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Der Israelit · 1898-09-13 · Heft 73 (13.9.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 73 (13.9.1898)
Date
1898-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1355 zum edlen Nacheifern begeistern, — uns anspornen, daß auch wir mit einem ’jjn dastehen, wo die Religion uns ruft. Vor allem in einem Punkte ist jenes Kapitel besonders für unsere Zeit überaus lehrreich. Mehr denn je beginn! in unseren Tagen das ältere Geschlecht in Israel auf die geistige Verwandtschaft mit dem jüngeren Geschlechte zu verzichten. Die Eltern wähnen sich tolerant, wenn sie ihren Kmdern gewähren, wenn sie dieselben ihre eigenen Wege gehen lasten, ohne sich um ihr seelisches und geistiges Wohl viel zu bekümmern. Wie häufig begegnen wir Kindern wirklich religiöser Eltern, die den Glauben ihrer Erzeuger entweder ganz verabschieden oder doch wenigstens sich innerlich von ihm lossagen. Ist es, um nur eins für vieles hervorzuheben, etwa eine Seltenheit, — daß die Eltern, vorausgesetzt, daß sie noch ihre eigene Meinung gewahrt haben, mehr oder minder das Haus ihrer Kinder meiden müssen, nur weil sie mit ihnen das Mahl nicht theilen können? In den meisten Fällen verschulden die Eltern selbst die tiefe Kluft, die sich zwischen ihnen und ihren Kindern aufgethan, — sie ernten nur, wa» sie gesät oder ernten nicht, weil sie eben in der Zeit der Aussaat an der nöthigen Sorgfalt es haben fehlen lasten. Nur ein Sohn eines Abraham und einer Sara konnte mit solchem Gleichmuth den Weg nach Moriah wandern, während Jsmael deutlich die Spuren der mütterlichen Erziehung aufweisen mußte. Welche Schatten auch die trübe Erscheinung auf die Neuzeit werfen mag, für den Bestand des Judenthums brauchen wir darum doch nicht zu bangen, auch uns gilt ja der trostreiche Zuspruch Jirmijahus: „Es gibt einen Lohn für dein Wirken, — es kehren die Kinder zurück aus Feindesland. Es gibt eine Hoffnung für Deine Zukunft, die Kinder kehren zurück in ihr Gebiet." Alljährlich am Neujahrsfeste tröstet der Vater im Himmel die Stammesseele in Israel, die Klage erheben möchte, wie einst Rachel über ihre ins Exil fortgeführten Kinder, über die Söhne und Töchter unseres Volkes, welche ihren Wissensdurst am liebsten an fremder Quelle stillen, ihr ureigenstes Gebiet verlassen und Feindesgebiet aufsuchen: „Halte nur zurück deine Stimme vom Weinen und deine Augen von Thränen, denn ein Lohn ist für dein Thun, und sie werden zurückkehren aus dem Lande des Feindes. Und Hoffnung ist für deine Zuknnft, — und es werden zurückkehren die Kinder in ihr Gebiet." — Und ob auch Jahrhunderte schon Israel der Erfüllung dieser Verheißung entgegensieht, — ob es auch gar viele gibt im eigenen Lager, die durch die lange Golusdauer gegen alle die erhabenen Joeen ihres Glaubens gleichgiltig geworden, die Hoffnung auf die Zukunft unseres Volkes verloren, so bauen wir doch auf die Mission unseres Stammes, — und die trostreiche Verheißung unseres Gottes labt und erquickt uns, — richtet uns auf und erhebt uns, — macht uns widerstandsfähig gegen alle Unbilden der Zeit, — wir wissen es, daß die Sonne um so heller leuchtet, — wenn sie die finsteren Wolken getheilt und Herrin geworden der Finsterniß. Vor allem am nrv'n psn, wo selbst die Gleichgiltigsten ihre religiöse Gleichgiltigkeit fallen lassen und es mit ihrer Bildung und Stellung nicht unvereinbar finden, gleichfalls als Anhänger unserer Religionsgemeinschaft, als Bekenner des einig-einzigen Gottes die heilige Festzeit mit uns zu feiern, sind wir solchen zukunftsfrohen Hoffnungen zugänglich, wir sehen da gewissermaßen den einen Theil der Verheißung sich erfüllen: vbvb '.zw „es kehren die Kmder zurück in ihr Gebiet!" Ja, Israel, beherzige es: -jnnnx1? mpn Dir blüht eine eine sichere Zukunft", so ruft dein Gott dir zu Beginn deines Jahres, — auf daß dich diese Hoffnung durch alle Stürme der Zeiten siegreich hindurchgeleite und alle deine Kinder lebendige Zeugen werden des reinsten Gottesglaubens, bis daß vereinst er Gemeingut geworden der gefammten Menschheit! Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Ludwigsvurg Am 7. d. Mts. tagte im Hotel Degginger zu Stuttgart die Plenarversammlung des Unterstützungsvereins der isr. Lehrer und Vorsänger Württembergs, welche diesmal besonders zahlreich besucht war. Als Gäste hatten sich eingefunden die Herren Kirchenrath Dr. Kroner, M. H. Goldschmidt, Mitglied der K. isr. Oberkirchenbehörde und Vorstand der isr. Waisenanstalt, Bezirksrabbiner Dr. Stößel, Ernst E. Pfeiffer, sämmtlich in Stuttgart, ferner Rabbiner Dr. Straßburger-Göppingen und Rabbiner Dr. Berlinger- Braunsbach. Rach herzlicher Begrüßung der Gäste und Kollegen durch den Vereinsvorstand, Oberlehrer Stern- Eßlingen, erstattete der Kassier, Metzger-Cannstatt, den Kassenbericht: Das Vereinsvermögen beträgt 51,164 M. Bei der Tags zuvor stattgefundenen Ausschußsitzung wurden an Unterstützungen 2800 Mark bewilligt. Die Zahl der Wittwen ist eine verhältnißmäßig sehr große und dürfte als Beweis dafür anzufehen sein, daß der Beruf des Lehrer-Vorsängers ein aufreibender ist. Die Konferenz behandelte das Thema: Unsere Lage und die Lage unseres Dienstes. Die eingebrachten Anträge wurden vom Vorstand und von Spatz-Affaltrach begründet. An der sehr lebhaften Debatte betheiligten sich neben anderen besonders

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