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Der Israelit · 1898-09-13 · Heft 73 (13.9.1898) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 73 (13.9.1898)
Date
1898-09-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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SVfl»9 1964 Egypten. Alexandrien, 4. Sept. (D i e jüdischen Gefangenen in Omdurman.) c’tbk vre *jnr Vorgestern, Freitag, l Uhr Nachmittags, haben die von General Kitchener befehligten englisch-egyptischen Truppen, wie Ihnen der Telegraph sicherlich schon gemeldet hat, ihren Triumpheinzug in Orndurman, der Hauptstadt des Mahditenreiches, gehalten, und wurden die dort gefangen gehaltenen Europäer und Egypter, 140 an Zahl, sogleich in Freiheit gesetzt. Unter diesen Gefangenen befanden sich auch fünf Juden und zwar einer aus Livorno, Namens Giaeomo Passioni, dann zwei egvptische und zwei türkische Juden. Ursprünglich betrug die Anzahl der von dem grausamen Abdalla gefangen gehaltenen Juden sieben, doch haben zwei derselben zwangsweise den Islam angenommen. Dieselben werden nun jetzt voraussichtlich wieder zum Judenthum zurückkehreu. Also, vorgestern p’vy, erhielten nun diese Unglücklichen, die seit fünfzehn Jahren in der Gefangenschaft schmachteten und keinen Augenblick ihres Lebens sicher waren, ihre Freiheit wieder. Was nun den Juden Passtoni anbelangt, so werde ich nur das erzählen, was der in Rom lebende Franziskaner-Pater Rossignoli, der schon 1894 aus der Gefangenschaft in Omdurman entflohen ist, in seinem Buche:;,J miei dotlici anni (li prigioeia nel Sudan" („Meine zwölfjährige Gefangenschaft im Sudan") von ihm erzählt. Dort heißt es: „Ich und mein College Pater Regnotto (auch dieser erhielt erst vorgestern seine Freiheit wieder) konnten uns in Omdurman kaunl erhalten, da wir vom Chalifen Abdallahi nichts erhielten und wir durch unsere Händearbeit nur wenig verdienen konnten. Ich wob zwar Bänder, verdiente aber damit täglich kaunl 50 Pfennige. Da lernten wir den Juden Passioni aus Livorno kennen, der gleichfalls ein Gefangener des Chalifen war. Dieser borgte uns nun etwas Geld, so daß wir uns eine Hütte kaufen konnten. Wir bucken nun Brod und kochten Bohnen aus, die wir dann auf dem Markte verkauften. So konnten wir uns durch die Hilfe des Juden doch anständig ernähren." Wir können nun sicher sein, daß weder Pater Rossignoli noch Pater Regnotto nächstens in einen antisemitischen Verein eintreten werden. Nach den Feiertagen, wenn aus Omdurman ausführliche briefliche Berichte in unseren arabischen Zeitungen vorliegen werden, werde ich Ihnen Näheres über die befreiten fünf Juden mittheilen. Vermischtes. Jerusalem. Das von dem verstorbenen Oberrabbiner Z. L- Diskin dahier ins Leben gerufene Waisenhaus hatte in den drei Monaten von idu n"“i bis non n"i eine Einnahme von 91,S4:> Piaster und eine Ausgabe von .‘0,495 Piaslcr. Rybttil. Herr 0r med, Silberberg ist durch Allerhöchste Eabinetsordre vom 25. August zum Stabsarzt befördert worden. Die Fortsetzung der ©pptnUtira’füitn LUdn aus dem jiUifdp febtn *) Von Maler Hermann Junker. (Unsere Illustration.) Das dritte Bild ist: „Die Brau tschau". In dem Hause der Braut hat sich der Freier in Begleitung seines Vaters eingefunden. Die Präliminarien find beendet, die Fragen nach Stand und Vermögen beantwortet, der Heirathsakt in Ordnung. Des Bräutigam's Vater, am Tische zur Linken sitzend, wirft einen letzten Blick aus das wichtige Schriftstück. In ihm ist das Portrait des bekannten Rabbiners Dr. Leopold Stein verewigt, welcher den Tert zu den Oppenheim'schen Bildern geschrieben und sonst auch als Schriftsteller einen Namen hat. Der Sitte gemäß, erscheint in der geöffneten Thür in Begleitung der Mutter die Braut, verschämt die Augen niederschlagend. Sie trägt als Zeichen der Einwilligung in die Verlobung einen rosafarbenen Liquer, Rosoglio geheißen, fettes Gebäck und andere Süßigkeiten auf silberner Schale. Mit befangenen, zögernden Schritten geht ihr der Freiersmann entgegen, in der Hand den Rosenstrauß. Lächelnd drängt der Vater der Braut den Verlegenen vorwärts. Rechts im alten Ledersessel thront die Großmutter; auf den Stock gestützt, schaut sie mit Theilnahme der Scene zu, die ja auch sie einst erlebte, an ihrer Seite lehnt der Enkel mit dem Gleichmuth der Jugend. Neugierig drängt sich ein Knabe durch die Thür und ein junges Mädchen, hinter dem Tische stehend, giebt eine stumme Zuschauerin ab. Das Zimmer, welches seitwärts den Blick in einen Alkoven gewährt, ist nach altmosaischem Ritus ausgestattet. An der Wand nach Morgen hin, prangt in Umrahmung das hebr. Wort Misrach. Das Gewürzbüchslein fehlt nicht im Raume und in dem geöffneten kleinen Wandschranke liegt bei dem Sabbatbecher die geflochtene Wachskerze, welche am Sabbatschlusse angezündet wird. Da stehen fünf Bücher Mosis. Die vielzinkige Sabbatlampe glänzt hell von der Decke herab und giebt dem Ganzen den traulichsten Abschluß. *) Siehe Einleitung in der Beilage zu 9h\ 79 im vor. Jahrgang dieses Blattes. Der Lettischen Lebensversicherungs-Gesellschaft Atlas zu Ludwigshasen a. Rh. ist Seitens der Königlich Preußischen Regierung unter dem 20. August er. die Konzession zum Geschäftsbetrieb in Preußen für alle von ihr betriebenen Branchen erteilt worden

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