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Der Israelit · 1898-09-13 · Heft 73 (13.9.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 73 (13.9.1898)
Date
1898-09-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1363 Zeitungsnachrichten und Corresponderrzen. Deutschland. Fürth, 25. Ellul. Gestern Abend feierte der jüngsten Winter gegründete Verein „Auhawe Thauroh" seinen ersten Simn über v'ni. Zur Abhaltung dieser Feier war seitens der Verwaltung des Vereins in sinniger Weise das altehrwürdige v'iivn ira der Klaus Synagoge ausersehen worden; eine Stätte, wo einst Rabbi Wolf Hamburger bm und Andere ihre aufgeschlagen hatten. Zur Feier waren zahlreiche Mitglieder und Gönner des Vereins erschienen, so daß das Lokal nicht alle Anwesenden fassen konnte. Nachdem der Sium über rotrn pm tcdd beendet war, hielt der Lehrer des betr. Schiur, Herr Hai mann, eine längere Ansprache und wies im Veilaus derselben daraus hin, daß seit Gründung des Vereins / Stunden pro Woche mehr gelernt wird, als wie srüber. Sodann gab der erste Vorstano Herr M. Königshöfer einen kurzen Rückblick über die bisherigen Leistungen des Vereins und brachte dabei den mi wirkenden Lehrern, den Dank des Vereins zum Ausdruck. Es hielten noch Herr Dr. Dessau und Herr Dr. Deutsch der Bedeutung des Abends entsprechende Ansprachen, die von den Anwesenden mit großen Beifall ausgenommen wurden. Mit Absingen von Kapitel 111 aus Tehillim schloß die Feier. P. L. 2 e ft c r r.- Unga r. Monarchie. X. Wien, 12. Sept. Der von der christlichsozialen Gemeinoeraths-Major.tät beherrschte Wiener Bezirksschulrath hat ein Mittel erftmden, um das interkonfessionelle Volksschulgefitz zu umgehen. Da man keine Hoffnung hat, konfessionelle Schulen einzuführen, begnügt sich ver Wiener Bezirksschulrath vorläufig statt dZsen mit konfessionellen Klaffen in den Schulen. Der betreffende Erlaß, der an alle Schulleitungen ergangen ist, lautet: „Im Hinblicke aus die inannigfachen Ueöelftände, welche sich in Hinsicht auf den Stundenplan aus dem Zusammensein von Kindern christlicher und mosaischer Religion in einer und derselben Klaffe ergeben, findet der Bezirksschulrath der Stadt Wien sich bestimmt, die Schulleitungen, beziehungsweise die Lokal-Lehrerkonferenzen anzuweisen, in Gemäßheit des § 46 der Schul- und Unterrichtsordnung vom 2*). August 1870 den obwaltenden Verhältnissen der Schule stets soweit als möglich Rechnung zu tragen und daher bei Ver theilung der Kinder in die Klassen und Abtheilungen auch darauf entsprechend Rücksicht zu nehmen, ob die einzutheilenden Kinder einer christlichen oder der mosaischen Konfession angehörcn. Hierbei ist jedoch strengstens darauf zu achten, daß hieraus weder dem Bezirksschulfonds noch der Kommune irgendwelche Mehrauslagen erwachsen und daß sämmtliche gesetzliche Vorschriften über Ein- und Ausschulungen genauestens berücksichtigt werden." Damit ist der Antisemitismus ganz offiziell in die Wiener Volksschulen eingeführt. Da ausschließlich die jüdischen von den christlichen Kindern abgesondert werden, ist damit ein neues Ghetto in den Volksschulen eingerichtet. Der Bezirksschulrath hat dom't seine gesetzliche Befugniß überschritten. Wien, 13. Sept. Der Präsident der Wiener israelitischen Eultusgemeinde, kaiserl. Rath Kling er, hat für heute, Montag den 12. d., eine außerordentliche Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde behufs einer Trauerkundgebung anläßlich des erschütternden Ereigniffes des Todes der Kaiserin einberufen. Von sämmtlichen Amtsgebäuden der Cultusgemeinde wehen Trauerflaggcn. Budapest, 13. Sepl. Der Vorstand der Altofner isr. Eultusgemeinde Samuel Ehrlich, Besitzer des goldenen Peidienstkreuzes mit der Krone :c. machte in einer für den 11. d. M., 'Abends Uhr einberufenen Generalversammlung Meldung von dem schweren Schlage, welchen d e Dynastie, die Station nnd das ungarische Judenthum durch das tragische Ableben der Kaise i i Elisabeth betroffen. Tieferschüttert, schmcrzgefolterten Herzens erschien der greise Präsident der Gemeinde in der Versammlung und beantragte Folgendeo: Die tiefe Dheilnahme protokollarisch zu verewigen, znm Andenken an die theure Todte, einen imposanten Trauergotteodienst zu veranstalten, am Tage der Beisetzung Geldspenden unter die Armen ohne Religionsunlerschied zu vertheilen lind die tiefempfundene Dheilnahme dem König zu übermitte!n. Die Anträge wurden einstiinmig angenommen. — In der orrhodoren Svnagoge in der Vasäry Pälgasse hielt der hiesige Talmud-Thora-Verein eine großartige Iranerfeier, bei welcher der hervorragende Talmudist Rabbiner Sigmund Soffer eine ergreifende Trauerrede hielt. Das Präsidium des israelitischen Knaben-und Mädchenwaiseiihauscs hat aus Anlaß des Ablebens Ihrer Majestät beschlossen, daß die Waisenkinder vier Wochen hindurch Trauer tragen sollen: nach Ablauf der vier Wochen wird ein feierliches Requiem abgehalten und auf dem Flamen der Königin eine geoße Stiftung gegründet Aus Temesvar lelegraphirt man, oaß die Eultnsgeiueinde einen imposanten Trauergotteodienst hielt und beschloß ebenfalls eine große L-riftnng zu gründen. Rach Ablauf der ivier Wochen werden in allen Synagogen Ungarns Trauergottesdienste veranstaltet. Josef Spitzer. England.? London. Die jüdische Freischnle hat einen schweren Verlust erlitten, ihr langjähriger Vorsteher Moses Angel ist arn zweiten September nach längerer Krankheit gestorben. Er war 1817 geboren, also 81 Jahre und seit 38 Jahren Vorsteher der jüdischen Freischule, die er aus verhältnißmäßig kleinen Anfängen zu der größten Schule der Welt entwickeln half. Sein Begräbniß fand unter großer Betheiligung seiner vielen Freunde und ehemaligen Schüler statt und am Donnerstag den 8. d. Mts. veranstaltete Rev. Emanuel in der großen, aber doch überfüllten Halle der Freischule eine Trauerseier, in der er die Verdienste des Entschlafenen entsprechend würdigte.

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