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Der Israelit · 1898-09-13 · Heft 73 (13.9.1898) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 73 (13.9.1898)
Date
1898-09-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1370 Geschäfts für die ersten arabischen Lhalifen bezeichnet. Und statt den Juden die Anlage für Religion abzusprechen, gipfelte die Rede vielmehr in dem Satze, daß alle Mängel der semitischen Rasse, die sich bei ihrer Vergleichung mit der indogermanischen Herausstellen, durch ihre weltgeschichtliche Mission auf dem religiösen Gebiete mehr als ausgewogen werden. Diese Proben dürsten es rechtfertigen, wenn ich von befremdlichen Unterstellungen redete und nun die Erwartung ausspreche, daß alle ehrenhaften Redaktionen wie von dem irrthümlichen Berichte, so nun auch von dieser Berichtigung Kenntniß nehmen werden. Hochachtungsvoll Halle, 23. Juli 1896. Prof. E. Kautzsch." Rybllik, 12. Sept. Dieser Tage fand hier die Feier des 60jährigen Bestehens der Synagoge statt. Wie bereits früher berichtet, ist das Gotteshaus aus diesem Anlaß, Dank den energischen Bemühungen unseres verehrten Vorstandsvorsitzenden Herrn Rothsherr und Fabrikbesitzers A. Prager, einer eingehenden Renovation unterzogen worden. Der Eifer, mit dem Herr Prager sich der Sache annahm, weckte in den Herzen der Gemeindemitglieder Nacheiferung und von allen Seiten kamen Spenden zur Verschönerung des Gotteshauses. Da ist es gar nicht zu verwundern, daß die von Fern und Nah zur Feier Erschienenen voll Verwunderung waren über die schön geschmückte Andachtsstätte. Die Weiherede hielt Herr Dr. Cohn aus Kattowitz. In herzergreifenden Worten führte er aus, es gäbe wohl Häuser und Paläste, die schöner geschmückt seien, als ein Gotteshaus es sein könne, aber sie erwecken bei dem Besucher nur Staunen und Bewunderung. Der Anblick eines schön geschmückten Gotteshauses aber, erhebe und reiße zur Andacht hin. Diese Andacht, die wir in dem „Versammlungshause", wie das Gotteshaus genannt werde, finden, möge die Gemeindemitglieder befähigen, die höchste Sittenlehre des Judenihums, welche auch Gemeingut der civilisirten Welt geworden sei, zu befolgen, den Satz: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst." Er forderte die Fefttheilnehmer auf, die abrahamitische Tugend der Wohlthätigkeit nicht untergehen zu lassen, und alle Menschen als Brüder zu lieben. Dann wünschte der Herr Rabbiner der Gemeinde ferneres Wohlergehen, und sprach das Kaisergebet. Die Gesänge des Cantors Herr Nathan und des Chores fanden großen Beifall. Um 0 Uhr vereinigten sich die Gemeindemitglieder und viele Gäste im Wittig'schen Saale zu einer Abendfeier. Während des Mahles, an dem über 100 Personen theilnahmen, ergriff zunächst Herr Rabbiner Dr. Cohn das Wort, um den Kaisertoast auszubringen. Danach entrollte Herr Rathsherr und Fabrikbesitzer A. Prager ein Bild aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde vor 50 Jahren. Als die alte Synagoge nicht mehr benutzungsfähig geworden mar, habe der damalige Vorstand den Bau eines neuen Gotteshauses begonnen, ohne die nöthigen Mittel zu besitzen. Infolgedessen mußte der Bau eingestellt werden. Aus dieser Bedrängniß half ihnen ein edelmüthiger Mann, der damalige Landrath des Rybniker Kreises, Herr Baron von Durant auf Baranowitz. In höchst uneigennütziger Weise lieh er der Gemeinde das nothwendige Kapital von 3000 Thalern, um den Bau weiterzuführen. Im weiteren Verlauf seiner Anrede führte Herr Prager aus, daß die Gemeinde stets das gethan habe, was in ihren Kräften gestanden und trank auf das Wohl der Gemeinde. Nun nahm Herr Kaufmann Bender das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er das gute Verhältniß schilderte, in welchem, wie damals, so auch heute noch, hier — Dank der Loyalität der Behörden — Juden und Nichljuden beisammen leben. In warmen Worten gedachte er des hingegangenen Wohlthäters der Gemeinde, der ihnen den Bau des Gotteshauses erst ermöglichte, des Herrn Baron und forderte die Festgenosien auf, sich ju Ehren der hohen Todten von ihren Sitzen zu erheben. Alsdann verlas Herr Bender außer dem Dankschreiben des Synagogenvorstandes an den Baron die Erwiederung des lohen Herrn. Letztere will ich den geschätzten Lesern nicht vorenthalten. Sie lautet: „Das anerkennende Tankschreiben vom XO. d. M. habe ich mit lebhafter Freude empfangen, weil es mir einen mohlthuenden Beweis einer Gesinnung gibt, welche nicht zu den zeitgängigen Gesinnungen der Gegenwart gehört. Mein langes Leben ist reich an trüben Erfahrungen in dieser Beziehung, deßhalb geize ich mit den bessern, welche mir Gott der Herr zuweilen beschcert. Lassen Sie mich, nieine Herren, die Erinnerung an Ihre freundliche Gesinnung gegen mich für die kurze Lcbenstage bewahren, welche mir noch bcschieden sind und solche dann auf meine Söhne übergehen zum Gedächtniß eines guten Einverständnisses. Einige von Ihnen, meine Herren, wissen es sehr wohl, daß Eigennutz mich niemals beherrschte, am wenig' sten, wenn es siel) um eine Hilfe in der Roth handelte. Habe ich der jüd. Gemeinde zum Aufbau ihres Gottes Hauses helfen können, so habe ich solches gern und ohne jede Nebenr ücksicht gethan, es freut mich, wenn ich auch zu einer andern .Konfession gehörend, der Gemeinde bei dem Ausbau eines Hauses habe behilflich sein können, in tvclchcm Sic würdig zu dem Gott Ihrer Väter beten. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, meine Herren, ist ja auch mein Gott, zu dem ich bete, und Sie wissen es, ich bin weit entfernt davon, Andersgläubige wegen Glaubens zu verdammen. Lassen Sie uns immer an Gott und den Glauben fcsthalten, es sei unter welcher Form es wolle, lassen Sie uns treu zu unserem angestammten Königshause halten und nicht irre werden, uuc cs so viele werden. Mit Bekümmeruiß sehe ich, daß die Gesinnung liitM mehr überall die alte ist, wie sic war, als ich in engerer Beziehung zu Ihnen stand, gestatten Sie mir die Bitte

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