Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 29-30 (18.4.1898)
- Date
- 1898-04-18
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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564 edlen Sinn und ''ihren männlichen Geist, durch ihr gutes Herz und ihr weiches^Gemüth! Sie machte dem Judenthum Ehre und war eine Zierde der Menschheit und d'rum gilt auch ihr das Wort heiliger Schrift: „Kehre heim in Dein Heiligthum und Tein Allerheiligstes an die Stätte, deren sich freuen Geister und Seelen!" D. H. 8. * * Ueber die verewigte Frau David Bischitz de Heves lassen wir hier einige biographischen Daten folgen : Frau David Bisckitz geb. Johanna Fischer ist in Data im Jahre 3827 geboren, wo ihr Vater eine Porzellanfabrik besaß. Jin Jahre 3852^ heirathete sie den vermögenden Gutsbesitzer David Bischitz, besten zweite Frau sie war. Seitdem ^widmete sich die hochsinnige Frau ständig dem Dienste der Wohlthätigkeit. Im Jahre 3867 machte sie in Pari» die Bekanntschaft des Philantropen Baron Moritz Hirsch und wußte ihn für die Armen in Ungarn lebhaft zu interessiren. Er errichtete in Budapest eine wohlorganisirte Wohlthätigkeitskanzlei, weicherer der Leitung der Frau David Bischitz anvertraute und jährlich mit Hunderlzwanzigtausend Gulden dotirte. Ihr edles Wirken fand auch allerhöchsten Orts wiederholt die verdiente Anerkennung. Der König zeichnete die wohlthätige Frau zweimal in ehrendster Weise aus, indein er ihr zuerst das goldene Verdienstkreu; mit der Krone und später das Ritterkreuz des Franz Josef Ordens verlieh, Ehrungen, deren eine Dame nur in den seltensten Fällen^theilhaftig ^wird. Auch fremde Souveräne schickten Frau Bischitz Ordensauszeichnungen, obschon die jeder Eitelkeit fremde Frau nie nach solchen Zeichen hoher Gunst gestrebt hatte. Ihre größte Freude war aber stets, wenn König Franz Josef sie mit herzlichen Ansprachen beehrte. Und das geschah jedesmal, so oft der König bei der Einweihung eines Wohlthätigkeits-Jnstituts mit der edlen Frau zusammen kam. Der König pflegte sie bei solchen Gelegenheiten* stets wärmstens zu begrüßen und seine ersten^Worte slautetenlin der Regel: „Aber wir kennen uns schon lange!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München, 1. April. Im Finanzausschuß der 2. Kammer berichtete Res. Daller über die Petition des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern um einen Zuschuß zur Unterstützungsftiftung de» genannten Vereins, indem er die Petition'zunächst verliest. Es handle sich um die israelitischen Religionslehrer, welch Anur 100 M., Unterstützung aus der Stiftung erhalten und zum Volksschullehrerverein nicht zugelasten werden. Nach seiner Meinung betreffe die Petition nicht die Volksschullehrerkategorie; er könne ihr also keine Folge geben. — Korreferent Conrad: Ec glaube, daß prinzipielle Gründ: für Ablehnung der Petition nicht vorliegen, da auch für die Rabbiner Zuschüste gegeben melden. — Min. v. Landmanu: Die Verhältnisse der Rabbiner seien hierher nicht maßgebend. Was der petitionirende Verein wolle, sei noch nicht klar; es werden desfalls Ei Hebungen veranlaßt; er könne sich noch nicht definitiv äußern. — Abg. Schub rt: Die gleiche Angelegenheit habe den Landtag 189I/.-2 beschäftigt, damals sei zur Tagesordnung übergegangn worden; wenn die Sache geklärt sei, könne man vielleicht doch für die Petenten etwa» thun. — Rach den Anträgen der beiden Referenten und Aeßerungen derselben und des Vorsitzenden wird die Petition der Regierung lediglich zur Kenntnißnahme hinübergegeben. Doch ein kleiner Fortschritt! A Leipzig, 28. März. In einem Artikel „Jüdische Ritter des eisernen Kreuzes" war in Nr. 466 der antisemitischen „Deutsch-sozialen Blätter" behauptet worden, daß der Fabrikant Adolf Rosenthal in Hechingen in der Schlacht bei Gravelotte einen verwundeten Hauptmann aus der Angriffslinie getragen und dafür das eiserne Kreuz erhalten habe. Gegen das Verhalten des Herrn Rosenthal „sei gar nichts einzuwenden", allein er habe sich nach Uebergabe des Verwundeten nicht in die Feuerlinie zurückbegeben, sondern seine Fürsorge für den Hauptmann so weit ausgedehnt, daß er ihn nicht wieder verlaffen habe. Das eiserne Kreuz aber werde doch nicht für sentimentale Anwandlungen, sondern für Tapferkeit verliehen. Herr Rosenthal fühlte sich durch den Inhalt dieses Artikels beleidigt, und stellte Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur der in Leipzig erscheinenden „Deutsch-sozialen Blätter" Redakteur Hogrefe in Berlin. Das Landgericht Leipzig verhandelte heute in der Angelegenheit. Herr Rosenthal stellte fest, daß er im 33. Jnf.-Regiment gedient und daß er einen Hauptmann eines anderen Regiments aus der Feuerlinie zurückgetragen habe, als das Regiment zurückgeworfen war und nur noch ein kleines Häuflein gegen den andringenden Feind Stand hielt. Bis auf drei Mann seien alle gefallen, die drei aber seien dann nachher decorirt worden. Er verwies noch auf die Thatsache, daß ihm das Qualifikationsattest zum Reserveoffizier wegen Auszeichnung vor dem Feinde und guter Führung ausgestellt worden sei. Redakteur Hogrefe erklärt, daß er in gutem Glauben gehandelt und seinem Gewährsmann vertraut habe. Der Staatsanwalt beantragte eine empfindliche Geldstrafe, das Gericht erkennt auf einen Monat Gefängniß.