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Der Israelit · 1898-09-13 · Heft 73 (13.9.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 73 (13.9.1898)
Date
1898-09-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1354 sie sich von ihrem Kinde entfernen, nur weil sie den Schmerz nicht ansehen konnte? Indem nun das Bild der Hagar uns vorgeführt wird, — ruft unser Fest allen denen, die sich in der Wüste des Elend wähnen, die an eine bessere Gestaltung ihrer Verhältnisie vollends verzweifeln und auch den Muth nicht mehr finden, die Hände zu rühren, zu: "p ™ ’P1TnrT Lasset ja nicht die Hände sinken", bewahret euch die Hoffnung, — setzet nur Vertrauen auf Gott und leget selbst Hand ans Werk, — so werden eure Augen, die nur geblendet sind, sich aufthun, und ihr werdet schauen den Heilsborn der Gotteshilfe, der bereits quillt und euch vielen Segen verheißet. Eine dritte Frauengestalt tritt am ersten Festtage vor unser geistiges Auge; Hanna, deren Bild uns die mtscn dieses Tages vorführt. Anderen ist das eigene Heim eine Zuflucht vor den Stürmen und Wettern des Lebens; hier suchen sie Muße und Erholung, hierher flüchten sie sich vor den Unbilden der Außenwelt und trinken sie frischen Muth zu neuer Thätigkeit. Für Hanna ist das Haus nur die Quelle unsäglichen Schmerzes; Kränkungen im Schoße der eigenen Familie verbittern ihr das Leben, bringen sie um die Herzensruhe und den Seelenfrieden, — auch sie muß das Haus verlaffen, soll sie nicht an den geheimen Wunden ihres Herzens verbluten. Wohin lenkt Hanna nun ihre Schritte, etwa in die Wüste? In das Gotteshaus wallet sie, hier weint sie ihren Schmerz aus vor Gott, der Herz und Nieren prüfet, der da ist „ein Gott der Gesinnungen" und jeden stillen Wunsch kennet. Sie betet aber nicht nur, — ja vom Inhalte ihres Gebetes wird uns nichts mitgetheilt, — wir lernen nur den Erfolg ihres Herzensergusses kennen: sie thut ein Gelübde, sie gibt ihren Willen kund, auch nach erfüllter Bitte das Gewährte nur als ein Lehen zu betrachten, aus Gottes Hanv empfangen. Und was sie gelobt, hält sie auch getreulich, — sie weiht ihren Sohn, mit dem Gott sie begnadet, dem Dienste des Herrn, „alle Tage seines Daseins ist er ihr ein Erbetener, ein Angehöriger Gottes!" So lehrt uns Hanna im Unglück nicht zu verzweifeln und auch im Glücke des Herrn nicht zu vergessen, — alle seine Lebensschickungen auf den zurückzuführen, der uns den Lebenskelch füllet. Ziehen wir nun das Facit für den ersten Neujahrstag, — so leuchtet uns wohl ein, was die Weisheit der Weisen bewogen hat, gerade diese Stücke für unser Fest zu wählen. — Wie unser Fest die höchsten Glaubenssätze uns alljährlich von neuem einschärfen will, auf daß sie uns zur Zehrung dienen für ein ganzes Jahr, so wird uns eben in den Bildern und in den Familienfcenen unserer Festesabschnitte Gottes reiß nn:trn gelehrt. — die Lehre eingefchärftGottes Vorsehung waltet nicht blos im großen Weltenganzen, sondern auch in den Lebensschickungen des einzelnen, — hoch über den Menschen thronend, ist Er auch mit ihnen und um sie: — So schwindet jede Zagniß und Bangniß über die dicht verhüllte Zukunft, die vor unsere Blicken ausgebreitet liegt, — wir vernehmen den alten Trostesruf des Himmels: „Fürchte nicht!" II. Während am ersten Festtage im Neujahr wir das an die Wende der Zeiten gestellte Fest begehen — das in seinem Gedankenkreise die gesammte Menschheit mit uns feiern soll, — wendet sich der zweite ganz an Israel. Da wird in dem Abschnitt der rrrpy unser Blick in die Vergangenheit, wo unser Urahn durch sein muthiges seinen Nachkommen den Adelsbrief edelster Abstammung verliehen, — und in der mtcen wird uns ein froher Ausblick in eine lichtvolle Zukunft erschlossen. Das Judenthum ist eine Religion der Thal, es begnügt sich nicht mit bloßen Ideen, es verlangt auch deren Verkörperung, — und darum ist der zweite Tag des Festes dazu bestimmt, — uns an unsere religiösen Gebotsübungen zu erinnern, — hierzu uns anzuspornen, zu entflammen und zu begeistern. Gibt es hierfür ein geeigneteres Kapital als das gewählte, — das der „Opferung Isaaks"? Fürwahr, Abraham, auf dem Moria stehend, die väterliche Hand ausgeftreckt seinen einziges heißgeliebtes, langersehntes Kind zu opfern, ist uns zum Wahrzeichen der Religion geworden. Die Prüfung, die er bestanden, — macht ihn zum leuchtendsten Muster und strahlendsten Vorbilde echter Glaubenstreue und wahrer Gottesliebe. Ihm ist Gottes Wille oberstes Gesetz, „der Herr erwählt sich das Lamm zum Opfer," — darum fragt er mcht erst nach den Zwecken und Absichten Seines Willens. Kaum wird er gerufen, sieht er schon da, — *j:n, „hier bin ich", bereit jeder Aufforderung Gottes nachzukommen, schon bevor er sie vernommen. Das ist eben die rechte Gottesfurcht, der auch das schwerste Opfer leicht wird. Dieser sein Gottesglauben ist um so inniger und aufrichtiger, als er ihn auch lehrte, — und darum ging fein Sohn Isaak, denselben Weg wie er, kein Mißton trübte ihre Wanderung, nrv arjp sie gingen mitsammt geeint, — zu vollführen, was Gott ihnen aufgetragen npy*? nn -npy^ m „der Vater zu opfern, der Sohn geopfert zu werden." Wenn wir in schnöder Pflichtvergeffenheit so oft die uns am Sinai übertragene Aufgabe vernachlässigen, — woran gebricht es uns da zumeist? Nicht an Opfer- MUth? ES ist UNS zu lästig, zu schwer, einen Theil von dem, was uns aus Gottes Hand verliehen, zu seinem Dienste zu weihen. Als glaubenstreue Israeliten haben wir von unfern Wünschen, unserer Zeit, unserm Vermögen zu opfern, — da kann uns wahrlich Abraham in seiner unbegrenzten Opferwilligkeit

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