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Der Israelit · 1898-09-13 · Heft 73 (13.9.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 73 (13.9.1898)
Date
1898-09-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JahrgMg. M Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodore Sudenthum. Begründet von vr. Lehrnnnn in M«1nr Donner ft ag, den 15. September 5658 (1888). Da mit dem 1. Oct. 1898 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1898 eingetragen unter Nr. 3684. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postguittung) erballen unser Blatt bis Ende September gratis. W Des heilig. .-l">-Festes wegen erscheint nnsere nächste Nummer Dienstag, 20. Sept. Leitender Artikel. Rausch Haschonoh-Gedanken Von Rabbiner Dr. M. Lewin—W reschen. Im Gegensatz zu den übrigen Festen des Jahres, an denen schon aus der Thoravorlesung wir Ziel, Zweck und Bedeutung des Tages kennen lernen, enthalten die für jwn zur Vorlesung bestimmten Festabschnitte auch nicht mit einem Worte irgend welche Andeutung über das Wesen und den Charakter dieses erhabenen Festes. Unsere Weisen lösen die Schwierigkeit, die sich aus der Wahl gerade dieser Stücke ergibt, damit, daß sie die erzählten Ereignisse an unserm Feste abspielen lassen. Diese Meinung unserer alten Lehrer bleibt selbstredend unangefochten, auch wenn wir nach einem inneren, geistigen Zusammenhänge suchen. I. Naturgemäß tritt uns bei der Jahreswende die Hinfälligkeit menschlichen Lebens und die Unbeständigkeit menschlicher Geschicke besonders grell vor Augen. Predigt uns auch das Leben täglich und stündlich hiervon, — die Saiten unseres Herzens schwingen nicht immer in gleicher Weise. Am rurtwn nun, nun, wo wir als bedächtige Wanderer noch einmal die Ereignisse des verflossenen Jahres mustern, wo der eine an den Verlust lieber Angehörigen, der andere an fehlgeschlagenen Hoffnungen, der drille vielleicht an den Ruin seines Besitzes erinnert wird, da fühlen und empfinden wir alle ohne Unterschied die Wahrheit des biblischen Wortes: „Ach, wie ein Nichts steht der Mensch da aus Erden!" Mit welch trübseligen Gedanken müßten wir da unser Fest begehen, wie wenig würden da wohl freudige Hoffnungen Raum gewinnen, so wir bei dieser Betrachtung stehen blieben. Da will uns die Thoravorlesung des ersten Tages unseres Festes zu ganz anderen Erwägungen binleiten. So tritt uns zunächst freudestrahlend unsere Stamn'.mutter Sara entgegen, — mit dem Hochgefühl, das eine Mutter, eine echt jüdische, beseelt beim Anblicke ihres Kindes, mit dem sie von Gott ist „bedacht" worden. „Harret ihr Menschenkinder," so ruft sie uns gleichsam zu, „wartet, verzaget nicht — hoffet aus den Allvater im Himmel; und ob auch lange die Erfüllung eures Wunsches ausbleibet, daß ihr schier verzweifeln zu muffen glaubet, — lasset doch nicht die Hoffnung euch rauben, am Ende wird euch doch noch vielleicht Hilfe!" Wie wenig es überhaupt dem Menschen ansteht zu verzweifeln, die Hoffnung selbst in der größten Noth zu verlieren, — soll uns nun die in der Wüste umberirrende Hagar zeigen. Sie glaubt stch jeder Hoffnung beraubt und gibt ihren Sohn seinem Schicksal preis; sie läßt sich von der Verzweiflung so sehr übermannen, daß sie ihr Kind in seinen Qualen sich selbst überläßt. Hätte ihr, der Mutter, nicht geziemt, tapfer und standhaft auf ihrer Stelle zu verharren und, statt ihre Bürde von ihren Schultern zu werfen und thatenloser Verzweiflung sich hinzugeben, zu tragen, was zu dulden ihr anserlegr ward? Durfte

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