Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1898)
- Date
- 1898-09-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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jfcjfcfcllt. Jahrgang. Ziveitc Sellagr M 73 ors „Israelit". Zeitmrgsttachrichterr und Correspottdettzerr Deutschland. Frankfurt a. M. Dem Bericht des „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" sür das Jahr 1897 entnehmen wir: Den Bericht können wir diesmal mit einer erfreulichen Nachricht beginneil. Unsere Anstalt ge nügte schon lange nicht mehr für die stets wachsende Zahl verlassener jüdischer Waisenkinder. Jede Post brachte Gesuche um Aufnahme, die wir mit blutendem Herzen aus Mangel au Raum stets abweisen mußten. Von der Nothwendigkeit, unsere Anstalt zu erweitern, überzeugten sich auch alle diejenigen, welche bei einem Besuche des heiligen Landes unsere Anstalt in Augenschein nahmen, uitb deren waren nicht Wenige. Ohne eigene Mittel §u einer derartigen Ausgabe, wandten wir uns im Juni 1898 an Frau Baronin von Hirsch in Paris. Diese hochherzige Frau, deren edles Herz niemals vergebens angerufen wird, wenn es sich um die Linderung der Noth handelt, stellte uns alsbald den Betrag von Mk. 12 50o zur Verfügung, woraus wir die nöthigen Anweisungen nach Jerusalem gaben. Tausend Dank sei der edelmüthigen Spenderin dargebracht. Ihr Name wird auf der Tafel unserer Stifter verzeichnet werden, und segnende Dankbarkeit in den Herzen der Kinder, die durch ihre großmüthige Hülse zu eineln menschenwürdigen Dasein gelangen, wird ihr für ewige Zeiten erhalten bleiben. Von den Zöglingen, die im Vorjahre in der Anstalt sich befanden, sollen drei ihre Ausbildung im Ackerbau in Mikweh-Jsrael finden. Zwei andere Zöglinge sind bei Handwerksmeistern untergebracht. Gleiches wird demnächst mit einem andern geschehen. Das Waisenhaus tvar von 88 Schülern besucht, von denen 11 Interne sind: 68 sind Aschkenasim, 16 Sephardim, 2 Perser, 1 Grieche, l Muhamedaner. Der Letztgenannte ist der Sohn eines Polizeibeamten und auf spezielle Empfehlung des österreichischen Eonsuls ausgenommen worden. Sieben zahlen Schickgeld, dagegen erhalten 39 das Mittagessen im Waisenhanse, Neu eingetreten sind 22. Unsere Finanzlage hat sich Dank der großmüthigen Unterstützung verschiedener Gönner etwas gebessert. Wir können wenigstens nach langer Zeit wieder mit einem kleinen Uebcrschusse abschliehen. Wir |uit> dringend daraus angewiesen, daß nicht nur unsere alten Gönner dem Verein ihr Wohlwollen fort erhalten, sondern daß auch neue Einnahmen uns zufließen; denn während einerseits unsere Erträgnisse durch die Zinsherab setzung der deutschen Papiere und durch die Reduetiou des Zuschusses, welchen das Curatorium der Lämmelschule uns zu gewähren in der Lage ist, sich vermindern, stehen uns tteue schwere Lasten und Aufgaben bevor. Die neu gebauten Räume sollen doch nicht nur dem schönen Aussehen unseres Hauses dienen, sie sollen bewohnt werden von jungen Kindern, denen wir die Eltern ersetzen, Nahrung, Kleidung, Erziehung und Unterricht gewähren wollen. Daß dies geschehen könne in der schönsten, gottgefälligsten "Weise, dazu erbitten wir uns die Milhülse aller derer, die ein Herz haben für unmündige Waisen unseres Glaubens und Verständniß besitzen für die Bedeutung einer guten Erziehung und Attsbildung der jüdischen Jugend im heiligen Lande. Die Einnahmen betragen 34 647 Mk., denen 26 267 Mk. Ausgaben gegenüberstehen. Halle/ Seit Wochen wird von den Antisemiten eine Rektoratsrede des Herrn Professors Dr. E. Kautzsch in Halle eolportirt, in der der gelehrte Orientalist über den Zusammenhang des Rassencharakters der semitischen Volksstämme mit ihrer Stellung zur Kunst, zur Wistellschaft, zur staatlichen Organisation und zur Religion gesprochen, und in der er gegen die „Semiten" die schärfsten Angriffe gerichtet haben sollte. Sie hätten kein Organ für bildende Künste und für streng wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiete der Metaphvsik und der Geschichte, der Staat wäre ihnen ein Geschäft und dergleichen schöne Dinge mehr. Mit aufrichtiger Geuugthuuug bringen wir deshalb die folgetlde an die „Allg. Zeitung d. Judenth." gerichtete Erklärung des Herrn Proseffor Kautzsch, der als ein ebenso großer wie humaner Gelehrter allgemein bekannt ist, zum Abdruck: „lieber die am 12. Juli von mir gehaltene NektoratSrede sind in der vergangenen Woche in verschiedenen Blättern Berichte und Bemerkungen erschienen, die den Sachverhalt iri der befremdlichsten Weise entstellen. Ich vermag mir das nur so zu erklären, das; man zuerst von gewisser Seite begierig die Gelegenheit ergriff, mich Dinge sagen zu lassen, die man selbst zu sagen wünschte, und daß dann Andere diese Unterstellungen in gutem Glauben weiter verbreiteten. In Wahrheit hatte die Rede mit antisemitischen Tendenzen in dem jetzt üblichen Sinne des Wortes schlechterdings nichts zu thun. Der angebliche Hinweis auf das jüdische Talent für den Schacher beruht auf der unglaublichen Verdrehung eines Citats aus A. von Cremers Geschichte der herrschenden Ideen des Islam, in welchem er den Staat als Gegenstand eines