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Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 27)
Language
German
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565 L Hamburg, 15. April. Unter allen deutschen Staaten und Städten hat Hamburg immer am Entschiedensten die antisemitische Hetze verurtbeilt. Schon im Jahre 1893, als dort die ersten V rsuche zur Jmporlirung dieser Seuche gemacht wurden, haben die Bürgerschaft und der Senat sofort die geeigneten Mittel dagegen ergriffen. So ist der Antisemitismus in der alten Hansastadl niemals zu irgend welcher Bedeutung gelangt und hat auch kürzlich trotz aller Kraftanstreugung, trotz aller Hilfe von außen nur einen einzigen Vertreter in die Bürgerschaft hineinbringen können. Neuerdings hat nun wieder der wackere Herr Ahlwardt es unternehmen wollen, das Terrain zu bearbeiten. Die Polizei hat aber die beiden Versammlungen, die er ankündigte, sofort verboten. und auf die Klage eines Parteigenoffen, daß durch diese Versammlungsverbote die Antisemiten ja selbst gegen die Sozialdemokraten im Nachtheil wären, wurde ihnen von Bürgermeister der Bescheid zutheil: „Den Antisemiten würden deshalb von den Behörden engere Schranken gezogen, weil sie eine religiöse Verhetzung bewirkten, während die Sozialdemokraten das religiöse Gebiet nicht berühren." Nun fürchten die Hamburger Antisemiten gar, daß „ein Feldzug von Oben eingeleitet werden solle gegen alles, was reformatorisch gesinnt und antisemitisch verdächtig erscheint*. Oester r.-U ngar. Monarchie. Wien. (Das Erforderniß desTaufs ch e i n e s.) In einem Inserat der liberalen „Linzer Tagespost" schreibt der Bürgermeister der oberösterreichischen Landeshauptstadt, Herr Franz Poche, die Stelle eines Schlachthof-Verwalters und eines Stellvertreters für denselben aus. Gefordert wird nebst dem Nachweise der „deutschen Nationalität" noch die Vorlage des Taufscheines. Seit der berühmten Ausschreibung der Hallstätter Salinenarztes-Stelle durch den „liberalen" Finanzminister Dr. v. Plener ist die Verletzung consessioneller Gleichberechtigung namentlich seitens der autonomen deutschen Gemeinden und Landesverwaltungen zu einer von Niemandem behinderten Gewohnheit geworden. Der Grundsatz, daß die Zugänglichkeit der öffentlichen Aemter nicht von der Confession oder Nationalität abhänge, wird mit einer Dreistigkeit außer Kraft gesetzt, die sich nur durch die passive Ermunterung seitens der Staatsbehörden erklären läßt. Das staatliche Aufsichtsrecht über die autonomen Körperschaften wird damit zu einer todten Formel. Die Gesetze werden gebeugt, verfaffungsmäßige Rechte aufgehoben, ohne daß sich irgendwer darum bekümmert. So ist denn der erstbeste Gevatter Schneider oder Handschuhmacher in einer kleinen Stadtgemeinde stärker, als die österreichische Verfaffung. Und angesichts solcher Zustände wundert man sich dann, daß der ganze verfassungsmäßige Apparat versagt, daß die Autorität der Regierung geschwächt und jeder christlich-soziale oder deutsch-nationale Phrasenheld mächtiger ist, als das beschworene und feierlich verkündete Gesetz. Trotz alledem aber redet man sich noch allerwärts ein, daß wir in einem Rechtsstaate leben. B. Prag Karolinenthal, 15. April. Mitte v. M. fand im Sitzungssaale des jüdischen Rathhauses die diesjährige Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen statt. Im Vordergründe der ernst und würdig geführten Verhandlungen stand die Berathung^über den Lehrplan für den Religionsunterricht an den Mittelschulen, überr welchen namens des Ausschusses Dr. A. Kurrein ein Referat erstattete, das dem Religionsunterrichte neue, praktische Ziele steckte. Da« Referat wurde gründlich dircutirt und wird dem neuen Lehrplane zur Grundlage dienen. Hierauf entspann sich eine lebhafte Diskussion über die Frage der Lehrbücher, welche ein Antrag der Doktoren Hirsch und Back der Lösung näher bringen wollte. Die Erwägung der Lehrbücherfrage wurde schließlich einer Commission, aus dem Vereinsvorstaüd und Vrreinsgenoffen bestehend, überantwortet. Außerdem wurden wichtige Angelegenheiten der rabbinischen Amtspraxis und dringende Standesfragen auf die mündliche Anregung der anwesenden Rabbiner, Dr. Klotz (Jungbunzlau), Link (Dobris), Neumark (Rakonitz), Schwarz (Eger) und der abwesenden Rabbiner Schidloff (Tachau), Stern (Saaz) besprochen und erledigt. Zum Schluffe gab es eine herzliche Abschiedsfeier. Dr. Goitein (Nachod) verabschiedete sich vor seiner baldigen Uebersiedlung nach Kopenhagen in kurzer, freundschaftlicher Rede, auf welche oer Präsident unter lebhafter Zustimmung der Versammlung in warmtönigen, den scheidenden College« ehrenden Worten erwiderte. Die Wahlen für das Vereinsjahr 1898—99 ergaben folgendes Resultat. Präsident: Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld; Vicepräsident: Dr. A. Kurrein (Teplitz), Dr. S. Beck (Smichow); Cassier; Dr. Poznansky (Pilsen); Beiräthe Dr. H. Banet (Gablonz), Rabbiner M. Stark (Weinberge); Schriftführer: Dr. I. Hirsch (Karolinenthal). § Oedenburg, 28. März. Im benachbarten Sopron-Szill ist es diese Woche zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Im dortigen katholischen Leseverein hält der judenfeindliche Kaplan Koloman Messaros drei Mal in der Woche Vorlesungen, in denen er fortwährend gegen die Juden hetzt. Vorgestern in der Nacht wurde nun in Folge einer dieser Vorlesungen da» Hau» de» jüdischen Kaufmannes Rudolf Spitzer von einem Pöbelhaufen umzingelt, der dasselbe demoliren wollte. Schließlich begnügte sich die Rotte damit, die Fenster und da» Hausihor zu zertrümmern. Die Juden hier kragen

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