voller Kehle die Juden beschimpft, wie der gute, alte LadiSlauS Szathmary. Der gute, alte Herr gehörte zur gemäßigten Opposition und daganze Haus nannte ihn nur Onkel Laczi. Also Onkel Laczi kam nie aus dem Schimpfen aus die Juden heraus. Sonst war er ein großer Liberaler, aber um die Pritsche war ihm von Herzen leid. Denn nachdem man nun einmal nicht alle Juden aufhängen konnte, so hätte man sie wenigsten über die Pritsche spannen sollen. Er selbst hätte bereitwillig den Hajducken abgegeben, wenn er sich unter den Juden die feistesten hätte aussuchen können. Wenn Jemand die Juden in Schutz nahm, da schäumte der sonst gutmüthige Herr vor Wuth. Zu solcher Zeit bildete es stets seinen letzten Trumpf, daß: „er keinen einzigen braven Juden gebe!" Böla Grünwald*) machte sich mit Onkel Laczi viel Spaß. Er konnte mit der größten Freundlichkeit Onkel Laczi in eine so heillose Wuth bringen, daß er um ein weniges aus der Haut gefahren wäre. In einem solchen gelungenen Moment fragte einst B6la Grünwald den Onkel Laczi, wenn er die Juden derartig Haffe, warum er denn eigentlich nicht in die Antisemitenpartei eintrete? Darauf gab Onkel Laczi einen Ruck an seiner Hose, drehte eins an seinem Schnurrbart und gab mit tiefem Ernst zur Antwort: „Weißt Du, mein junger Freund, die Juden schimpfen geht an, aber die Juden verfolgen, das ist etwas Anderes. Frage mich also ein Andermal so etwas nicht!" * * * Aber Böla Grünewald hatte auch noch einen andern Auftritt mit Onkel Laczi. Er passierte auf der Albrechtstraße, an dem allerheißeften Julitage. Die Dampfseilrampe war verdorben und Onkel Laczi machte sich schnaufend von der Hitze und sich *) Ein bereits verstorbener, hervorragender National» Oekonom und Politiker christlich-adeliger Abkunft. immerfort die Stirn wischend zu Fuß auf den Weg nach der Burg. „Wohin eilen Sie Onkel Laczi in dieser afrikanischen Hitze?" fragte ihn der ihm gerade entgegenkommende Böla Grünewald. „Ich eile ins Ministerium des Innern, denn ein braver Jude ist in ein Malheur gerathen, diesen muß ich um jeden Preis herausarbeiten." BLla Grünewald brach in ein lautes Gelächter aus. „WaS? Gibt, es denn einen braven Juden?" Onkel Laczi wurde verwirrt, denn er merkte aus dem Gelächter B6la Grünewalds, auf was dieser Hinziele und antwortete also: „Außer diesem Einen gibt es keinen einzigen!" „Aber dieser Eine, der ist wirklich brav?" fragte Büla Grünewald. „Na, für diesen Einen gebe ich meine Hand ins Feuer! — Es gibt in der ganzen Welt keinen solchen braven Menschen mehr!" Darauf lachte Bbla Grünewald noch lauter und sprach folgendermaßen: „Sehen Sie Onkel Laczi, so sind sie Alle! — Sie alle schimpfen die Juden weidlich, aber ein jeder von ihnen kennt „einen braven Juden", für den er die Hand ins Feuer geben möchte! Und nachdem sie zahlreicher sind als die Juden und nachdem auf einen jeden von ihnen ein braver Jude kommt, den sie kennen, folgt daraus, daß jeder Jude brav ist, und daß sie nicht alle Juden kennen lernen und nur jene schimpfen, die sie — nicht kennen!" Onkel Laczi konnte hierauf kein Wort erwiedern. Er eilte weiter immer schwitzend und sich die Stirn wischend, damit er im Ministerium des Innern einen Juden aus einer Calamität befreie. * * * Wohlan denn: ähnlich besteht eS in Ungarn auch mit jenem Antisemitismus, von welchem Johann Asboth fragt: Er existirt überall, wo man die Juden — nicht kennen will. Deßhalb aber kennt dennoch ein jeder einen braven Juden! * * * Der Minister-Präsident Baron Banffy polemisirte im Abgeordnetenhause gegen eine Rede des Abgeordneten Asboth und erklärte, daß man gegen die Reaction, welche die Partei dieses Abgeordneten verkünde, in entschiedenster Weise Stellung nehmen müffe. Diese Richtung, sagte der Ministerpräsident, ist gefährlich, ebenso wie jene, welche zwischen den einzelnen Confessionen Gegensätze heraufbeschwören will. Von Seite dieser Partei wird heute gegen da» Judenthum mit der christlichen Moral argumentirt. Diese Argumentation wird am Ende auch dahin führen, Gegensätze zwischen den einzelnen christlichen Glaubens-

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